25. August 2021 / 09:00 Uhr

Kaum Spielzeit: Dynamo Dresdens Hosiner bringt sich bei Schmidt in Erinnerung

Kaum Spielzeit: Dynamo Dresdens Hosiner bringt sich bei Schmidt in Erinnerung

Jochen Leimert
Dresdner Neueste Nachrichten
Philipp Hosiner wurde in Rostock eingewechselt und tauchte sofort gefährlich vor dem Hansa-Tor auf.
Philipp Hosiner wurde in Rostock eingewechselt und tauchte sofort gefährlich vor dem Hansa-Tor auf. © imago images/Eibner
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Der Torjäger hat bei Dynamo Dresden in dieser Saison noch ein kein Spiel über die volle Zeit absolviert, doch er lässt den Kopf längst nicht hängen.

Rostock/Dresden. Er war Nationalspieler Österreichs, 2013 Meister mit Austria Wien, im gleichen Jahr Torschützenkönig in der Alpenrepublik und hat später auch in den Topligen Frankreichs und Deutschland Spiele bestritten – da fällt es Philipp Hosiner sicher nicht immer leicht zu akzeptieren, dass er bei einem Zweitligisten derzeit nur zweite Wahl ist. Dass er sich nicht damit abfindet, bei Dynamo Dresden dauerhaft nur Bankdrücker zu sein, das bewies der 32-Jährige am vergangenen Sonnabend. Beim 3:1-Auswärtserfolg der Schwarz-Gelben in Rostock nutzte der Burgenländer seine Chance als Einwechselspieler und zeigte wiederholt, dass er „vor der Kiste“ noch immer brandgefährlich ist. Auch wenn ihm noch kein Treffer gelang, konnte Hosiner mit seiner Vorarbeit zum 3:1 seinen ersten Scorerpunkt feiern. Das wird dem im Sommer Vater gewordenen Österreicher weiter Auftrieb verleihen.

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Stellungsspiel und Riecher

Trainer Alexander Schmidt weiß, dass Hosiner not amused ist, wenn er nicht in der ersten Elf auftaucht: „Freuen tut es ihn nicht, wenn er nicht von Beginn an spielt.“ Der gebürtige Eisenstädter sei in dieser Beziehung nicht anders als alle anderen Profis im Dynamo-Kader. Doch schlechte Stimmung verbreite der Routinier nicht, er antworte mit guten Trainingsleistungen auf die Situation, kämpfe beherzt um Einsatzzeit. Gerade in der Woche vor dem Ostklassiker an der Warnow habe sich Hosiner richtig reingehängt, sich für die Partie in Rostock aufgedrängt. Zum ersten Startelf-Einsatz in dieser Saison reichte es zwar noch nicht, aber in der zweiten Halbzeit kam Schmidt an ihm als Joker nicht mehr vorbei: „Er hat super trainiert, und es war für mich klar, dass ich ihn irgendwann bringen muss. Er ist ruhig geblieben, hat sehr gute Leistungen gezeigt.“

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Die SG Dynamo Dresden entscheidet den stimmungsvollen Ost-Klassiker bei Hansa Rostock mit 3:1 für sich. Zur Galerie
Die SG Dynamo Dresden entscheidet den stimmungsvollen Ost-Klassiker bei Hansa Rostock mit 3:1 für sich. ©

Besonders zwei Szenen im Spiel gegen Hansa bewiesen, dass Hosiner nach wie vor ein exzellentes Stellungsspiel, einen Riecher für torgefährliche Situationen und auch Reaktionsschnelligkeit sowie eine feine Schusstechnik hat. Schon Sekunden nach seiner Einwechslung zog der Torjäger nach einer Flanke von links per Volleyabnahme ab und zwang Hansa-Keeper Markus Kolke zur Parade (59.). Vorm 3:1 köpfte er die Eingabe von Chris Löwe aus sechs Metern scharf aufs kurze Eck, wo Kolke den Ball zwar noch einmal abwehren konnte, ihn aber vor die Füße von Julius Kade prallen lassen musste. Dessen satter Schuss brachte die Entscheidung zugunsten der Gäste (79.).

„Klar haben sich die Prioritäten weiter verschoben“

Dass Hosiner nun am Sonntag (13.30 Uhr) gegen den SC Paderborn zu seinem ersten Startelf-Einsatz in dieser Saison kommt, ist dennoch eher unwahrscheinlich. Das laufintensive Spiel der Dresdner, die den Gegner früh attackieren, sehr weite Wege gehen, ist nicht unbedingt auf den Strafraumspieler Hosiner zugeschnitten. Mit seinen 32 Jahren ist der Routinier nicht mehr ganz so schnell wie die deutlich jüngeren Kameraden Christoph Daferner (23) und Ransford-Yeboah Königsdörffer (19). Doch Schmidt, der Hosiner im Pokalspiel gegen Paderborn (2:1) noch 90 Minuten auf der Bank zuschauen ließ, weiß, dass er mit dem Lockenkopf jederzeit einen Joker der Extraklasse ziehen kann. Einen, dessen Name jeder kennt, weil er für Tore steht. In der 3. Liga knipste Hosiner letztes Jahr noch zweistellig, traf zehnmal und steuerte „nebenbei“ auch noch neun Vorlagen bei.

Zwar hat sich im Leben des Burgenländers mit der Geburt seines Sohnes viel geändert, sind die Nächte mitunter etwas unruhig geworden, doch seine Fußball-Leidenschaft ist auch als frischgebackener Vater ungebrochen. In einem Interview hatte er vor wenigen Wochen allen versichert: „Klar haben sich die Prioritäten weiter verschoben, dass Familie und Gesundheit an erster Stelle stehen. Aber sobald ich auf dem Platz stehe, will ich alles geben, für den Verein und mich selber das Maximale rausholen.“ In Rostock hat er das eindrucksvoll bestätigt – und man kann sicher sein: Hosiner wird auch in der 2. Bundesliga über kurz oder lang für Dynamo treffen. Er besitzt nicht nur den richtigen Riecher vor dem Tor, sondern auch die richtige Einstellung.