10. Februar 2021 / 19:01 Uhr

Eigennützig und "zutiefst unsozial": Kritik nach Impf-Vorstoß von Karl-Heinz Rummenigge wächst

Eigennützig und "zutiefst unsozial": Kritik nach Impf-Vorstoß von Karl-Heinz Rummenigge wächst

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge sorgt mit seinem Impf-Vorstoß für heftige Kritik.
Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge sorgt mit seinem Impf-Vorstoß für heftige Kritik. © Getty Images/dpa/imago images/Sven Simon (Montage)
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Fußballer als Impf-Vorbilder für die Bevölkerung? Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge schlägt eine zeitnhahe Impfung von Bayern-Profis vor – und sorgt für heftige Kritik. Ganz anderer Meinung sind Sportpolitikerin Dagmar Freitag und Sportsoziologe Gunter Gebauer. Auch Werder-Profi Leonardo Bittencourt kann mit dem Vorschlag nichts anfangen.

Gegenwind für Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge vom FC Bayern: Der FCB-Boss gerät wegen seines Impf-Vorstoßes zunehmend in die Kritik. Die SPD-Sportpolitikerin Dagmar Freitag stellt die gute Absicht infrage und unterstellt dem Bayern-Boss wie der Sportsoziologe Gunter Gebauer Eigennutz. "In Wirklichkeit steckt hinter einer solchen Äußerung ja auch die schlaue Idee, die Profi-Fußballer des FC Bayern sollten privilegiert behandelt und im Impfprozess vorgezogen werden“, sagte Gebauer am Mittwoch der ARD-"Sportschau".

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Rummenigge hatte am Dienstag dem Internetportal Sport1 gesagt, dass Fußballprofis Vorbilder bei der Impfung gegen das Coronavirus sein könnten. "Lässt sich beispielsweise ein Spieler des FC Bayern impfen, wächst das Vertrauen in der Bevölkerung", sagte er und betonte: "Wir wollen uns überhaupt nicht vordrängen, aber Fußballer könnten als Vorbild einen gesellschaftlichen Beitrag leisten."

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SPD-Politikerin Freitag: Sieht so aus als wolle Rummenigge "seine Probleme lösen"

Wenn sie wohlwollend annehmen würde, dass es ihm darum gehe, die Impfbereitschaft zu erhöhen, wäre es vorbildlich, wenn der FC Bayern "einen Bruchteil seiner beträchtlichen Einnahmen eingesetzt hätte, um in Anzeigen und TV-Spots mit der Mannschaft für das Impfen zu werben", sagte Freitag, Vorsitzende des Bundestag-Sportausschusses, im Interview von RTL/ntv. "Das wäre eine glaubwürdige Maßnahme", sagte Freitag. "Jetzt aber sieht es aus, als wolle er vor allem seine Probleme lösen, denn wir wissen ja, dass aktuell zwei Spieler wegen Corona-Infektionen nicht nach Katar mitgeflogen sind." Der Hintergrund sei also vermutlich eher, "gesunde Spieler zu haben und nicht, die Impfbereitschaft in unserem Land zu erhöhen", sagte sie mit Blick auf die an Corona erkrankten Mittelfeldspieler Leon Goretzka und Javi Martinez.

Eine bevorzugte Impfung von Profisportlern fände Gebauer "zutiefst unsozial und moralisch nicht zulässig". Der Sportsoziologe sagte: "Ich kann das aus der Sicht der Sportler und der Firmen, die dahinter stehen, sogar verstehen. Das ist ja ökonomisch motiviert, dass man die Privilegien, die dem Profisport in den letzten Wochen und Monaten eingeräumt worden sind, weiterführen möchte."

Bremen-Profi Bittencourt kritisiert Rummenigge: "Sind schon privilegiert genug"

Auch von Werder-Bremen-Profi Leonardo Bittencourt gab es am Mittwoch harte Kritik für den Vorstoß Rummenigges: "Wir sind schon privilegiert genug, dass wir spielen dürfen", sagte der Mittelfeldspieler in einer Online-Medienrunde am Mittwoch. "Da stelle ich mich doch nicht hin und sage: Ich möchte gerne geimpft werden." Dass Fußballer bei Impfungen bevorzugt behandelt werden könnten, ist für den 27-Jährigen nicht vorstellbar. "Erstmal sollten die Menschen geimpft werden, für die es lebensnotwendig ist, denn die Gesundheit geht immer vor."

Zurückhaltend äußerte sich Trainer Hansi Flick zur Rummenigge-Idee. "Wir wissen alle, dass erst mal andere Menschen Priorität haben und dass wir uns hinten anstellen müssen und werden. Es ist wichtig, dass man erst mal die Risikogruppen dran nimmt", sagte der 55-Jährige am Mittwoch am Rande der Klub-Weltmeisterschaft in Katar.