27. August 2021 / 12:00 Uhr

Karsten Surmann: „Lieber Trainer als Bratwurstverkäufer“

Karsten Surmann: „Lieber Trainer als Bratwurstverkäufer“

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Es gießt in Strömen – darum muss sich Ex-96-Spieler Karsten Surmann (rechts) als Bratwurstverteiler verdingen.
Es gießt in Strömen – darum muss sich Ex-96-Spieler Karsten Surmann (rechts) als Bratwurstverteiler verdingen. © Swen Pförtner
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Karsten Surmann verteilt Bratwürste, anstatt Anweisungen auf dem Platz zu geben: Am Donnerstag ist der Nachmittag beim BOLZPLATZHELDEN Fußballcamp aufgrund eines Regengusses ins Wasser gefallen. Kurzerhand wurde der Grillabend vorgezogen.

Der Donnerstagnachmittag sollte eigentlich den Höhepunkt des BOLZPLATZHELDEN Fußballcamps beim SC Rosdorf markieren. Das Trainerteam um die ehemaligen Profispieler von Hannover 96, Karsten Surmann, Jörg Kretzschmar und Martin Giesel sowie Robert Scheurer und Thomas Schlumberger und die 61 Kinder im Alter von fünf bis 13 Jahren sind bereit, die Teams in Hannover 96, Bayern München und Borussia Dortmund eingeteilt – und dann gießt es in Strömen, sodass an Kicken auf dem Rasen nicht zu denken ist. Doch die gute Laune lässt sich niemand verderben.

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Es grummelt und donnert vom Himmel, während sich das Wasser sintflutartig auf das Zelt ergießt, in dem die pitschnassen Kinder Platz nehmen. Kurzerhand wird der Grillabend einige Stunden vorgezogen – und der ehemalige Bundesligaspieler Surmann verdingt sich als Bratwurstverteiler. „Wer möchte ’ne Bratwurst?“, ruft er in die Runde. Sofort schießen alle Hände in die Höhe. „Wer möchte Obst?“ Weniger Hände. Die Einteilung der Kinder in die verschiedenen Teams – das Turnier wird am Tag später nachgeholt – wird dann zur Geduldsprobe. Alle quatschen wild durcheinander, bis Surmann in seine Trillerpfeife bläst. „Wenn ihr nicht ruhig seid, ess’ ich alle Bratwürste alleine auf“, droht er. Sofort ist Ruhe, wenn auch nur für kurze Zeit. Schließlich ist die wichtigste Frage noch offen: „Senf oder Ketchup?“

Eröffnung des BOLZPLATZHELDEN Fußballcamps von SPORTBUZZER und EAM

Eröffnung des BOLZPLATZHELDEN Fußballcamps von SPORTBUZZER und EAM Zur Galerie
Eröffnung des BOLZPLATZHELDEN Fußballcamps von SPORTBUZZER und EAM © Niklas Richter

„Ich bin lieber Trainer als Bratwurstverkäufer“, lacht Surmann, als er kurz durchschnaufen kann. Alle Kinder sind versorgt und mampfen fröhlich vor sich hin. Der Mann, der 357 Spiele für Hannover 96 absolvierte, ist Chef seiner eigenen Fußballschule und kann auch beim Verteilen der heißen Leckereien nicht aus seiner Trainer-Haut. Er bellt kurze Kommandos durch das Zelt – genau wie an der Seitenlinie auf dem Platz, immer gewürzt mit einer Prise Humor und einem Augenzwinkern. Surmann erntet für seine teils harsche Art Lob von den Eltern und Großeltern, die vor Ort sind. Und auch bei den Kleinen kommen die klaren Anweisungen gut an.

Endlich wieder Fußball spielen

„Die Spiele machen am meisten Spaß“, sagt der siebenjährige Johannes. Er habe in den ersten vier Tagen schon viel gelernt und möchte das auch im Verein umsetzen. Der ein Jahr jüngere Friedrich pflichtet ihm bei. „Das macht echt Spaß“, sagt er. Dass das Wetter dem Turnier einen Strich durch die Rechnung macht, ist allen in diesem Moment egal. Sie sind glücklich, dass sie wieder gemeinsam kicken dürfen und dabei Tipps, Tricks und auch die Grundlagen des Spiels vermittelt bekommen. Damit sei der Auftrag erfüllt, meint Jörg Kretschmar. „Unsere erste und größte Aufgabe ist, dass die Kinder Spaß haben“, sagt der ehemalige Mittelfeldakteur des VfL Wolfsburg.

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„Wir trainieren, was oft vernachlässigt wird“, erklärt Surmann – Passspiel und Torabschluss. „Man merkt, dass die Kinder lange nicht gespielt haben“, spricht er die Corona-Pause an. Vielen fehlten die Spielpraxis und die Automatismen auf dem Feld, meint er. Auch der Fitnesszustand sei nicht der, den er erwartet habe: „Das Jahr fehlt.“ Deshalb sei es umso schöner, dass die Kinder wieder Fußball spielen können, „das haben sie gebraucht“. Pro Tag stehen zwei Trainingseinheiten an, zwischendurch wird immer frei gespielt. Wie sein Fazit ausfällt? „Von talentierten Spielern bis Hobbyfußballer ist alles dabei“, beschreibt er seine Schützlinge. Von diesen stehen mittlerweile wieder einige brav in der Schlange im Zelt an – sie fragen nach der nächsten Bratwurst. Nun ist Surmann wieder gefordert.

Von Tobias Christ