14. September 2021 / 16:52 Uhr

Kanu-WM: Sebastian Brendel auf Rekordjagd, Chance für Jugend

Kanu-WM: Sebastian Brendel auf Rekordjagd, Chance für Jugend

Tobias Gutsche
Märkische Allgemeine Zeitung
Sebastian Brendel kann zum siebten Mal in Serie auf einer Strecke den WM-Titel gewinnen.
Sebastian Brendel kann zum siebten Mal in Serie auf einer Strecke den WM-Titel gewinnen. © dpa
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Erstmalig finden in einem olympischen Jahr noch Weltmeisterschaften der Rennpaddler statt. Potsdams Canadier-Ass Sebastian Brendel gehört dabei in Kopenhagen zu den Ausnahmen im deutschen Team - und könnte Geschichte schreiben, während sich die nächste Generation ausprobiert.

Arndt Hanisch hatte eine Empfehlung gegeben. Der leitende Kanu-Rennsport-Bundestrainer legte den deutschen Olympiateilnehmenden nahe, nach den Spielen von Tokio nicht noch bei den am Donnerstag beginnenden Weltmeisterschaften in Kopenhagen zu starten. „Durch die coronabedingte Olympiaverschiebung war der Zyklus auf fünf Jahre gestreckt, fünf wirklich lange und harte Jahre. Da sollten diejenigen, die ihre Karriere noch fortsetzen, jetzt ruhig regenerieren”, sagt der Potsdamer Coach. Die meisten folgten dem Rat. Nur vier der 17 deutschen Tokio-Paddler gehen nun auch bei der WM aufs Wasser – unter anderen Sebastian Brendel.

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Bei dem Top-Athleten des KC Potsdam im OSC hat das persönliche Planungsgründe. In den Herbstferien wolle er mit der Familie noch einmal gemeinsam Urlaub machen, sagt er, dazu folgt noch ein obligatorisches Bundespolizei-Praktikum im Potsdamer Hauptbahnhof. „Dadurch werde ich im Herbst etwas später ins Training einsteigen und habe mich daher entschieden, jetzt noch diesen Block zwischen zu schieben.” Nach insgesamt dreimal Gold bei den Sommerspielen 2012 und 2016 hatte Brendel in Tokio zusammen mit Tim Hecker aus Berlin Bronze im Canadier-Zweier über 1000 Meter gewonnen. Eigentlich wollte der 33-Jährige auch bei der WM im Duett antreten, doch Hecker steckt in der Polizei-Ausbildung.

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Krönung im Kajak-Vierer: Das deutsche Quartett mit Max Rendschmidt, Ronald Rauhe, Tom Liebscher und Max Lemke (v.l.) fuhr zum Olympiasieg.  Zur Galerie
Krönung im Kajak-Vierer: Das deutsche Quartett mit Max Rendschmidt, Ronald Rauhe, Tom Liebscher und Max Lemke (v.l.) fuhr zum Olympiasieg.  ©

Deswegen startet Brendel nach drei Vorbereitungswochen nur als Solist. Und nur auf der nicht-olympischen Langdistanz von 5000 Metern. „Das reicht mir”, sagt der Brandenburger, der in dieser Disziplin seit 2013 sechs WM-Titel in Serie gesammelt hat. „Den Lauf möchte ich gerne fortsetzen.” Es wäre ein Erfolg für die Geschichtsbücher. Siebenmal Gold nacheinander in einer Bootsklasse hat bisher nur die Neuseeländerin Lisa Carrington (K1 200 Meter zwischen 2011 und 2019) geholt, bei den Männern liegt Brendel derzeit gleichauf mit Ronald Rauhe/Tim Wieskötter, die als Potsdamer von 2001 bis 2007 im K2 über 500 Meter siegreich waren. „Mal gucken, wie das Rennen wird, es sind ein paar gute Leute am Start”, sagt der gebürtige Schwedter und weiß aber: „Es ist keine normale WM.”

Zum ersten Mal überhaupt findet in einem olympischen Jahr noch ein Weltchampionat statt. Immerhin rund ein Drittel der Medaillengewinner-Boote von Tokio treten in Kopenhagen an. Viele Nationen schicken nicht ihre Spitzenflotte. Ganz fehlen die in Tokio erfolgreichen Teams aus Australien und Neuseeland. Der Deutsche Kanu-Verband ist mit einem 19-köpfigen Aufgebot dabei. „Das ist vor allem die nachrückende Generation, jene, die schon in der Olympia-Qualifikation gedrängelt hat”, sagt Coach Hanisch. Dazu gehört Martin Hiller. Der erst 21-Jährige aus Potsdam wurde unlängst U23-Weltmeister im Kajak-Einer und tritt nun bei der Eliteklasse im K1 und K2 an. Hillers Vereinskollegin Annika Loske, ebenfalls frisch mit U23-WM-Gold dekoriert, ist gar für vier Rennen gemeldet und dank 5000-Meter-Silber aus dem Jahr 2018 die bislang einzige deutsche Frau, die im Canadier eine Weltmeisterschaftsmedaille bei den Erwachsenen eingefahren hat. Im Männer-K4 über 500 Meter sitzen mit Tamas Grossmann, Felix Frank – beide schon 1000-Meter-Vierer-Weltmeister – und Max Zaremba gleich drei Potsdamer. „Für das Team soll es ein guter Abschluss nach einer langen Saison sein“, sagt Hanisch. Anschließend ist dann kollektive Regeneration verordnet.