06. Dezember 2017 / 16:47 Uhr

Kein Olympia-Boykott 2018 von Russland: Putin will Athleten den Start nicht verbieten

Kein Olympia-Boykott 2018 von Russland: Putin will Athleten den Start nicht verbieten

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Wladimir Putin will russischen Sportlern nicht verbieten, an den Olympischen Spielen teilzunehmen.
Wladimir Putin will russischen Sportlern nicht verbieten, an den Olympischen Spielen teilzunehmen. © imago
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Russland darf als Mannschaft bei den Olympischen Spielen 2018 in Pyeongchang nicht starten - einzelne Sportler dürfen jedoch unter neutraler Flagge starten. Staatspräsident Wladimir Putin stellt den Athleten nun die Teilnahme frei.

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Für die einen ist das Urteil des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) ein „klares Signal“, für die anderen bleibt ein „bitteres Gefühl“. Und Russland spricht von einem massiven Angriff auf das eigene Land. Russische Athleten dürfen wegen des Doping-Skandals nur unter strikten Konditionen und neutraler Flagge an den Olympischen Winterspielen 2018 in Pyeongchang (9. – 25. Februar) teilnehmen. Das entschied die IOC-Exekutive am Dienstag in Lausanne.

Für viele Experten konnte die Entscheidung dagegen gar nicht hart genug sein. Die „Washington Post“ schrieb etwa: „Das IOC hat nicht mehr getan, als einen Song und ein Stück Stoff in Pyeongchang zu verbieten.“

Das deutsche Wintersportteam holte bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi (Russland) 19 Medaillen. Dies sind die Gewinner.

Olympische Winterspiele 2014, Sotschi: Das deutsche Olympiateam holt bei den Winterspielen 2014 in Sotschi (Russland) 19 Medaillen (8 Gold, 6 Silber, 5 Bronze). Zur Galerie
Olympische Winterspiele 2014, Sotschi: Das deutsche Olympiateam holt bei den Winterspielen 2014 in Sotschi (Russland) 19 Medaillen (8 Gold, 6 Silber, 5 Bronze). ©
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Welche Folgen hat die Strafe gegen Russland aber wirklich? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Die Reaktionen aus Russland:

Die Entscheidung ist gefallen: „Wir werden bestimmt keinen Boykott verkünden“, sagte Russlands Staatspräsident Wladimir Putin gestern Nachmittag. „Wir werden unsere Olympioniken nicht daran hindern, am Wettbewerb teilzunehmen.“

Dennoch herrscht Eiszeit-Stimmung zwischen Russland und dem Westen, dem böse Widersacher. „Eine widerliche Entscheidung“, schreibt etwa der russische Außenpolitiker Konstantin Kossatschow. „Das gehört zur allgemeinen Linie des Westens, Russland zurückzudrängen.“

Einsicht nach dem bewiesenen Staatsdoping unter Beihilfe des Geheimdienstes? Fehlanzeige. Stattdessen kritisierte Kossatschow die russischen Funktionäre – aber nicht, weil sie das Dopingsystem unterstützt hätten: „Sie haben den Start der Kampagne verschlafen, und sie waren mit dem Finish überfordert.“

Auf den Internationale Sportgerichtshof CAS kommt nun eine Klagewelle zu. 22 Einsprüche russischer Sportler seien gegen die lebenslangen Sperren und die Annullierung ihrer Ergebnisse von Sotschi eingegangen.

Das sagen die Athleten:

„Das ist eine knackige Ansage und für Herrn Putin die ultimative Demütigung“, sagte der deutsche Snowboarder Konstantin Schad, Athletensprecher des Ski-Weltverbands FIS. „Es wurde rechtlich alles ausgereizt.“ Allerdings müsse die Zulassung der Athleten strikt kontrolliert werden. „Wenn es am Ende dann doch 90 Prozent sind, dann wäre ich wieder unzufrieden.“Auch der deutsche Biathlet Simon Schempp ist zufrieden: „Ein Sportler kann nicht dafür verantwortlich gemacht werden, in welchem Land er lebt. Deshalb finde ich es schon sehr wichtig, dass die Tür noch offen ist, für Sportler die nie etwas gemacht haben“.

Franz Steinle, Präsident des Deutschen Skiverbandes ist froh, wie die Entscheidung gefallen ist. "Es ist aus unserer Sicht und nach unserem Rechtsempfinden nachvollziehbar, dass Athleten, die nicht in das System verstrickt waren und sich in der Vergangenheit nachweisbar an die international gültigen Anti-Doping-Regeln gehalten sowie alle weiteren Vorgaben und Kriterien erfüllt haben, über ein persönliches Startrecht bei den kommenden Olympischen Spielen teilnehmen dürfe", sagte er.

Was bedeutet das für die Fußball-WM 2018?

„Diese Entscheidung hat keinen Einfluss auf die Vorbereitungen für die Fußball-WM 2018, da wir weiterhin daran arbeiten, die bestmögliche Veranstaltung zu liefern“, teilte der Fußball Weltverband Fifa gestern mit. Nur: Die angebliche Null-Toleranz-Linie der Fifa in ihrer Anti-Doping-Politik wird ad absurdum geführt. Fifa-Boss Gianni Infantino kündigte an, WM-Cheforganisator Witali Mutko zu stützen. Das IOC hatte ihn am Dienstag als Schlüsselfigur im Doping-Skandal für alle zukünftigen Olympischen Spiele ausgeschlossen.

Wer startet noch unter neutraler Flagge?

In der Vergangenheit durften Sportler aus verschiedenen Gründen nur unter neutraler Olympia-Flagge bei den Spielen antreten. Meistens lag dies an Strafen des IOC gegen die jeweiligen Nationalen Olympischen Komitees (NOK). So etwa wurde das NOK Indiens vor den Winterspielen 2014 in Sotschi wegen politischer Einflussnahme suspendiert. Die Sportler nahmen unter neutraler Flagge teil. Auch Flüchtlinge, die aus verschiedenen Gründen nicht für ihr Heimatland antreten können, starten unter der neutralen Flagge. Bei den Sommerspielen in Rio waren es zehn Flüchtlinge. Die russischen Athleten bekommen allerdings eine Sonderbezeichnung: „Olympiasportler aus Russland“.

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