21. April 2022 / 15:42 Uhr

Karlsruher SC II: Wenn ein Profiklub ein Kreisklasse-Team stellt

Karlsruher SC II: Wenn ein Profiklub ein Kreisklasse-Team stellt

Henri Lohr
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die neue zweite Mannschaft des Karlsruher SC.
Die "neue" zweite Mannschaft des Karlsruher SC. © Dennis Rauscher
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Ein Zweitligist in der Kreisklasse? Das gibt es in Karlsruhe zu sehen. Zumindest den Namen des badischen Profiklubs trägt die Mannschaft, die zurzeit in der 11. Liga spielt. Wir erzählen euch, was es damit auf sich hat.

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Sommer 2019: Der Zweitliga-Aufsteiger Karlsruher SC hat vor etwa einem Jahr seine zweite Mannschaft abgemeldet. Sie kostete zu viel, rentierte sich nicht mehr. Die erste Mannschaft befindet sich im Sommertrainingslager im Österreichischen Waidring. Einige Fans sind mitgereist, um ihre Profis in den Testspielen zu unterstützen und ihren Fortschritt zu beobachten. Mit dabei ist auch Sebastian Staneker. Seit 2010 arbeitet der heute 35-Jährige beim Fanprojekt Karlsruhe. Gemeinsam mit Nico Zimmermann, einem Mitglied der organisierten Fanszene des KSC, kommt er auf eine Idee: eine neue zweite Mannschaft, gegründet von Fans für Fans.

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„Es gab schon immer ein Fußballangebot vom Fanprojekt, und im Trainingslager ist das Ganze dann eher durch einen Witz entstanden“, sagt Staneker. „Wir haben dann bei der Mitgliederversammlung zu Oli Kreuzer gesagt, wir würden gerne eine zweite Mannschaft bilden.“ Große Hoffnungen machte man sich allerdings nicht. „Damals hatten wir noch den Hintergedanken, dass er das eh ablehnt. Er hat dann aber gesagt, wir sollen mal in seinem Büro vorbeikommen und dann besprechen wir alles, damit das klappt.“

Oliver „Oli“ Kreuzer ist der Geschäftsführer Sport des KSC. Nur ein Jahr zuvor hatte er die zweite Mannschaft seines Vereins abmelden müssen, nun wollten also die Fans einen neuen Versuch starten. „Das alles war natürlich immer unter der Prämisse, dass es kein Geld kostet“, sagt Staneker. Doch die Fans garantierten, dass sich das Projekt von selbst tragen würde. Geschäftsführer Kreuzer sagte zu und half, gemeinsam mit dem Teammanager des KSC Burkhard Reich, ein wenig dabei mit, die neue „Zweite“ aufzubauen.

Die Schwierigkeiten einer Fanmannschaft

„Es gab anfangs Probleme, weil wir zuerst nur aus der aktiven Fanszene rekrutiert haben. Da haben wir dann aber gemerkt, dass es schwierig ist, gleichzeitig ins Stadion zu gehen und selbst zu kicken“, so Staneker. Die Mannschaft wurde damals in der Kreisklasse C angemeldet. Zu den Spielen kamen jedoch oft nicht genügend Spieler.

„Mittlerweile haben wir uns weiterentwickelt, sind auch an sportlichem Erfolg interessiert. Wir haben jetzt Leute mit dabei, die sagen: Gut, fahren wir eben nicht mit der ersten Mannschaft mit nach Paderborn, wenn wir selbst ein Spiel haben“, sagt Staneker. „An erster Stelle steht aber immer noch, dass wir eine Fanmannschaft sind“, betont er. Und der Umschwung scheint sich auszuzahlen: Zum aktuellen Zeitpunkt steht die zweite Mannschaft des KSC auf dem ersten Tabellenplatz der Kreisklasse C. Der Aufstieg wirkt mittlerweile greifbar.

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Auch bei den Profis bleibt das neue Fanprojekt nicht unbemerkt. „Ab und an kommen ein paar Profis vorbei und schauen bei uns zu“, freut sich Staneker. Vor allem Torwart und Publikumsliebling Marius Gersbeck ließ sich des Öfteren bei der Zweitvertretung blicken. „Bevor das wegen Corona nicht mehr möglich war, hat er sogar unsere Torhüter trainiert“, schwärmt Staneker. Dennoch, fügt der 35-Jährige hinzu, merkt man natürlich, dass es sich um zwei komplett eigenständige Mannschaften handelt. „Zwischen den Profis und uns, das sind natürlich zwei komplett andere Welten: Die spielen in der zweiten Bundesliga und wir kicken in der Kreisklasse C.“


Doch eine Verbindung gibt es zwischen den Kickern der Zweitvertretung und den Profis: „Wir haben, zusammen mit unserem Sponsor, ein eigenes Duschgel auf den Markt gebracht. Das haben dann auch die Profis bekommen. Die haben dann schon gesagt: Boah geil, das ist unser Glücksduschgel“, schmunzelt Staneker.

Und die Verbindung, als zweite Mannschaft im selben Verein wie die Idole zu spielen, kann den Fans auch niemand nehmen. Bis zur Saison 2024/25 zumindest. Dann plant der KSC damit, wieder mit einer „echten“ zweiten Mannschaft in der Verbandsliga an den Start zu gehen. Eine Mannschaft, die Nachwuchstalenten die Chance geben soll, sich auf hohem Niveau für den Profikader zu empfehlen. Vielleicht gelingt es ja bis dahin auch einem der Kreisklasse-Kicker der Fan-Mannschaft, diese als Sprungbrett zu nutzen.