16. November 2020 / 17:33 Uhr

Kästorf-Kapitän hat Football-Erfahrung - und die Quarantäne schon durchgemacht

Kästorf-Kapitän hat Football-Erfahrung - und die Quarantäne schon durchgemacht

Jonas Präger
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Kann Football und Fußball: Felix Schulz als Kapitän des SSV Kästorf II (r.) und als Spieler der Mountain Tigers in Wernigerode (l.). Mittlerweile ist er aber Teil der Wolfsburg Blue Wings.
Kann Football und Fußball: Felix Schulz als Kapitän des SSV Kästorf II (r.) und als Spieler der Mountain Tigers in Wernigerode (l.). Mittlerweile ist er aber Teil der Wolfsburg Blue Wings. © Sebastian Preuß/Privat
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Er ist der Kopf der Mannschaft, sein Wort hat auf dem Platz und in der Kabine Gewicht: Der Fußball-Kapitän. In der Corona-Krise ist vieles anders, er aber nicht weniger gefordert. Wie funktioniert Zusammenhalt trotz Lockdown? Wie geht Gemeinsamkeit trotz Einsamkeit? Wie geht Fitness ohne Teamtraining? Der SPORTBUZZER fragt nach: Wie ist die Lage, Kapitän?

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Seit dieser Saison führt Felix Schulz den Kreisligisten SSV Kästorf II als Kapitän auf das Feld. Seiner neuen Funktion konnte Schulz – zumindest auf dem Platz – bisher nur selten nachkommen. Dafür standen andere Aufgaben an: „Vor allem vor den Lockdowns war ich sehr viel im Austausch mit Trainer Sebastian Ludwig“, berichtet Schulz. Viel zu besprechen gab es außerdem nach der Partie gegen die SV Meinersen, als sich im Nachhinein herausstellte, dass es dort einen Corona-Fall gegeben hatte. Auch für den SSV-Kapitän war das eine neue Situation: „Da mussten wir dann sehr kurzfristig Entscheidungen treffen zwecks Training und Spiel, da zu dem Zeitpunkt unser kommendes Spiel auch noch nicht abgesagt war.“

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Kurz danach – unabhängig von dem Corona-Infizierten der SV Meinersen – erwischte es dann einen Spieler aus den eigenen Reihen. In der Folge musste sich ein Teil der Mannschaft in Quarantäne begeben und anschließend testen lassen. „Zum Glück wurden alle anderen negativ getestet. Da waren wir ständig in Kontakt“, erklärt der Defensiv-Mann, der zudem froh ist, dass sein Teamkollege einen Corona-Verlauf ohne Symptome hatte und wieder genesen ist. Ansonsten hält das Team über die Whatsapp-Gruppe den Kontakt. Einen Trainingsplan gibt es allerdings erst wieder zur Vorbereitung im kommenden Jahr: „Wir sind ja jetzt auch kein Landesliga-Team“, meint Schulz mit einem Schmunzeln.

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Für ein Jahr in der GFL

Nebenbei arbeitet trotzdem jeder aus der Mannschaft individuell an der Fitness – auch Schulz, denn ein guter körperlicher Zustand hilft Kästorfs Kapitän auch bei seiner zweiten Leidenschaft: dem American Football. Während Schulz im Fußball eher für die Defensivarbeit zuständig ist, verhält es sich umgekehrt im Football. Dort spielt der 23-Jährige auf der Position des Wide Receivers (Passempfängers) und bringt damit die Punkte auf das Scoreboard. Angefangen hat die Footballer-Laufbahn für den Kästorfer im Jahr 2017 in der 5. Liga bei den Mountain Tigers in Wernigerode. Dort zog es den 23-Jährigen für sein Studium im Bereich Wirtschaftsingenieurwesen hin. „Ich habe auf der Hochschul-Website gesehen, dass man hier Football spielen kann. Und da ich zu der Zeit angefangen habe, relativ viel Football zu gucken, hat das gepasst“, berichtet der Fan der New York Giants.

Im Jahr 2018 kam dann ein Freund, der bei den Hildesheim Invaders in der German Football League spielt, auf Schulz zu: „Es gab ein offenes Training, und er hat mich gefragt, ob ich mal mitmachen möchte.“ Und das mit Erfolg: „Vier Wochen später wurde ich angerufen und hatte die Zusage. Dann dachte ich: Komm, du versuchst es, das schadet ja nicht.“ Zu diesem Zeitpunkt kickte Schulz noch in Wagenhoff und der Fußball rückte damit erst einmal in den Hintergrund. „Da habe ich mich dann aus dem Fußball zurückgezogen, weil mir auch das Verletzungsrisiko zu groß war“, so Schulz. Außerdem wurde auch der Aufwand deutlich höher: „Wir hatten während der Saison zweimal Training und einmal Theorie.“ Hinzu kamen die zweistündige Anreise von Wernigerode nach Hildesheim und am Wochenende die Fahrten zu den Auswärtsspielen quer durch die Republik.

Nach einer aufregenden Saison in der höchsten deutschen Spielklasse und vielen neuen Erfahrungen im Gepäck wechselte der Wide Receiver dann zurück nach Wernigerode. „Mir hat dann doch einiges an Wissen gefehlt“, berichtet Schulz ehrlich und ergänzt: „Es war eventuell etwas zu früh, aber vielleicht probiere ich es irgendwann noch mal. Trotzdem war es eine gute Erfahrung.“ Seit diesem Jahr gehört der 23-Jährige nun zum Kader der Wolfsburg Blue Wings, die in der dritten Liga spielen.

Spielzüge studieren

Da der Wide Receiver allerdings sehr eingebunden im Studium ist und nebenbei ja auch noch eine wichtige Rolle bei der SSV-Reserve einnimmt, hat sich Schulz für den Spielbetrieb erst mal auf inaktiv gesetzt – zumal die Football-Teams Corona-bedingt sowieso pausieren. „Aber wir haben zweimal die Woche Online-Theorie, wo wir die Spielzüge durchgehen. So nehme ich dann wenigstens diese Kurse mit“, erklärt der lernwillige 23-Jährige. Dabei hilft dem Wide Receiver auch immer wieder die Erfahrung aus dem Fußball: „Gerade beim Finden von freien Zonen konnte ich viel mitnehmen.“

Buch-Tipp: Believe the Hype. "Ein Muss, wenn man sich für Football interessiert. Da bekommt man einen guten Einblick in die NFL-Geschichte und erfährt, was da alles so abgeht.“

Serien-Tipp: How to Get Away with Murder. “Eine spannende Serie, die interessant aufgebaut ist und rechtliche Themen mit drin hat.“

Film-Tipp: Santa Clause. "Die Filme gucke ich jedes Jahr passend zur anstehenden Weihnachtszeit.“