25. März 2020 / 18:17 Uhr

Kaya Homann: Ein Top-Talent ohne Star-Allüren

Kaya Homann: Ein Top-Talent ohne Star-Allüren

Christian Meyer
Peiner Allgemeine Zeitung
Ganz schwer zu bremsen: Edemissens Kaya Homann (am Ball) durfte an einer Sichtung des Deutschen Handball-Bunds teilnehmen.
Ganz schwer zu bremsen: Edemissens Kaya Homann (am Ball) durfte an einer Sichtung des Deutschen Handball-Bunds teilnehmen. © Ralf Büchler
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Dynamisch, gutes Auge, stark im Eins-gegen-Eins: Die 13-jährige Kaya Homann aus Edemissen ist derzeit das größte Handball-Talent bei der HSG Nord. Die C-Juniorin durfte jüngst sogar an einer Sichtung des Deutschen Handball-Bundes am Olympia-Stützpunkt Kienbaum bei Berlin teilnehmen. Die Schwestern und Kiels Profi Rune Dahmke sind ihre Vorbilder.

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Die Auswahl fiel Kaya Homann nicht schwer: Wenn sie nur vier Dinge auf eine einsame Insel mitnehmen dürfte, wären das ihr Handy, um mit Freunden in Kontakt zu bleiben, ihre älteren Schwestern Kae und Kim – und natürlich ein Handball. „Sonst wird es ja zu langweilig“, sagt die 13-Jährige, die derzeit das größte Handball-Talent bei der HSG Nord Edemissen ist. Die C-Juniorin durfte jüngst sogar an einer Sichtung des Deutschen Handball-Bundes am Olympia-Stützpunkt Kienbaum bei Berlin teilnehmen.

„Ihre Dynamik auf den ersten Metern, ihr gutes Auge, ihre Eins-gegen-Eins-Aktionen – das ist schon außergewöhnlich. Als C-Jugend-Spielerin hatte sie maßgeblichen Anteil daran, dass wir den Klassenerhalt in der B-Jugend geschafft haben. Obwohl sie erst im ersten Jahr der C-Jugend ist, scheut sie sich nicht davor, auch bei den Älteren Verantwortung zu übernehmen“, lobt ihr Heim-Trainer Gundolf Deterding.

Die Corona-Zwangspause setzt seinem Talent gerade besonders zu. Denn die Silberkamp-Gymnasiastin aus Edemissen ist vernarrt in Handball. „Da kriege ich den Kopf frei, kann mich richtig auspowern“, sagt Kaya. Viermal pro Woche trainiert die Achtklässlerin eigentlich mit ihren Teamkolleginnen aus Verein und Landesauswahl – doch alle gemeinsamen Einheiten sind gestrichen. „Das ist schon echt blöd“, findet Kaya und ist erleichtert, dass ihre Familie im vergangenen Sommer eine gute Idee hatte: Ein Tor bauen!

Holzbalken wurden zusammengezimmert und sogar ein Netz darin befestigt. Jetzt kann Kaya zumindest auf dem Hof mit ihren älteren Schwestern Kae und Kim Majometano ein paar Bälle werfen. Die beiden passen und prellen ebenfalls für die HSG Nord und steckten Kaya mit dem Handball-Fieber an. „Ich habe ihnen bei den Spielen zugeguckt, das fand ich richtig interessant.“

