19. Januar 2021 / 08:15 Uhr

Kein fußballerisches Homeoffice beim ESV Delitzsch: "Kann das eh nicht kontrollieren"

Kein fußballerisches Homeoffice beim ESV Delitzsch: "Kann das eh nicht kontrollieren"

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Tilo Ohlig, Trainer des ESV Delitzsch, hat gerade weder Ramon Kaselowsky noch sonst irgendjemanden auf dem Platz, den er trainieren könnte.
Tilo Ohlig, Trainer des ESV Delitzsch, hat gerade weder Ramon Kaselowsky noch sonst irgendjemanden auf dem Platz, den er trainieren könnte. © Alexander Prautzsch
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ESV-Trainer Tilo Ohlig leitet für gewöhnlich „Superstar“ Ramon Kaselowsky fußballerisch an – in der Corona-Pause müssen freilich beide Seiten aufeinander verzichten.

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Delitzsch. Der Mann, der sonst mit dem Superstar tanzt, ist zum Solo gezwungen. Um Trainer Tilo Ohlig und seine Landesklasse-Fußballer des ESV Delitzsch ist es totenstill geworden. Dieses Schicksal teilen sie mit allen Amateur-Kickern der Republik. Auch die Tatsache, dass mit DSDS-Sieger Ramon „Roselly“ Kaselowsky ein Gesangs-„Profi“ für die Eisenbahner aufläuft, ändert daran nichts.

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„Lautstark mit den Spielern sprechen“

Die Lagebeschreibung von Tilo Ohlig sagt in vier Silben mehr als 1000 Worte. „Alles ruhig.“ Zumindest äußerlich. Keine rollenden Bälle, keine Grätschen, nicht einmal ein lausiger Rückpass auf den Torwart. Nur ein laues Lüftchen weht ab und zu über die Halme am Werkstättenweg. Im Inneren aber, da brodelt es durchaus, zieht sich so mancher Tag wie Lava. „Der Fußball fehlt, der Ausgleich fehlt. Sonst würden wir uns dreimal in der Woche treffen, das fällt jetzt flach und das merkt man schon.“

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Auf Übungen fürs fußballerische Homeoffice seiner Schäfchen verzichtet der Übungsleiter ganz bewusst. „Erstens kann ich das eh nicht kontrollieren. Zweitens hoffe ich, dass jeder den Ehrgeiz hat, sich fit zu halten. Aber ich weiß, dass es nicht leicht ist. Auch wir haben verschiedene Charaktere, manchem fällt es sicher leichter als anderen.“ Die zur Un-Wortgruppe geratene Formulierung „Individuelles Training“ schwebt über dem Haupthaar.

Außer Form geraten sollten die Eisenbahner tunlichst nicht. Rein sportlich sah es vor der Corona-Unterbrechung eher dürftig aus. Die bisherige Bilanz liest sich sehr bescheiden. Sieben Spiele, sechs Punkte, Abstiegsrang 13. Die junge Truppe zahlte allzu oft ihrer Unerfahrenheit Tribut. Lediglich drei Kicker über 30 stehen im Kader. Einer davon ist André Troitzsch. Der Mittelfeldmann kam im Sommer von Nordsachsenligist Zwochau und erhält von Ohlig ein halbwegs ordentliches Zwischenzeugnis. „Er musste sich auch erst einmal eine Liga weiter oben zurechtfinden und hatte mit sich zu tun. Aber zuletzt hat er sich gesteigert und das getan, was wir brauchen: lautstark mit den Spielern sprechen.“

„Auf einmal merke ich, alles macht jetzt Sinn“

Winter-Neuzugänge sind trotz der schwierigen Lage allerdings nicht in Sicht. Dabei wünscht sich der Coach gern ein, zwei erfahrene Kicker herbei, die die Mannschaft auf dem Platz führen. „Der ein oder andere war im Gespräch“, erzählt Ohlig und liefert das Problem der Gespräche gleich nach: „Alle halten die Hände auf. Wir können und wollen finanziell nicht mithalten.“ Der ESV zahlt keinem einzigen Spieler eine Aufwandsentschädigung. Wohl auch deshalb verließen die Leistungsträger Philipp Motscha und Dustin Knappe im Sommer den Club gen Bitterfeld-Wolfen.

Und Superstar Ramon „Roselowsky“? Der kehrt zu DSDS zurück und soll dort am 23. Januar einen wie-auch-immer-gearteten Auftritt absolvieren. Was das alles mit Fußball zu tun hat? Eher wenig. Aber was hat momentan schon etwas mit Fußball zu tun?! Vielleicht kommt dafür bald alles wie in Rosellys Nummer eins Hit „Eine Nacht“, wo es schaurig-schön heißt: „Ich kann es nicht begreifen, ich kann es nicht versteh’n; Gestern noch alleine, und heute ist es schön; Und am Ende bin ich König, und du die Königin; Und auf einmal merke ich, alles macht jetzt Sinn.“ Womöglich durchzieht den Körper von Liedtexter Dieter Bohlen ja wirklich eine prophetische Ader.