16. März 2021 / 17:00 Uhr

Kapitän verlässt in schwerer See die Brücke: Patrick Döhler kehrt ESV Delitzsch den Rücken

Kapitän verlässt in schwerer See die Brücke: Patrick Döhler kehrt ESV Delitzsch den Rücken

Johannes David
Leipziger Volkszeitung
Patrick Döhler
Patrick Döhler (r.) ist auf dem Platz immer voll dabei. © Thomas Jentzsch
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Patrick Döhler ist Delitzscher durch und durch, wurde auch in der Jugend des ESV ausgebildet. Nun kehrt der 28-Jährige im Sommer dem Team den Rücken und wechselt zum TSV Blau-Weiß Brehna. Ein schwerer Schlag für die Truppe von Trainer Tilo Ohlig, vor allem da es momentan nicht gut läuft.

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Delitzsch. Der Kapitän verlässt in höchstem Seegang und ohne Land in Sicht die Brücke. Patrick Döhler kehrt dem ESV Delitzsch im Sommer den Rücken und geht zum TSV Blau-Weiß Brehna. Der Wechsel vom Tabellen-13. der hiesigen Fußball-Landesklasse Nord in die Kreisliga nach Sachsen-Anhalt trifft die Eisenbahner hart. „Sportlich ist es eine Katastrophe und für mich schwer zu erklären, weil ,Döhle‘ ein Kind des ESV ist“, sagt Trainer Tilo Ohlig.

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Der mittlerweile 28-Jährige hat bei den Eisenbahnern alle Jugendmannschaften durchlaufen und ist Spross einer Fußball-Dynastie. Der Mittelfeld-Dynamiker spielte zeitweise sogar noch an der Seite seines Vaters Jens in der ersten Männermannschaft in der damaligen Bezirksliga.

In der abgelaufenen Abbruch-Saison war der Spielführer mit 12 Toren in den 15 Spielen einer der Hauptverantwortlichen des Aufschwungs der Delitzscher, die nach dem direkten Wiederaufstieg die Landesklasse als Fünfter beendeten. Döhler stand in 15 von 16 möglichen Partien über die vollen 90 Minuten auf dem Platz. Das sagt eigentlich alles über seinen Wert für die Mannschaft aus.

Delitzsch im Abstiegssumpf

Überraschend kommt der Abgang der Identifikationsfigur indes nicht, der Coach ist schon seit Monaten eingeweiht. „Er hat das total offen kommuniziert und wir müssen das akzeptieren“, erzählt Ohlig. Auch die Hintergründe sind kein Geheimnis. Brehnas Spielertrainer Marco Wünsch (einst selbst in Diensten des ESV) ist Döhlers bester Kumpel. Und die Blau-Weißen haben offenbar große Pläne, gaben außerdem die Verpflichtung von Leonhard Kaiser aus der U19 von Chemie Leipzig bekannt.

In der nach acht Spielen unterbrochenen Kreisliga Anhalt-Bitterfeld rangiert das Team auf Rang zwei und hat mehr als ein Auge auf die Kreisoberliga geworfen. Allerdings gab der Fußballverband Sachsen-Anhalt am Montag den Abbruch der laufenden Saison bekannt. Damit könnte es mit dem sofortigen Aufstieg schwierig werden.

Döhlers künftiger Ex-Club dagegen steckt im Abstiegssumpf. Der Kapitän wird an allen Ecken (nach Standards gilt das Kopfballmonster als besonders gefährlich) und Enden fehlen. „Das, was ihn ausmacht, spielerisch und menschlich, findest du nicht, ohne Geld zu bezahlen“, sagt Tilo Ohlig. Und Geld, sprich Aufwandsentschädigungen, wollen die Eisenbahner weiterhin nicht bezahlen. „Wir hatten erst eine Sitzung zu diesem Thema und haben entschieden, dass wir weiter unsere Schiene ohne finanziellen Obolus fahren. Egal, was passiert“, so Ohlig. Nun muss dem Verein diese Prinzipientreue nur noch durch die schwere See helfen.