Kaya Homann bleibt am Ball.
HSG-Nord-Jugendwartin Lena Klemm traut dem Eigengewächs der Spielgemeinschaft eine tolle Laufbahn zu. Kaya Homann hofft, dass sie im nächsten Jahr noch einmal eine Chance bei der DHB-Sichtung bekommt. © Ralf Büchler
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Seit fünf Jahren nun spielt Kaya Homann lieber selber als zuzugucken. Ihr Talent fiel auch den Landestrainern auf. Im April hätte die Edemisserin mit Niedersachsen beim Deutschland-Cup gegen die anderen Landesauswahlen spielen sollen. Doch die Corona-Krise ließ auch dieses Turnier platzen. Damit Kaya in der trainings- und spielfreien Zeit nicht die Puste ausgeht und die Muskeln schlapp werden, schrieben ihr die Trainer aber einen individuellen Trainingsplan. Sie trainiert zu Hause mit Medizinbällen und kleinen Gewichten, pumpt Liegestütze („23 schaffe ich schon“) und joggt regelmäßig. „30 Minuten sollen es mindestens sein“, verrät das Rückraum-Talent. Zum Beleg muss sie Videos von ihrem Training drehen.

Sie würde ohnehin nicht darauf kommen, zu schummeln. Handball ist ihr wichtig. Sie spielt nicht nur für die HSG Nord, sondern mit einem Jugend-Doppelspielrecht auch für die Oberliga-C-Jugend des Tabellenzweiten TKJ Sarstedt. Sie träumt von einer Bundesliga-Karriere, möchte sich verbessern. „Mein Wurf ist zum Beispiel noch nicht so hart wie der von anderen“, sagt die 13-Jährige. Und in einer anderen Sachen ist ihre Schwester Kae großes Vorbild: „Ich würde gerne auch mal so schnell sein wie sie.“

HSG-Nord-Coach Gundolf Deterding ist gespannt, wie sich sein Top-Talent weiterentwickelt. Ob es vielleicht sogar mal für eine Profi-Sport-Karriere reicht, vermag er nicht einzuschätzen. „Viel wird davon abhängen, wie gesund Kaya bleibt und wie viel Zeit sie bereit ist, für den Sport zu opfern“, sagt er. Froh ist er, dass er den Rohdiamanten auch kommende Saison weiterformen kann. Deterding arbeitet auch als Jugend-Trainer für den HSC Ehmen mit dem die HSG Nord eine Kooperation eingeht.

Kaya Homann wird nächste Saison für Ehmens C-Juniorinnen spielen, die die Oberliga-Quali schaffen wollen. In Edemissen geht sie wieder für die B-Juniorinnen auf Torejagd – wenn es keine Termin-Überschneidungen gibt oder ein C-Jugend-Spiel zu kurz davor oder danach angesetzt ist. Diese Regel soll Jugendliche vor einer zu großen körperlichen Belastung schützen. Deshalb musste Kaya auch in dieser Saison mehrfach bei der HSG Nord pausieren. „Trotzdem ist sie häufig mitgefahren und hat von der Bank aus ihre Teamkolleginnen unterstützt“, lobt Coach Deterding.

HSG-Nord-Jugendwartin Lena Klemm freut sich über diese soziale Komponente des Handball-Asses mindestens genauso wie über dessen Trainingsfleiß und die Übersicht auf dem Spielfeld. „Kaya räumt auch auf oder hilft in der Caféteria mit“, lobt sie. Ein Top-Talent ohne Star-Allüren.

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Fünf Fragen an Handball-Talent Kaya Homann

Welchen Sportler möchtest Du gerne einmal treffen?

Nationalspieler Rune Dahmke vom THW Kiel. Mir gefällt, wie schnell er bei Gegenstößen nach vorne läuft.

Und was würdest Du ihn fragen?

Wie oft er in der Woche trainiert.

Was ist Dein Traumberuf?

Innen-Architektin, weil ich kreativ bin. Ich kann mir gut vorstellen, ein Haus zu renovieren. In der Schule gehört zudem neben Sport Kunst zu meinen Lieblingsfächern.

Du hast noch fünf Euro Taschengeld, was kaufst Du Dir davon?

Auf jeden Fall Süßigkeiten, ich mag Weingummi.

Welche Schlagzeile würdest Du über Dich gerne einmal in der Zeitung lesen?

Kaya Homann – die erste DHB-Spielerin von der HSG Nord.

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