01. Juli 2020 / 14:07 Uhr

Kein Hauptsponsor, nur ein Spieler unter Vertrag: Lok Leipzig vor schwieriger Zukunft

Kein Hauptsponsor, nur ein Spieler unter Vertrag: Lok Leipzig vor schwieriger Zukunft

Anton Kämpf
Leipziger Volkszeitung
Sascha Pfeffer war die Enttäuschung nach dem Abpfiff anzusehen.
Sascha Pfeffer war die Enttäuschung nach dem Abpfiff anzusehen. © Picture Point
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Zum Wundenlecken haben die Verantwortlichen des 1. FC Lok Leipzig nach dem verpassten Drittliga-Aufstieg keine Zeit. Es gilt, die Weichen für die Zukunft zu stellen. Die ist mit zahlreichen großen Unbekannten gepflastert. Immerhin: Am Donnerstag soll der neue Trainer vorgestellt werden.

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Leipzig. Die Enttäuschung saß tief bei den mitgereisten Anhängern des 1. FC Lok Leipzig. Lautstark und pöbelnd ließen sie vor der Kabine ihrer Mannschaft in Bielefeld ihrem Frust nach der verpassten Chance, in Liga drei aufzusteigen, freien Lauf. Leere und Unverständnis war den Noch-Profis und den Verantwortlichen von des Clubs in die aufgelösten Gesichter geschrieben. „Wenn man vor den eigenen Fans Angst haben muss, ist das bedrückend“, erklärte Wolfgang Wolf. Das 1:1 (1:0) im Rückspiel beim SC Verl (Hinspiel 2:2) hatte für seine Elf nicht gereicht, um den Traum vom bezahlten Fußball wahr werden zu lassen.

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Schade! Der 1. FC Lok Leipzig erreicht beim SC Verl nur 1:1-Unentschieden (0:1) und spielt somit auch in der kommenden Saison in der Regionalliga Nordost. Zur Galerie
Schade! Der 1. FC Lok Leipzig erreicht beim SC Verl nur 1:1-Unentschieden (0:1) und spielt somit auch in der kommenden Saison in der Regionalliga Nordost. ©

Zeit, den Schock, ohne Niederlage und aufgrund der Auswärtstorregel in der Relegation gescheitert zu sein, zu verdauen, hat der Sportdirektor und Coach in Personalunion nicht. „Ich habe natürlich einen Plan B“, versichert Wolf. Als Trainer blieb er ungeschlagen, nun wird am Donnerstag der Mannschaft und anschließend auf einer Pressekonferenz der Öffentlichkeit sein Nachfolger auf der Bank vorgestellt. Wolf wird wohl wieder auf die Sportdirektor-Position rücken, wobei er gegenüber dem MDR nach dem Abpfiff in Bielefeld Spekulationen nährte, er könne womöglich aufhören. „Das wird man sehen“, antwortete er auf die Frage, ob er einen möglichen Umbruch begleiten werde.

Finanzielle und sportliche Herausforderung

Der neue Coach befindet sich seit geraumer Zeit im intensiven Kontakt mit Wolf – es geht um die Zukunft des Kaders. Denn bis auf Paul Schinke stehen alle Spieler ohne Kontrakt da und müssen sich arbeitslos melden. „Es ist Glück im Unglück. Hätten wir die Verträge zu den selben Konditionen bereits verlängert, wäre das der Genickbruch für den Verein“, so Wolf. „Die hochdotierten Verträge wird es nicht mehr geben.“ Ohne Hauptgeldgeber ETL und Ersatz für diesen ist das Profimodell in Probstheida mindestens gefährdet, wenn nicht sogar Geschichte. Fraglich ist, welche Lok-Akteure unter Amateurbedingungen bleiben werden. Zumal die starke Saison der Blau-Gelben Begehrlichkeiten geweckt haben wird. „Wir können nur wenige Spieler halten, da müssen wir realistisch sein", so Präsident Thomas Löwe.

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Unklar ist weiterhin der Starttermin der Regionalliga Nordost. Wolf fordert: „Sie kann nicht ohne Zuschauer beginnen.“ 50 Prozent seiner Einnahmen generiert der 1. FC Lok eigenen Angaben zufolge über die Heimspiele (Tickets, Catering etc.). Da ein Saisonauftakt mit Fans allerdings in den Sternen steht, herrscht Planungsunsicherheit. Sportlich wird die Nordost-Staffel der vierten Liga ebenfalls eine Herausforderung. Carl-Zeiss Jena steigt aus Liga drei ab, mindestens zwei weitere Ost-Clubs (Zwickau, Magdeburg, Chemnitz) kann es noch treffen. Immerhin steigt der Meister nächste Saison direkt auf.

Corona-Alarm am Abend vor dem Spiel

Dass die Probstheidaer da noch einmal ein Wörtchen mitreden können, glaubt allerdings nicht einmal der Präsident des Clubs. Löwe schaut statt dessen mit Skepsis in die Zukunft. „Ab Donnerstag gilt es, eine Mannschaft aufzustellen, die guten Fußball spielt. Wir wollen aber nicht so vermessen sein, zu sagen, wir greifen nächstes Jahr an. Das wird uns nicht gelingen.“

Übrigens: Die unmittelbare Vorbereitung auf das Rückspiel wurde aufgrund eines positiven Corona-Tests in den Reihen der Leipziger erschwert. Am Montag um 20 Uhr kamen die Ergebnisse der letzten Testreihe, eine Person hatte sich demnach mit Covid-19 infiziert. Deshalb musste der komplette Probstheida-Tross um halb eins in der Nacht erneut getestet werden. "Die ganze Mannschaft lag wach, hatte sich Sorgen gemacht und überlegt: Wie geht's weiter? Kommt Quarantäne, was ist mit den Eltern", berichtete Wolf von der nächtlichen Anspannung. Am Dienstagmorgen kam schließlich die Entwarnung, dass es sich um ein Fehlergebnis handelte. Die zweite Testreihe war komplett negativ.