10. Februar 2020 / 12:20 Uhr

"Das ist kein Kinderfußball mehr": Schlichtweg grandiose D-Junioren im Halbfinale

"Das ist kein Kinderfußball mehr": Schlichtweg grandiose D-Junioren im Halbfinale

Nicola Wehrbein
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Ein letztes Warmmachen im Mannschaftskreis bei den Jungs vom TuS Altwarmbüchen...
Ein letztes Warmmachen im Mannschaftskreis bei den Jungs vom TuS Altwarmbüchen... © Nicola Wehrbein
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Finale, oho! Die D-Junioren des TuS Altwarmbüchen sind überraschend ins Finale vom SPORTBUZZER Hallenpokal gedribbelt. Hinter dem überragenden JFV Calenberger Land sicherte sich das Team von Björn Weihmann und Hamid Mohaddam einen der beiden Plätze in der Endrunde - zum Leidwesen des TSV Bemerode.

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Es schien, als könnten sie ihr Glück noch gar nicht fassen. Oder sie waren schlicht und ergreifend total kaputt. Zumindest brach bei den D-Junioren des TuS Altwarmbüchen nicht gerade ein tosender Freudensturm los. Erst als Björn Weihmann, der die Mannschaft zusammen mit Hamid Moghaddam coacht, frohgelaunt „Finale, oho, Finale ohohoho“ anstimmte, fielen seine Spieler strahlend mit ein. In diesem Moment wurde es ihnen offenbar bewusst – sie haben es geschafft: Die Altwarmbüchener stehen im Finale um den SPORTBUZZER Hallenpokal.

Es war ein hartes Stück Arbeit. Und eine verdammt enge Kiste. Ein bisschen durfte sich der TuS wie der lachende Dritte fühlen. Denn anfangs hatte es ganz danach ausgesehen, als würde sich im Feld der stark besetzten Leistungsgruppe 1 neben dem überragenden Team vom JFV Calenberger Land, der überzeugend aufspielende TSV Bemerode das zweite Ticket für die begehrte Endrunde sichern. Doch dann kam alles anders... 

Bemeroder legen stark los

Was für eine mitreißende Semifinalrunde: Die D-Junioren boten in der Halle der IGS Mühlenberg technisch hochklassigen, rasanten Fußball mit tollen Toren – und einer großartigen Dramaturgie. Die Bemeroder waren mit zwei Formationen vertreten, die zum Auftakt aufeinandertrafen. Der TSV Bemerode um seine auffälligen Akteure Denis und Jamie legte mit Siegen über die eigene „Zweite“ (3:0) und den TuS Garbsen (4:0) vielversprechend los.

„Unser Ziel ist es, eine Mannschaft weiter zu bringen. Bislang sieht‘s prima aus“, sagte Trainer Ermin Vojnikovic nach diesen beiden Erfolgen. „Allerdings ist die Konkurrenz auch gut. Das, was die Jungs hier zeigen, ist kein Kinderfußball mehr, das ist Fußball auf hohem Niveau, mit taktischen Finessen und vollem Körpereinsatz.“

Bilder vom SPORTBUZZER Hallenpokal - Leistungsbereich Halbfinale 1 der D-Junioren in Mühlenberg

Bestens gelaunt: Das Quartett Luis (von links), Denis, Nico und Theo vom TSV Bemerode. Zur Galerie
Bestens gelaunt: Das Quartett Luis (von links), Denis, Nico und Theo vom TSV Bemerode. ©

Einige Spieler dieser Altersklasse werden bereits von Bundesligaklubs umworben. Trainersohn Denis etwa und Jamie haben Angebote vom VfL Wolfsburg, 96 und Werder Bremen. „Aber wir wollen jetzt definitiv noch nicht wechseln. So viel Druck muss nicht sein“, sagte Vojnikovic. „Wir haben doch auch gute Jungs und gute Mannschaften, da muss man nicht unbedingt nach Wolfsburg gehen.“

