21. Juni 2020 / 12:25 Uhr

Kein Tor, kein Applaus: Timo Werners trauriger Heim-Abschied bei RB Leipzig

Kein Tor, kein Applaus: Timo Werners trauriger Heim-Abschied bei RB Leipzig

Thomas Fritz
Leipziger Volkszeitung
Das war's für Timo Werner in der Red-Bull-Arena. Ohne Tor, ohne Standing-Ovations, ohne Emotionen.
Das war's für Timo Werner in der Red-Bull-Arena. Ohne Tor, ohne Standing-Ovations, ohne Emotionen. © GEPA Pictures
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Es war kein Bilderbuch-Abschied für Timo Werner in seinem letzten Heimspiel für RB Leipzig: Beim 0:2 (0:1) gegen Borussia Dortmund blieb der Nationalstürmer ohne Treffer, emotionale Momente blieben aus. Trainer Julian Nagelsmann schlug eine würdige Abschiedszeremonie für den 24-Jährigen vor - wenn die Fans wieder ins Stadion dürfen.

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Sein Goodbye nach vier Jahren, 158 Pflichtspielen, 93 Toren und 40 Vorlagen für RB Leipzig hatte sich Timo Werner wahrscheinlich anders vorgestellt. Die offizielle Verabschiedung auf dem Rasen der Red-Bull-Arena dauerte nur wenige Sekunden. Eingerahmt von Sportdirektor Markus Krösche und Geschäftsführer Oliver Mintzlaff hielt Werner eine Collage mit drei Bildern im RB-Trikot in der Hand.

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RB Leipzig kann den Heimkomplex einfach nicht ablegen: Im Spitzenspiel des 33. Spieltages unterlagen die Roten Bullen dem BVB mit 0:2. Zur Galerie
RB Leipzig kann den Heimkomplex einfach nicht ablegen: Im Spitzenspiel des 33. Spieltages unterlagen die Roten Bullen dem BVB mit 0:2. ©

Die Fotografen knipsten ihre Fotos; auf eine Durchsage von Stadionsprecher Tim Thoelke oder warmen Applaus der ausgesperrten Anhänger musste der Nationalstürmer verzichten. Fan-Plakate waren ebenfalls keine zu sehen. Als die Fotos im Kasten waren, sprintete er zurück in die Kabine, um noch ein paar Worte der Ansprache von Trainer Julian Nagelsmann mitzubekommen.

Nur ein Torschuss in 70 Minuten

Auch auf dem Rasen war es ein verkorkster Abschied für den 24-Jährigen, der zum 1. Juli zum FC Chelsea in die Premier League wechselt. In 70 Minuten gelang Werner nur ein Torschuss und eine Torschussvorlage bei 37 Ballkontakten. Vor allem der starke Mats Hummels nahm den Goalgetter beim verdienten 2:0-Sieg des BVB fast komplett aus dem Spiel. In der 40. Minute scheiterte Werner nach einem feinen Pass von Emil Forsberg aus spitzem Winkel an Schlussmann Roman Bürki. Kurz vor seiner Auswechslung hatte er das 1:1 auf dem Fuß, aber Lukasz Piszczek konnte wenige Meter vor dem Tor gerade noch vor dem einschussbereiten RB-Profi klären.

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(1) Peter Gulacsi: Drei Glanztaten gegen Haaland, bei den Gegentoren allein gelassen. Note 2. Zur Galerie
(1) Peter Gulacsi: Drei Glanztaten gegen Haaland, bei den Gegentoren allein gelassen. Note 2. ©

Sein 27. Treffer in der laufenden Bundesliga-Saison blieb ihm versagt. „Das ist natürlich schade für ihn“, sagte Trainer Julian Nagelsmann nach dem Schlusspfiff. „Er hat so viele Tore in den vergangenen Spielen und auch zuhause geschossen. Er wollte sich natürlich unbedingt mit einem Tor hier verschieden. Das ist ihm leider nicht gelungen.“

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Nach 70 Minuten erlöste Nagelsmann seinen Topstürmer und brachte Christopher Nkunku ins Spiel. Normalerweise wäre in diesem Moment tosender Applaus ausgebrochen, die Fans hätten sich vermutlich mit Standing Ovations vom RB-Rekordtorschützen verabschiedet und „Timo Werner“-Sprechchöre angestimmt. Vielleicht hätte es auch ein paar Pfiffe gegeben, weil Werner die Champions League nicht mit RBL zu Ende spielen will.

Nagelsmann wünscht sich würdige Verabschiedung

Ohne Publikum glich der Abschied fast einem Begräbnis, es blieb mucksmäuschenstill im leeren Stadion. Julian Nagelsmann und Co-Trainer Robert Klauß umarmten Werner länger als sonst, die anderen Staff-Mitglieder reckten ihm anerkennend ihre Fäuste entgegen. Das war`s. Werner setzte sich auf die Tribüne und sah von dort wie Erling Haaland in der Nachspielzeit seinen Doppelpack schnürte und dem BVB die Vizemeisterschaft sicherte. Er äußerte sich im Anschluss nicht zum Spiel.

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Emil Forsberg (RB Leipzig): Es war sehr warm heute, dadurch haben wir auch viele Fehler gemacht. Die Ballsicherheit war nicht da. Es war schön, heute wieder auf dem Platz zu stehen. Das macht immer Spaß. Aber nach einer Niederlage ist es schwer was zu sagen.  Die Champions League war unser Ziel. Das haben wir erreicht. Man darf nicht vergessen: Wir haben eine super Saison gespielt viele Wochen lang und freuen uns natürlich, auch wenn wir heute nicht gewinnen konnten. Zur Galerie
Emil Forsberg (RB Leipzig): "Es war sehr warm heute, dadurch haben wir auch viele Fehler gemacht. Die Ballsicherheit war nicht da. Es war schön, heute wieder auf dem Platz zu stehen. Das macht immer Spaß. Aber nach einer Niederlage ist es schwer was zu sagen. Die Champions League war unser Ziel. Das haben wir erreicht. Man darf nicht vergessen: Wir haben eine super Saison gespielt viele Wochen lang und freuen uns natürlich, auch wenn wir heute nicht gewinnen konnten." ©

RB-Coach Nagelsmann war sofort klar, dass so ein bedeutender Spieler ein würdigeres Goodbye verdient gehabt hätte. Der Fußball-Lehrer schlug vor, dass Werner trotz des straffen Terminkalenders in England „zu einem gegebenen Zeitpunkt, wenn die Fans wieder da sind, nochmal vorbeischaut und dann nochmal verabschiedet wird in dem Rahmen, in dem es auch angemessen ist.“ Man darf gespannt sein, ob es dazu tatsächlich kommt.

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2016 Juli: Werner beim Training (@GEPA Pictures) Zur Galerie
2016 Juli: Werner beim Training (@GEPA Pictures) ©

Eine Chance besitzt Timo Werner ja noch, RB Leipzig im Stile eines großen Torjägers zu verlassen. Am nächsten Samstag reisen die Sachsen zum Saisonfinale nach Augsburg. Es werde zum Abschied feuchte Augen bei einigen im Verein geben, vermutet Julian Nagelsmann. „Er ist ein toller Mensch, den wir vermissen werden.“