14. Januar 2022 / 19:39 Uhr

Stefan Kretzschmar und Karsten Petrzika senden live aus dem Handball-Hauptstadtstudio

Stefan Kretzschmar und Karsten Petrzika senden live aus dem Handball-Hauptstadtstudio

Christoph Brandhorst
Märkische Allgemeine Zeitung
Handball-Ikone Stefan Kretzschmar (l.) und Kommentator Karsten Petrzika senden live aus ihrem EM-Studio in Berlin-Adlershof.
Handball-Ikone Stefan Kretzschmar (l.) und Kommentator Karsten Petrzika senden live aus ihrem EM-Studio in Berlin-Adlershof. © Christoph Brandhorst
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Handball-EM: Sportkommentator Karsten Petrzika aus Bergfelde und Ex-Handball-Star Stefan Kretzschmar berichten aus Berlin für den Onlinesender Sportdeutschland.TV über die Europameisterschaft.

Stefan Kretzschmar ist noch nicht zufrieden. „Die Livestatistik der EHF kannst du echt vergessen“, schimpft der frühere Handball-Star. „Und steht nun bei den Russen der Kireev im Tor?“ Kurzer Blick auf einen der vielen Monitore – ja, steht er. Kommentator Karsten Petrzika kommt gerade aus dem Laden nebenan, er hat noch ein weißes Poloshirt gekauft. „Ich habe zum ersten Mal, seit ich beim Fernsehen arbeite, mein Outfit zu Hause vergessen.“ Kleine Anlaufschwierigkeiten, aber dann hat das Duo sein „Hauptstadtstudio“ bezogen und ist bereit für die Handball-EM. Für den Streamingdienst Sportdeutschland.TV berichten die beiden Brandenburger – Petrzika ist gebürtiger Hennigsdorfer und lebt in Bergfelde, der Leipziger Kretzschmar wohnt inzwischen in Wandlitz – aus Berlin-Adlershof über das Turnier in Ungarn und der Slowakei.

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Zur Premiere des Formats an diesem Donnerstagabend fokussieren sich die beiden Experten auf das Spitzenspiel des Vize-Europameisters Kroatien gegen Olympiasieger Frankreich, das die Franzosen später 27:22 gewinnen werden. Im Laufe des Turniers sind aber auch Konferenzen mit bis zu fünf Spielen gleichzeitig geplant. „Wo gerade eine Entscheidung fällt, da können wir hinswitchen“, sagt Petrzika.

Stefan Kretzschmar bereitet sich auf die nächste Partie vor.
Stefan Kretzschmar bereitet sich auf die nächste Partie vor. © Christoph Brandhorst

Das erfordert ein hohes Maß an Vorbereitung. „Am 1. Januar habe ich angefangen, mir die Mannschaften einzutickern. Ich bereite mich so vor, dass ich von allen Teams die Namen und Geschichten parat habe“, berichtet der Sportreporter aus Oberhavel. Aus der Ferne ist er auf schnelle und zuverlässige Informationen angewiesen. „Statistik ist für uns essenziell. In der Halle sieht man natürlich mehr“, gibt der 53-jährige Journalist zu, der schon von vielen großen Turnieren berichtete.


Dieses ist speziell. „Eine volle Halle mit 20 000 Fans in Budapest ist in diesen Zeiten schon gewöhnungsbedürftig“, sagt Petrzika. „Wahrscheinlich gewinnt am Ende der, der am besten durch die Corona-Situation kommt.“ Stefan Kretzschmar, der auch so seine Bedenken hat, schaltet sich ein: „Naja, wenn du die Ukraine bist und alle Spieler gut durch das Turnier kriegst, wirst du vielleicht trotzdem nicht Europameister.“ Petrzika legt sich dennoch fest: „Ich glaube, dass Dänemark der große Favorit ist. Sie sind der Weltmeister, haben fast alle zusammen und spielen für mich in einer eigenen Liga.“

Und die Deutschen? Einen „schlanken fünften Platz“ traut der Kommentator, der seine journalistische Laufbahn einst als Volontär bei der MAZ begann, der DHB-Auswahl zu. Kretzschmar, der auch Sportvorstand bei Bundesligist Füchse Berlin ist, will seine Bewertung nicht von einer Platzierung abhängig machen. „Wenn sie die Leute begeistern, alles geben, wäre das mega“, sagt der 48-Jährige, der mit dem SC Magdeburg als Spieler dreimal den EHF-Pokal holte und 2004 bei Olympia in Athen mit Deutschland die Silbermedaille gewann. Die zahlreichen Absagen im Vorfeld (Kretzschmar: „Ich sehe das grundsätzlich kritisch, kann aber jede einzelne Absage verstehen, weil ich die Gründe dafür kenne“) seien eine Chance für die jungen Spieler.

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Vor den Mikrofonen läuft das Duo langsam warm. Noch eine Stunde, bis die beiden zum ersten Mal bei diesem Turnier live zu sehen sind. „Null Statistik. Null!“, hadert Kretzschmar immer noch. Aber die Vorfreude steigt: „Ich freue mich auf jedes Spiel der EM, auf guten Handball. Die Situation ist seit zwei Jahren schwierig. Trotzdem ist es geil, die Mannschaften dort zu sehen. Es ist immerhin eine Europameisterschaft“, sagt der frühere Weltklasse-Linksaußen.

Vor dem Anpfiff des Topspiels am ersten EM-Tag soll Nationalspieler Timo Kastening aus dem deutschen Quartier zugeschaltet werden. Auch das gibt es im kleinen EM-Studio im Berliner Südosten: Analysen, Interviews, Hintergrundgeschichten. Noch eine Besonderheit hat die Sendung: Auf einem Bildschirm vor den beiden Moderatoren laufen Nachrichten der Zuschauer im Chat ein. „Wir können Fragen beantworten, sie mit einbinden. Wir sind gespannt, was kommt“, sagt Petrzika.

Sportreporter Karsten Petrzika aus Bergfelde sammelt letzte Informationen.
Sportreporter Karsten Petrzika aus Bergfelde sammelt letzte Informationen. © Christoph Brandhorst

Seit Dezember laufen die Planungen für das Projekt. Björn Beinhauer, Geschäftsführer der DOSB New Media GmbH, die die Online-Sendung produziert, musste nicht lange überlegen, als es um die Auswahl der Moderatoren ging. „Karsten mit seiner Kompetenz und Stefan mit der Expertise und der Art, wie er sie rüberbringt, passen perfekt zusammen“, sagt er. Die beiden berichten sonst für den Bezahlsender Sky aus der Handball-Bundesliga. „Wir kennen uns schon ziemlich lange. Seit ein paar Jahren arbeiten wir bei Sky intensiv zusammen – das hat sich einfach eingespielt. Ich mag seine Art, wie er durch das Programm führt, wie er auch mit den Spielern umgeht“, sagt der Ex-Handball-Star über Petrzika.

Der wird sich noch die halbe Nacht die Zusammenfassungen der Parallelspiele anschauen. „Dann kurz schlafen und morgens geht es weiter. Auch an freien Tagen schaue ich alles“, sagt er. Denn gute Vorbereitung ist alles.