Der TuS Altwarmbüchen hatte derweil einen holprigen Start hingelegt, dem 1:0 über die SG Hannover 74 folgte ein 0:4 im Vergleich mit den Kickern vom JFV Calenberger Land. Wer nun meinte, das sei es gewesen, irrte jedoch gewaltig. In einer umkämpften Partie setzte sich der Klub aus Isernhagen mit 3:2 gegen den TSV Bemerode durch, sprich: Die Karten wurden neu gemischt. Die Altwarmbüchener ließen nichts mehr anbrennen, fuhren zwei weitere Siege ein und holten insgesamt zwölf Punkte.

"Und jetzt freuen wir uns auf die Endrunde"

Um ihren Traum vom Finale wahr werden zu lassen, brauchte die Vojnikovic-Truppe nun einen Dreier gegen die vermeintlich unschlagbaren Calenberger, die bis dahin alle Partien in souveräner Manier hoch für sich entschieden hatten. Bis kurz vor Schluss führte Bemerode tatsächlich mit 1:0, das hätte aufgrund der besseren Tordifferenz als der TuS für Platz zwei gereicht – dann markierte Julius im Dress des Deister-Teams das 1:1. Aus und raus für den TSV Bemerode.

„Wir glauben an uns. Deshalb hatten wir auch insgeheim das Finale angepeilt. Unser Wunsch war es, die Großen zu ärgern“, sagte Altwarmbüchens Trainer Weihmann. „Bei uns ist das Team der Star, das Kollektiv macht’s, wir punkten mit mannschaftlicher Geschlossenheit. Und jetzt freuen wir uns auf die Endrunde.“

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Zu den Favoriten im Finale des SPORTBUZZER Hallenpokals zählt zweifellos das mit zahlreichen Auswahlspielern top besetzte Team vom JFV Calenberger Land. „Es macht super Bock mit den Jungs“, betonte Trainer Tilman Zychlinski, dessen Team sehenswert kombinierte und ein Tor schöner als das andere herausspielte und -schoss. „Diese Truppe, die ich von Hannes Kuban übernommen habe, ist ein Geschenk – auch im menschlichen Umgang. Die Jungs sind durchweg begeisterte Fußballer, die Kabine lebt.“

Mit Späteinsteigern ins Finale

Dass es keineswegs von Nachteil ist, wenn die Kinder erst andere Sportarten betreiben, bevor sie sich für Fußball entscheiden, zeigt das Beispiel von zwei Calenberger Talenten, die kürzlich eine Einladung zum Sichtungstraining beim NFV erhalten haben. „Julius hat früher Judo gemacht und Pirmin Handball gespielt, beide sind relativ spät beim Fußball eingestiegen. Sie haben ein ganz anderes Bewegungsverständnis mitgebracht, das sie hervorragend auf dem Platz einsetzen“, sagte Zychlinski, der sich am Seitenrand angenehm mit lautstarken Anweisungen zurückhält. „Die Jungs kriegen in der Spielvorbereitung natürlich etwas mit auf den Weg, aber auf dem Platz müssen sie es selber lösen. Lasst die Jungs doch Fußball spielen.“

Der HSC verdiente sich in der IGS Mühlenberg nicht nur als Ausrichter Bestnoten, sondern trumpfte in der Gruppe 2, die am Nachmittag über das Parkett ging, überdies sportlich groß auf. Mit gleich zwei Mannschaften hielt der HSC glanzvoll Einzug in die Endrunde. Die ersten vier Finalisten stehen bei den D-Junioren somit fest. Am Samstag geht es in den Gruppen 3 und 4 ums Ganze: Im Erich-Kästner-Schulzentrum in Laatzen kämpfen unter anderem der TSV Havelse, Niedersachsen Döhren, SC Langenhagen, Germania Grasdorf und der HSC III ums Weiterkommen. Wer schafft den Sprung unter die Top Acht der Region? Es wird eine spannende und emotionale Angelegenheit. So viel ist schon mal sicher.