25. Mai 2021 / 10:21 Uhr

Kapitän geht von Bord und Probespieler-Marathon: FC Eilenburg plant nächste Saison

Kapitän geht von Bord und Probespieler-Marathon: FC Eilenburg plant nächste Saison

Susan Stephan
Leipziger Volkszeitung
Heidel
Nach sieben Jahren ist für Sebastian Heidel in Eilenburg Schluss. © Susan Stephan
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2014 kam Sebastian Heidel vom VfB Lübeck zum FC Eilenburg. Nun hängt der gebürtige Wittenberger seine Fußballschuhe an den Nagel und möchte die Welt erkunden. Derweil trainieren einige Probespieler beim Verein und eine Entscheidung darüber, ob es einer ins Team schafft, soll Ende der Woche getroffen werden.

Eilenburg. Die Spatzen hatten es schon lange von den Dächern gezwitschert, jetzt hat Sebastian Heidel seinen Rückzug von der 1. Mannschaft des FC Eilenburg bekannt gegeben. Der Kapitän geht von Bord und wird die Spiele in der Regionalliga aus einer anderen Perspektive beobachten. „Ich glaube, dass wird entspannter“, flachste der 32-Jährige.

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Im Oktober 2014 war der gebürtige Wittenberger vom VfB Lübeck nach Eilenburg gewechselt und in den letzten sieben Jahren zur Führungsfigur gereift. Heidel trug viele Jahre die Kapitänsbinde, war der verlängerte Arm von Trainer Nico Knaubel. Beide schätzen und mögen sich. „Der Abschied tut schon weh, es hat unter Nico so viel Spaß gemacht. Er ist ein wahnsinnig guter Trainer und Mensch“, so Heidel, der sich seinen Rückzug aber wohl überlegt hat. Die Argumente, jetzt Tschüß zu sagen überwiegen. Zum einen, weil „der Körper endlich Regeneration bekommt“, zum anderen, „weil ich es genießen werde, Dinge zu tun, ohne mich nach dem Spielplan zu richten“, sagt Heidel.

Der zukünftige Berufsschullehrer, der sein Studium in wenigen Wochen beendet, will reisen, die Welt erkunden. So wie im vergangenen Jahr, als er 3 ½ Wochen in Kolumbien verbrachte. „Es war das erste Mal, dass ich während der Saison weggefahren. Das habe ich sonst nie gemacht, weil Fußball ein Teamsport ist und man nur erfolgreich sein kann, wenn alle an einem Strang ziehen“, erklärt er. Bei ihm haben sich die Prioritäten verschoben.

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"Er wird uns fehlen"

Er freut sich auf die Zeit, die jetzt kommt. Sein Leben, das sich nicht nur nach dem Fußball richtet und trotzdem eng damit verbunden sein wird. „Ich werde sicher aller zwei oder spätestens vier Wochen zu Gast im Ilburg-Stadion sein“, verspricht er. Direkt in einen Trainerjob einzutauchen, kommt für ihn aber nicht in Frage. „Ich brauche jetzt Abstand, kehre aber bestimmt zurück“, blickt Heidel in die Zukunft. Seinen B-Trainerschein hat er einst gemeinsam mit Philipp Sauer gemacht, danach an der Seite von Mike Geppert die A-Jugend des FCE betreut. „Es hat extrem gefetzt mit den Jungs und dem ganzen Team. So etwas macht mir schon Spaß, aber nicht sofort.“

FC Eilenburg
Die Probespieler in Aktion. © Susan Stephan

Auch wenn Corona einen schönen Abschied verhinderte, ist Heidel glücklich: „Ich habe nicht das Gefühl, zehn Spiele zu wenig gemacht zu haben. Mein letztes Spiel war im Oktober in Jena, genau in Jena habe ich 2009 mein erstes Herrenspiel gemacht. Insofern schließt sich da der Kreis“, sagt der Mittelfeldspieler, der im Nachwuchs einige Jahre beim Halleschen FC spielte, später dann für Carl Zeiss Jena und den VfB Lübeck auflief. In dieser Woche trainiert er noch einmal mit der Mannschaft. Zum letzten Mal. Danach beginnt die Vorbereitung auf die neue Saison – mit neuen Spielern und ohne Sebastian Heidel.

Eilenburgs Cheftrainer – seit 2015 am Ball – hat lange und gerne mit „Basti“ zusammengearbeitet. „Er wird uns fehlen“, sagt Knaubel, „aber ich verstehe ihn voll und ganz“. Heidel wird Beobachter und bestimmt auch Tippgeber bleiben. Vielleicht berät er auch bei der Auswahl der Neuzugänge, denn die ist schwierig. Allein in der letzten Wochen waren zehn Probespieler zu Gast, sieben erreichten „die nächste Runde“ und trainieren in dieser Woche noch einmal mit. Mit Adleraugen blickt auch Stephan Hofmann auf die Kicker, und zwar nicht nur aus der Ferne.

Keine Testspiele

Der Teammanager mischt im Training mit, hat Spaß mitten zwischen den Jungspunden, die künftig beim FC Eilenburg kicken wollen. „Ich bin noch keine Bremse und es ist gar nicht so schlecht, mitzuspielen. Unsere Trainer schauen von außen und ich sozusagen von innen“, lacht er. „Hofi“ bastelt gemeinsam mit dem Trainerteam und Präsident Steffen Tänzer an einer neuen Mannschaft, führt Gespräche, gibt Tipps und berät. Er hatte geahnt, dass dieser ehrenamtliche Job zeitraubend sein würde. „Es ist so eingetreten, wie gedacht. Nach dem Training sitzen wir lange zusammen, da wird es schon mal 23 Uhr ehe wir das Sparkassen Nachwuchszentrum verlassen. Es sind gerade arbeitsreiche Tage, aber es wird auch wieder ruhiger“, erzählt er voller Enthusiasmus.

Die nächsten Personalentscheidungen sollen Ende der Woche getroffen werden. Dabei ist das nicht so leicht wie in den vergangenen Jahren. Es gibt keine Testspiele, in denen sich die Kicker zeigen können und beobachten war nicht möglich, weil seit Monaten keiner gespielt hat. Zumindest unterhalb der Regionalliga – und genau in diesen Bereichen suchen die Eilenburger. „Wir wollen hungrige, junge Spieler, die beim FC Eilenburg den nächsten Schritt machen wollen und alles reinwerfen“, so Hofi. Die Probespieler kommen zum großen Teil aus den Leistungszentren von Energie Cottbus, dem Chemnitzer FC und Dynamo Dresden und haben gerade ihren Schulabschluss in der Tasche. Entweder folgt anschließend ein Studium im nahen Leipzig oder ein berufsvorbereitendes Jahr. „Nur Fußball zu spielen, funktioniert beim FCE nicht“, macht Hofmann, der zwei Versicherungsagenturen betreibt, noch einmal klar.

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