17. Juli 2021 / 00:09 Uhr

"Katastrophe": VfL Bückeburg geht mit 13 A-Junioren in die Niedernsachsenliga-Saison

"Katastrophe": VfL Bückeburg geht mit 13 A-Junioren in die Niedernsachsenliga-Saison

Daniel Kultau
Schaumburger Ztg. / Schaumburger Nachrichten
x-Rohrbach
Der Bückeburger Fußball-Boss Falko Rohrbach (links) hat Sorgenfalten auf der Stirn. © Uwe Kläfker
Anzeige

Dicke Sorgenfalten auf der Stirn von Fußballchef Falko Rohrbach, der über das Verhalten eines Vereins entsetzt ist.

Anzeige

BÜCKEBURG. Es sind dicke Sorgenfalten auf der Stirn von Falko Rohrbach. Der kommissarische Vorsitzende der Fußballsparte des VfL Bückeburg blickt auf eine angespannte Lage im älteren VfL-Jugendbereich. Die A-Junioren werden in der nächsten Saison zwar in der Niedersachsenliga antreten, allerdings auch – Stand jetzt – nur mit einem Kader von 13 Nachwuchsfußballern.

Anzeige

Deutlich zu wenig. „Es ist eine große Katastrophe“, macht Rohrbach keinen Hehl aus der Lage. Zwar ist der VfL noch bemüht, neue Spieler zu holen, da aber die Wechselfrist bereits am 30. Juni abgelaufen ist, stellt sich das als „sehr schwierig“ heraus.

Dass der Verein, mit den A-Junioren seit der Saison 2017/18 in der höchsten niedersächsischen Spielklasse unterwegs, überhaupt in diese Lage gekommen ist, hat laut Rohrbach mehrere Gründe. „Die Situation spitzt sich seit zehn Jahren zu“, blickt er zurück. Es gäbe immer weniger Jugendliche, die sich der Herausforderung des leistungsbezogenen Fußballs stellen wollen. Die Coronapause hätte zudem „als Brennglas“ gewirkt – und dann wäre da noch „ein westfälischer Verein“, über dessen Vorgehen Rohrbach „entsetzt“ ist.

Die großen Fische werden immer aggressiver

Unter anderem Moritz Gieseking, Fynn-Lasse Sill und Conner Dehne wechselten zum FC Preußen Espelkamp. „Sie haben unsere Spieler während der Corona-Pause bequatscht“, erklärt der Vorsitzende. „Die großen Fische werden immer aggressiver.“ So habe sich ein Strudel entwickelt, durch den viele Spieler abgesprungen sind. Eine Situation, die möglicherweise auch durch den Abgang des A-Junioren-Trainers Lennart Meyer beschleunigt wurde. Er steht nun (wie berichtet) beim JFV Calenberger Land an der Seitenlinie.

Die Jungs haben da Bock drauf

Doch warum lässt der VfL nun seinen „Rumpfkader“ in der höchsten niedersächsischen Spielklasse antreten? „Wir wollen den Spielern das bieten, weshalb sie beim VfL Bückeburg spielen. Das ist leistungsorientierter Fußball und die Möglichkeit, sich mit den Besten zu messen“, erklärt Rohrbach. Man habe es im Vorfeld mit den Spielern und dem Trainer Sergej Wagner abgesprochen und sich für diesen Weg entschieden. „Die Jungs haben da Bock drauf.“ Auch weil noch mehr auf dem Spiel steht. Hätte sich der VfL dafür entschieden, seine erste A-Junioren-Mannschaft in der Landesliga zu melden, wäre ein Abstieg in die Bezirksliga unfassbar schmerzvoll gewesen.

Die Bückeburger würden nicht nur ihren Status verlieren, sondern auch die Möglichkeit, sich in der nächsten Saison mit Spielern, die dann aus der B-Jugend aufrücken, in der Landesliga zu festigen. Zumindest ab den C-Junioren-Teams bis zu den Jüngsten ist der VfL gut aufgestellt, versichert der Vorsitzende.

Es sei aber nicht nur ein Bückeburger, sondern ein Schaumburger Problem. „Die Region verliert fußballerisch immer weiter an Bedeutung.“ Hilfe könnte ein Jugendförderverein (JFV) bringen, ähnlich wie es bereits beim JFV 2011 Nenndorf oder dem JFV Calenberger Land der Fall ist. Es gab bereits einige Treffen zwischen dem VfL und anderen Vereinen, die Diskussionen seien allerdings „ins Stocken geraten.“

Diese Zusammenkünfte hätten laut Rohrbach immer einen Beigeschmack, bis schließlich das Schubladendenken eintritt. „Es heißt dann immer ‚Der VfL will nur unsere Talente“, so Rohrbach, der nachlegt: „Aber es geht nicht um Persönlichkeiten. Wir wollen einfach das verbessern, was seit Jahren immer schlechter wird. Wir müssen neue Strukturen für die Region schaffen.“ Ein Vorhaben, das immer aktuell ist und zumindest noch auf dem Tisch liegt.

Aktuell geht es für die Bückeburger A-Junioren aber zunächst darum, die schwere Serie zu überstehen.