17. September 2020 / 16:35 Uhr

Kein Diebstahl! Eigentümer des Kohlrabizirkus baut Kühlaggregat für Eisbereitung selbst ab

Kein Diebstahl! Eigentümer des Kohlrabizirkus baut Kühlaggregat für Eisbereitung selbst ab

Martin Bergau
Leipziger Volkszeitung
Eis im Kohlrabizirkus: Daran ist derzeit nicht zu denken.
Eis im Kohlrabizirkus: Daran ist derzeit nicht zu denken. © Christian Modla
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Wem gehört das für die Eisbereitung zwingend erforderliche Kühlaggregat im Kohlrabizirkus? Das scheint unklar. Während der inzwischen mit Hausverbot belegte ehemalige Betreiber zu Wochenbeginn einen Diebstahl anzeigte, teilte der Eigentümer der Immobilie am Donnerstag mit: Das Gerät sei in seinem Auftrag demontiert worden. Für die um ihre Oberliga-Lizenz kämpfenden IceFighters Leipzig könnte sich die Lage damit verschlechtern.

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Leipzig. Die Situation rund um das Leipziger Eishockey ist vertrackt, und zwar mächtig. Anders ist nicht zu erklären, dass sich der vermeintliche Diebstahl eines wichtigen Gerätes zur Eisaufbereitung am Dienstagmorgen zwei Tage später als eine Art Sicherungsmaßnahme entpuppt. Wie die Vicous Group, Eigentümer des Kohlrabizirkus, gegenüber dem SPORTBUZZER erklärte, wurde "das Kälteaggregat des Eigentümers (Kohlrabizirkus Betriebs- und Verwaltungsgesellschaft mbH) im Auftrag des Betreibers (Vicus Real Estate Leipzig 28 GmbH) demontiert und in den Liegenschaftsräumen im Untergeschoss des Kohlrabizirkus aus Sicherheitsgründen eingelagert.” Eine entsprechende Erklärung habe das Polizeirevier Leipzig-Zentrum bereits erhalten.

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Aktuell keine Eisbereitung möglich

Am Dienstag hatte Gunter Alex, Geschäftsführer der Eisarena Leipzig GmbH, mitgeteilt: "Der Rückkühler, der für die Ableitung der Wärme der Eismaschine im Keller benötigt wird, ist weg." Er habe Anzeige gegen Unbekannt gestellt. Alex geht nach SPORTBUZZER-Informationen davon aus, dass das betreffende Gerät ihm gehört. Er habe es über eine seiner Firmen erworben. Das sieht man bei der Vicus natürlich anders. Laut Geschäftsführer Gabriel Schütze sei Gunter Alex derzeit weder Pächter, noch sei die Eisarena GmbH die Betreiberin des Kohlrabizirkus. Er habe auch keine "Rechte am Inventar". Alex' Reaktion: Er wollte noch am Donnerstag aus der Anzeigen gegen Unbekannt eine gegen die Vicous Group machen.

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Fest steht: Ohne vollständiges Aggregat kein Eis, ohne Eis kein Eissport und vor allem auch keine Oberliga-Lizenz für die IceFighters Leipzig. Deren Erteilung durch den Deutschen Eishockey-Bund (DEB) befindet sich seit Wochen in der Schwebe, weil die Eiskämpfer neben allerlei Unterlagen vor allem einen gültigen Mietvertrag vorweisen müssen. Den gibt es aber nicht, weil die Vicus Group der Eisarena Leipzig GmbH bereits im März den Mietvertrag kündigte und ein Hausverbot aussprach. Grund: ausstehende Zahlungen von rund 600.000 Euro. Eine gerichtliche Klärung läuft. Die IceFighters und auch der Leipziger Eissport-Club waren lediglich Untermieter der Eisarena GmbH, zahlten nach eigenen Aussagen pünktlich, stehen im Endergebnis aktuell aber trotzdem ohne Spiel- und Trainingsfläche da.

Fragen bleiben

“Offensichtlich wird hier durch den ehemaligen Hauptmieter der Versuch unternommen, in der Öffentlichkeit ein vermeintlich bestehendes Mietverhältnis vorzutäuschen, dies vermutlich vor dem Hintergrund des für den 24. September angekündigten Urteils im Verfahren um die Lizenzerteilung seines ehemaligen Untermieters Exa IceFighters”, so Gabriel Schütze. Man wehre sich gegen den von Alex erhobenen Vorwurf, man wolle das Ende des Leipziger Eishockeys beschleunigen. Warum genau die Vicus allerdings ausgerechnet in dieser Woche, das Gerät abbauen ließ, teilte das Unternehmen nicht mit. Am Freitag endet die allerletzte Frist zur Nachreichung eines Mietvertrages für die IceFighters.