17. September 2020 / 14:36 Uhr

Kapitänsamt, Spielzeit, Zukunft: VfL-Urgestein Klamt über seine Rolle im U23-Umbruch

Kapitänsamt, Spielzeit, Zukunft: VfL-Urgestein Klamt über seine Rolle im U23-Umbruch

Benno Seelhöfer
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Geht voran: Julian Klamt vom VfL Wolfsburg II.
Geht voran: Julian Klamt vom VfL Wolfsburg II. © Roland Hermstein
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In der vergangenen Saison hatte VfL-Urgestein Julian Klamt immer weniger Spielzeit bekommen, doch am Sonntag beim Auftakt-Erfolg in Hildesheim führte der Routinier seinen VfL Wolfsburg II wieder als Kapitän aufs Feld. Doch das muss kein Dauerzustand sein.

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In der vergangenen Saison musste VfL-Urgestein Julian Klamt in der Fußball-Regionalliga immer häufiger auf der Bank Platz nehmen, war nur in zehn der 24 Saison-Spiele im Einsatz. Am Sonntag in Hildesheim (3:0) war der Kapitän wieder über die volle Distanz im Einsatz, trug wie gewohnt die Binde und war vor allem Taktgeber seiner jungen Nebenleute. Ein Vorgeschmack auf die anstehende Saison? Der Routinier gewohnt ehrlich: "Es gibt eine klare Absprache was meine Person angeht", sagt der 31-Jährige. "Wir sind in der U23 eine Ausbildungs-Mannschaft. Die Jungs, die nachkommen, haben die Zukunft noch vor sich - und Priorität, auf Spielzeit zu kommen."

Aber ein Teilzeit-Job ist für den Innenverteidiger in Wolfsburgs zweiter Mannschaft zumindest kurzfristig nicht in Sicht. Seine Routine ist gefragt. Mit Jannis Lang und Marcel Beifus hatte er in der Dreierkette in Hildesheim zwei aus der A-Jugend hochgerückte Youngster neben sich, die (ebenso wie Bryang Kayo) noch U19 spielen dürften. "Aber nicht nur rechts und links neben mir. Mit Ole Pohlmann, Robin Bird und Kayo waren noch mehr Debütanten auf dem Platz", ergänzt Klamt und schiebt mit einem Schmunzeln nach. "Das habe ich so auch noch nicht gehabt."

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"Situation nicht die einfachste"

Und der Verteidiger ist schon lang dabei, ist seit 2001 im Verein und seit 2008 Teil des VfL II. Deshalb weiß auch er um die schwierige Aufgabe, die der große Umbruch im Team mit sich bringt. "Die Situation ist nicht die einfachste. Da ist es vielleicht gerade so, dass der Trainer einen erfahrenen Mann mehr braucht als sonst." Doch Klamt schränkt gleichzeitig ein: "Wenn erst mal alles in der richtigen Bahn ist, können die jüngeren Spieler das auch alleine stemmen." Und deshalb, sagt er mit einem Lachen: "Dass ich jetzt erst mal die ersten 20 Spiele am Stück mache, glaube ich nicht."

Doch noch liegt viel Arbeit vor dem Team, bis es so weit ist. Michele Rizzi und er ("Wir sind deutlich die Ältesten im Team") werden wohl wieder die Kapitänsbinde tragen. Weil in der Vorbereitung einige U23-Spieler immer mal wegen Länderspielen oder Trainingseinheiten bei den Profis weg waren, ist ein offizieller Mannschaftsrat noch nicht gewählt. Hinter dem Routinier-Duo sieht Klamt in Sachen Verantwortung aber schon die nächsten in den Startlöchern. "Wir haben auch mit Jannis Heuer, der in Hildesheim verletzt fehlte, oder Davide Itter Spieler, die immer mehr Verantwortung übernehmen und übernehmen müssen. Die werden hinter uns auch für die Binde infrage kommen."

Karriere-Ende nach der Saison?

Doch noch geht Klamt in der U23 gern voran, sein Vertrag - zumindest als Spieler - läuft noch für diese Spielzeit, im Anschluss hat er ein zweijähriges Angestelltenverhältnis in der Akademie sicher. "Stand jetzt höre ich nach der Saison als Spieler auf", sagt der Verteidiger. "Mein Plan ist, das ich dann in der Akademie ein paar Einblicke sammle und meine Trainerscheine mache." Zwangsläufig als Trainer wolle er Stand jetzt aber nicht arbeiten, "ich will mich einfach breiter aufstellen".

Doch Klamt lässt sich noch eine weitere Hintertür auf. Falls er auch in der Spielzeit 2021/22 gebraucht wird, wäre er da. "Ich bin jetzt schon so lange beim VfL. Meine Rolle ist ja schon jetzt nicht mehr zu 100 Prozent die eines Spielers, sondern ich fühle mich schon als Bindeglied zwischen der Mannschaft dem Trainerteam und auch der Leitung mit Pablo Thiam und Marcel Schäfer", sagt das Klub-Urgestein. "Wenn die mich gern noch dabei hätten, egal ob als Backup oder Führungsperson auf dem Trainingsplatz, dann können wir über alles sprechen." Seinem Herzensverein könnte Klamt keinen Wunsch abschlagen - gleichwohl betont der Routinier aber auch, dass es noch keine Gespräche diesbezüglich gegeben hat.

Herausforderung gegen Hannover

Doch nun steht am Freitag (19 Uhr) sowieso erst mal das nächste Spiel gegen den HSC Hannover an. Und das wird schwierig. Zwar sorgte der Auftakt-Sieg für Selbstvertrauen nach der schwachen Vorbereitung. "Aber wir sind nicht so weit, dass ich sage: 'Wir hauen Hannover weg'", so Klamt ehrlich. "Mit dem HSC kommt zwar eine Mannschaft, bei der es unser Anspruch sein müsste, sie zu schlagen, aber Garantien gibt es eben nicht. Wenn wir nicht bei 100 Prozent sind, kann immer etwas schiefgehen."