11. Januar 2022 / 18:00 Uhr

„Kein sauberer Spielbetrieb“: Nordsachsens Reaktionen auf die 2G-Bedingungen

„Kein sauberer Spielbetrieb“: Nordsachsens Reaktionen auf die 2G-Bedingungen

Johannes David
Leipziger Volkszeitung
Auf dem Sprung: So das Kabinett will, darf ab Freitag wieder trainiert werden. Hier ein Foto vom jüngsten Corona-Restart im vergangenen Mai in Schenkenberg.
Auf dem Sprung: So das Kabinett will, darf ab Freitag wieder trainiert werden. Hier ein Foto vom jüngsten Corona-Restart im vergangenen Mai in Schenkenberg. © Alexander Prautzsch
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Ab Freitag darf wohl unter bestimmten Bedingungen wieder trainiert werden. Der nächste logische Schritt wären Punktspiele. Nordsachsens Sportler schwanken angesichts der Regelungen zwischen Kritik, Verständnis und Vorfreude.

Nordsachsen. Eine Ziffer und ein Buchstabe, die nahezu ebenso viel Zuversicht spenden wie sie die Kernspaltung der Gesellschaft vorantreiben. Nach Lage der Dinge darf ab dem Freitag in Sachsen wieder Mannschaftssport betrieben werden – unter 2G-Bedingungen. Der nächste logische Schritt wären Punktspiele nur für Geimpfte und Genesene. Und spätestens dann fangen die Probleme an.

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„Das wäre kein sauberer Spielbetrieb“, sagt Kai-Uwe Ziegler, Trainer des Radefelder SV Mit seinem Team führt er momentan die Fußball-Landesklasse Nord an. „Wir betreiben nun mal einen Mannschaftssport. So grenzt du Spieler aus. Wer nicht geimpft ist, fühlt sich eingeschränkt.“

Gesellschaft teilt sich immer mehr

Gar 2G plus, also zusätzlich zur Impfung oder Genesung einen negativen Corona-Test auf Lager haben, müssen die Oberliga-Handballer des NHV Concordia Delitzsch, wenn sie trainieren wollen. „Es gibt bei uns Ungeimpfte, natürlich bedeutet das eine Schwächung. Aber das müssen wir eben kompensieren. Das ist uns schon eine Weile bewusst“, sagt Coach Jan Jungandreas. „Es geht auch um Verantwortung, die wir für unsere Gesellschaft haben.“ Doch eben die teilt sich mehr und mehr.

Viele Menschen tragen ihre innere Zerrissenheit nach außen. Leben mit der Pandemie bedeutet Leben mit Widersprüchen, mit Unsicherheiten. So förderlich Sport für die Gesundheit ist, im Freizeit- und Amateurbereich ist die gemeinsame Zeit danach mindestens ebenso wichtig – und dieser potenzielle Viren-Katalysator bereitet den Entscheidungsträgern wohl das größte Kopfzerbrechen.

Und doch mag sich André Quasdorf nicht mit 2G anfreunden. „Erst wenn alle dabei sind, die Geimpften und die Nicht-Geimpften, dann können wir wieder von einem normalen Spielbetrieb reden“, sagt der Übungsleiter des Volleyball-Regionalligisten Krostitzer SV. „Vorher ist das alles nicht mehr relevant für mich und wir sind nicht konkurrenzfähig. Vielleicht gehen wir sogar freiwillig in die Sachsenliga, um wieder etwas Ruhe reinzubringen.“

Großer Aufwand

Selbst jene, die Meisterschaftsambitionen und eine 100-prozentige Impfquote haben, sind hin- und hergerissen. Wie etwa Sven Roos, der den Spitzenreiter der Fußball-Nordsachsenliga aus Schenkenberg betreut. „Die sportliche Fairness muss gewährleistet sein“, sagt Roos. Nur wie soll das gehen? Eine perfekte Impfquote dürften nur die allerwenigsten Mannschaften haben. Manch ein Spieler wird unter diesen Bedingungen also nicht dabei sein können. „Das ist nicht schön. Aber wer vernünftig ist, der lässt sich impfen. Jeder ist für seine Gesundheit verantwortlich und sollte die Lage ernst nehmen.“


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Spritzen sind das eine, Kontrolle das andere. „Eine 2G-Saison wird sicherlich auch problematisch, weil du so viele Nachweise hinterlegen musst. Das ist ein großer Aufwand, aber der Aufwand lohnt sich“, ergänzt Roos, zur Rückkehr auf den Platz und in die Halle.

Die Delitzscher Handballer wollen am kommenden Dienstag wieder trainieren, die Kicker aus Radefeld womöglich schon Freitag oder Samstag. „Die Hauptsache ist, dass wir uns wiedersehen und der Ball rollt“, sagt Kai-Uwe Ziegler. André Quasdorf bläst in ein synonymes Horn: „Wir werden uns wieder die Turnhose umschnallen. Das Wichtigste ist, dass die Jungs wieder ihren Sport treiben können.“ Nur wird der ein oder andere eben außen vor bleiben.