02. Februar 2019 / 15:35 Uhr

Kaum Futsal-Fans unter den Vereinen

Kaum Futsal-Fans unter den Vereinen

Michael Kerzel
RedaktionsNetzwerk Deutschland
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Jüngere Spieler wie Elias Schröder (MItte) sind mit Futsal groß geworden und beherrschen die Feinheiten dieser Sportart. © Möllers
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Kreisvorsitzender Erich Meenken zieht positive Bilanz der Hallenkreismeisterschaften

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30 Mannschaften haben bei den Herren an den Hallenkreismeisterschaften (HKM) teilgenommen. Drei Tage lang dauerte der Budenzauber, doch so richtig Stimmung kam in den Hallen in Hatten-Sandkrug nie auf. Auch die HKM der Frauen in der Stadionhalle begeisterte nicht unbedingt. Mitverantwortlich dafür waren unter anderen die wenigen Treffer und die – für die älteren Semester – komplizierten Regeln. Laut des Kreisvorsitzenden Erich Meenken ist es jedoch nur eine Frage der Zeit, bis sich Futsal in den Köpfen verankert und angenommen wird. „Nach und nach kommen die Jugendlichen in den Erwachsenenbereich, die mit Futsal groß geworden sind“, erklärt er.

Für die etwas älteren Spieler ist die Umstellung schwer. „Die Jungs sind auf dem Feld sehr mit den Regeln beschäftigt“, meint Lars Möhlenbrock, Trainer des Bezirksligisten FC Hude. Da die meisten Akteure nur einmal im Jahr Futsal spielen, sei das auch nicht verwunderlich. Er plädiert für zwei Turniere: eines im Futsal und eines im klassischen Hallenfußball. „Futsal ist eine coole Sache. Wenn sich die Leute, die Bock auf Futsal haben, darauf richtig vorbereiten, dann werden die Spiele auch besser“, sagt er. Durch die fehlenden Regelkenntnisse seien viele Szenen abgepfiffen worden, beispielsweise wenn Spieler den Ball falsch eingespielt haben.

Fans von Hallenfußball

Ähnlich sieht es Isa Tezel, Sportlicher Leiter beim SV Tur Abdin Delmenhorst. Seiner Meinung nach kommt beim Futsal weniger Spielfluss zustande als beim Hallenfußball, weil die Spieler zu viel über die Regeln nachdenken müssen. „Dazu kam, dass auch die Schiedsrichter bei den HKM die Regeln verschieden ausgelegt haben und sich uneinig waren“, berichtet er. Futsal-Anhänger gebe es bei den Aramäern keine. „Wir sind riesige Hallenfußballfans. Das Spiel ist schneller, es fallen mehr Tore, Dribblings sind einfacher. Es macht viel mehr Spaß“, fasst er zusammen. Die aktuellen Spieler würden mit Futsal nicht mehr grün, sagt Tezel. Für die nachfolgenden Generationen werde Futsal jedoch zur Normalität. Darauf setzt auch Meenken. „Wir sind auf einem guten Weg, die Vorgaben des DFB umzusetzen. Soweit mir bekannt ist, spielen sieben Kreise in Niedersachsen ihre Kreismeisterschaft im Futsal, wir sind da sehr früh dran. Aber nach und nach werden das die anderen Kreise auch machen müssen“, sagt Meenken. In der Jugend werde schon seit 2010 im hiesigen Kreis Futsal gespielt. „Futsal wird sich durchsetzen“, ist er sich sicher. Vor allem die geringere Verletzungswahrscheinlichkeit spreche für diese Variante des Budenzaubers. „Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass sich beim Futsal weniger Spieler verletzen. Natürlich kann das immer passieren, wie ja leider auch bei dieser HKM“, sagt Meenken.

