06. Dezember 2021 / 18:09 Uhr

Kapitän Gulacsi erklärt: Darum hat es für Jesse Marsch bei RB Leipzig nicht geklappt

Kapitän Gulacsi erklärt: Darum hat es für Jesse Marsch bei RB Leipzig nicht geklappt

Antje Henselin-Rudolph
Leipziger Volkszeitung
Torhüter Peter Gulacsi (li.) weiß, warum es für Jesse Marsch als Trainer bei RB Leipzig nicht geklappt hat.
Torhüter Peter Gulacsi (li.) weiß, warum es für Jesse Marsch als Trainer bei RB Leipzig nicht geklappt hat. © imago images/motivio
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Warum hat es nicht gepasst zwischen RB Leipzig und Jesse Marsch? Am Tag vor dem so wichtigen Champions-League-Spiel gegen Manchester City lieferten Kapitän Peter Gulacsi und Interims-Coach Achim Beierlorzer erste Begründungen.

Leipzig. Einen Abschied gab es nicht. Weil Jesse Marsch immer noch in Corona-Quarantäne festsitzt, musste er nicht nur seine Trennung von RB Leipzig aus der Ferne hinnehmen. Der geschasste Coach konnte auch nicht noch einmal mit seiner Mannschaft sprechen. Das bestätigte Kapitän Peter Gulacsi am Montagnachmittag auf der Pressekonferenz vor dem letzten Champions-League-Gruppenspiel gegen Manchester City (Dienstag, 18.45 Uhr). "Das ist natürlich eine unglückliche Situation", so der Keeper. "Ich weiß aber, dass mehrere Spieler ihn angerufen haben, ich auch." Marsch sei ein toller Mensch. "Ich bin mir sicher, dass wir in Kontakt bleiben."

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"Es gibt in dieser Situation keine Gewinner"

Überraschend kam das Aus des Trainers am Sonntag für die Mannschaft nicht. "Man konnte nach dem Spiel bei Union am Freitag ja schon Einiges lesen", so Gulacsi. Dennoch seien alle im Team ein Stück weit enttäuscht. "Wir waren eine Mannschaft. Das ist nicht die Schuld einer Person. Es ist eine gemeinsame Situation." Auch Achim Beierlorzer, der Marsch mindestens bis zum Ende des Jahres nachfolgen wird ("Diese vier Spiele sind fest vereinbart.") und selbst erst am Montag die Quarantäne verlassen durfte, nimmt in der Kabine eine ruhige Stimmung war. "Die Atmosphäre ist nachdenklich. Es gibt in dieser Situation keine Gewinner", sagte der 54-Jährige. "Alle sind enttäuscht. Die Mannschaft weiß, dass sie jetzt definitiv in der Verantwortung steht. Sie weiß, dass sie liefern muss."

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Das Team in die Pflicht genommen hatte in den vergangenen Tagen auch Vorstandschef Oliver Mintzlaff. Es handele sich nicht nur um eine Trainer-, sondern auch um eine Spielerdiskussion, hatte er nach der Niederlage bei Union Berlin gesagt. Am Sonntag offenbarte er dann, dass Marsch schon vor einigen Wochen auf ihn zugekommen sei und Zweifel daran geäußert habe, ob es zwischen ihm und der Mannschaft wirklich passt.

"Ich würde nicht sagen, dass es nicht gepasst hat", meinte Peter Gulacsi am Montag auf die Frage nach diesem Umstand, um dann aber zu sagen: "Es gab immer kleine Momente im Spiel, wo wir andere Automatismen hatten. Da konnten wir nicht so umsetzen, was der Trainer wollte." Was der Kapitän mit diesen anderen Automatismen meint: die Herangehensweise aus den zwei Jahren unter Julian Nagelsmann. Die orientierte sich stärker an Ballbesitz, war eingeübt und verinnerlicht. "Viele unserer Spieler sind dafür geholt worden", so Gulacsi. Ein Umstand, den auch Beierlorzer bestätigte, wenn auch mit anderen Worten. "Die Konstellation für einen Fußball mit extrem schnellen Spielern war vielleicht nicht gegeben."

"Sehr genau in die Mannschaft hineinhören"

Dennoch, versicherte der Keeper, habe man stets alles gegeben, habe versucht den Matchplänen zu folgen. "Wir haben versucht das umzusetzen. Im Fußball hat man nicht viel Zeit zum Nachdenken. Deshalb braucht es Automatismen. Wenn man vertikaler spielen will, greifen andere Automatismen. Es ist uns nicht schnell genug gelungen, die zu entwickeln, um so die angestrebten Ergebnisse zu erzielen", so Gulacsi. Auch die zahlreichen englischen Wochen seien wenig hilfreich gewesen, ergänzte Beierlorzer. "In diesen Wochen kann man kaum mit der Mannschaft trainieren."

Was heißt das nun für den Rest des Jahres, zuallererst für die Partie gegen Manchester City? "Marco (Kurth, d. Red.) und ich werden sehr genau in die Mannschaft hineinhören, gemeinsam mit ihr die beste Konstellation finden", kündigte der Interims-Chefcoach am Montag an. "Wir werden den Ballbesitz wieder mehr in den Vordergrund rücken. Aber wir wollen auch schnell umschalten, wenn es möglich ist." Wichtig sei jetzt totales Vertrauen in die eigenen Stärken, so Beierlorzer. "Die Jungs haben bereits erfolgreich Fußball gespielt. Das verlernt man nicht."