01. April 2021 / 17:48 Uhr

Kein Aprilscherz: Stadt Leipzig hebt Trainingsstopp für den Nachwuchs ab 6. April auf

Kein Aprilscherz: Stadt Leipzig hebt Trainingsstopp für den Nachwuchs ab 6. April auf

Antje Henselin-Rudolph
Leipziger Volkszeitung
Auch der Leichtathletik-Nachwuchs der SG MoGoNo kann sich freuen.
Auch der Leichtathletik-Nachwuchs der SG MoGoNo kann sich freuen. © Christian Modla
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Nachdem die Stadt Leipzig am Mittwoch noch die Schließung sämtlicher Außensportanlagen und damit einen kompletten Trainingsstopp für Nachwuchs- und Individualsportler verfügt hatte, gab es am Donnerstag die Rolle rückwärts. Die erfreuliche Nachricht: Ab 6. April können die Übungseinheiten wieder aufgenommen werden, unabhängig von der Sieben-Tages-Inzidenz in der Messestadt und ohne Testpflicht.

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Leipzig. Rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln: Leipzigs Sportvereine brauchen in diesen Tagen starke Nerven. Entgegen aller Ankündigungen vom Vortag macht die Stadt nun doch von der Möglichkeit Gebrauch, Kindern und Jugendlichen bis 18 Jahren inzidenzunabhängig das Training in Gruppen bis zu 20 Personen im Freien zu gestatten. Eine Testpflicht wird es nicht geben. Gleiches gilt für den Individualsport allein oder zu zweit an der frischen Luft (zum Beispiel Tennis oder Golf). Gelten soll das ab dem 6. April, also kommenden Dienstag. Das teilte die Kommune am Donnerstag mit. "Die Stadt Leipzig möchte so ein Minimum an Planbarkeit in der momentanen Pandemiesituation geben", hieß es.

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Am Mittwoch hatte es noch geheißen, man werde von der in der neuen Sächsischen Corona-Schutz-Verordnung vorgesehenen Regelung, keinen Gebrauch machen. Begründet wurde das mit dem unmittelbar nach den Osterfeiertagen erwarteten Überschreiten der selbst festgelegten Grenze von 1300 belegten Krankenhausbetten durch Covid-19-Patienten auf Normalstation. Am Donnerstag lag diese Zahl bei 1019. Am Tag zuvor waren es 1054. "Der Wert ist seit mehreren Tagen stabil, nun sogar rückläufig", sagte Matthias Hasberg, Sprecher der Stadt, auf Nachfrage. Dieser Punkt bewegte die Kommune nun doch zu handeln. Sie will noch am Donnerstag eine entsprechende Allgemeinverfügung veröffentlichen. Dem SPORTBUZZER lag das Papier am Nachmittag bereits vor.

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Pächterbriefe vom Mittwoch sind hinfällig

"Mit einer weiteren Auslastung der Krankenhausbetten ist zwar zu rechnen, jedoch hat das Sächsische Ministerium für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt bisher keine offizielle Prognose vorgelegt. Eine 14-Tage-Prognose zur Bettenbelegung sieht die Corona-Schutz-Verordnung aber ausdrücklich vor", so die Stadt in ihrer Mitteilung. "Eine Mittelfristprognose ist aus Sicht der Stadt Leipzig nicht nur sinnvoll, sondern zwingend, um allen Betroffenen ein Mindestmaß an Planbarkeit zu geben. Auch bei einem Überschreiten der Bettenzahl greift nach Ansicht der Stadt Leipzig – wie in den anderen Punkten der Verordnung auch – eine mehrtägige Übergangsfrist." Das heißt, die Nachwuchssportlerinnen und -sportler in der Messestadt müssen nicht fürchten, unmittelbar nach der nun Wieder-Öffnung am kommenden Dienstag sehr schnell erneut schließen zu müssen.

Die Pächterbriefe, mit denen das Sportamt der Stadt am Mittwoch die Schließung sämtlicher Außensportanlagen bis zum 18. April anordnete, sind mit der Veröffentlichung der neuen Allgemeinverfügung auf der Webseite der Kommune automatisch hinfällig. Das betonte Matthias Hasberg ausdrücklich. "Rechtsverbindlich ist allein die Allgemeinverfügung." Vereine, die bis zum Dienstag also keinen neuen Pächterbrief erhalten, können dann dennoch wieder loslegen. "Ich weiß nicht, ob das Sportamt es bis dahin schafft, alle erneut anzuschreiben. Deshalb noch einmal ganz klar: Es ist die Allgemeinverfügung, die zählt."

"Hin und Her macht mich wütend"

Tasso Hanke musste laut lachen, als er am Donnerstag von der aktuellen Wendung der Lockdown-Regeln erfuhr. "Das ist alles nur noch schwer zu glauben. Wenn wir am Dienstag wirklich wieder aufmachen dürfen, können wir gerne darüber sprechen", so der Abteilungsleiter der Leichtathleten bei Motor Gohlis-Nord (MoGoNo), der sich lieber nicht zu früh freuen wollte.

Bei Oliver Gebhardt, Stadtrat und im Ehrenamt Vizepräsident des Fußballverbandes der Stadt Leipzig (FVSL), sorgte die Nachricht ebenfalls für zwiespältige Gefühle. "Ich freue mich, dass die Stadt das notwendige Fingerspitzengefühl zeigt und auf die öffentliche Kritik reagiert hat", sagte er. "Das ewige Hin und Her im Bund, Land und Stadt macht mich dennoch wütend. Sowohl Vereine als auch die Familien brauchen Vorlaufzeit zur Planung ihrer Trainingsangebote um die notwendigen hygienischen Standards einhalten zu können."