Erwischt hatte es Jannik Vollmer vom SV Atlas Delmenhorst, der sich den Fuß brach und voraussichtlich die gesamte Rückrunde ausfallen wird. „Für ihn tut es mir sehr leid, für uns ist es eine Hiobsbotschaft“, teilt Bastian Fuhrken, zweiter Vorsitzender des SV Atlas, mit. Zudem brach sich Marvin Osei die Hand bei einem Sturz auf einer Treppe. Er fällt sechs bis acht Wochen aus. „Die Bilanz fällt daher für uns schlecht aus. Auch sportlich haben wir uns alles andere als gut verkauft, indem wir sang- und klanglos in der Zwischenrunde ausgeschieden sind“, ärgert sich Fuhrken. Ob der Oberligist im kommenden Jahr erneut an der HKM teilnimmt, ließ Fuhrken offen. „Wir besprechen das im Vorstand“, sagt er. Da es sich um eine Pflichtveranstaltung handelt, müsste Atlas gegebenenfalls eine Strafe zahlen. Aber das ist Zukunftsmusik.

Dieses Jahr nahmen nahezu alle Vereine aus dem Kreis teil. „Wir sind froh, dass die Resonanz so gut war“, sagt Meenken. Nicht zufrieden war er mit der Stimmung, die im Vergleich zu klassischen Hallenfußball-Turnieren beim Futsal schlechter war. „Aber das kann nicht das Kriterium sein, eine Rolle rückwärts zu machen. Vielleicht wird bessere Stimmung auch entfacht, wenn nach und nach mehr Spieler auf dem Feld stehen, die mit Futsal groß geworden sind und wenn sich das Publikum daran gewöhnt hat“, blickt der Kreisvorsitzende voraus. Er räumt ein, dass das Spektakuläre in diesem Jahr fehlte. Allerdings stehe und falle das mit den Akteuren auf dem Parkett. Der Harpstedter TB beispielsweise zeigte sehr ansehnlichen Futsal, schoss viele Tore und kam bis ins Finale. „Das ist eine sehr junge Mannschaft mit vielen Spielern, die Futsalerfahren sind. Es ist ein Gewöhnungsprozess“, erklärt Meenken. Gefallen hat dem Vorsitzenden, dass die Spiele knapp verliefen. „Es ist sportlich natürlich schöner, wenn die Partien spannend sind und wenn die Teams aus der Kreisklasse und der Kreisliga kein Kanonenfutter für die höherklassigen Mannschaften sind“, meint er.

Turnier leidet unter Terminkollision

Lars Möhlenbrock haderte derweil mit dem diesjährigen Termin: „Die Vorbereitung auf die Saison hat angefangen und da machen wir zunächst Grundlagen-Ausdauer. In der Halle geht es um kurze Sprints. Da steigt die Verletzungsgefahr“, sagt er. Eine Woche früher oder direkt zu Beginn des neuen Jahres hält er für die bessere Variante.

Die HKM der Frauen litt unter einer Terminkollision. Da die Bezirksmeisterschaft parallel zur Kreismeisterschaft angesetzt wurde, machte keine Mannschaft des VfL Stenum und nur eine des VfL Wildeshausen in der Delmenhorster Stadionhalle mit. „Das ist für uns als Veranstalter natürlich ärgerlich“, berichtet Claus-Dieter Meier, Trainer des Regionalligisten TV Jahn Delmenhorst. Immerhin gab es überhaupt eine HKM, im vergangenen Jahr fiel diese aus. „Beim Kreis ist derzeit niemand für Frauenfußball zuständig, das muss der Vorsitzende nebenbei mitmachen. Und das merkt man auch“, ärgert sich Meier. Beispielsweise habe es vonseiten des Kreises keine Auszeichnungen für die beste Torfrau oder die beste Spielerin gegeben – anders als bei den Männern. „Das ist schon eine Abwertung“, meint Meier. Zudem echauffiert er sich über den Zustand der Halle. „Der Boden und die Fenster im Dach sind kaputt. Das ist beschämend“, sagt er.

Die Violetten spielten drei verschiedene Turniertypen: klassischen Hallenfußball mit Fünf-Meter Toren, Futsal mit diesen Toren und Futsal mit Handball-Toren. Meiers Fazit ist eindeutig: „Uns hat Futsal auf große Tore am besten gefallen“, sagt er. Dabei fielen viele Tore und die spielerische Komponente des Futsal komme besser zum Tragen.

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