04. Juni 2021 / 18:49 Uhr

Kein Turbine-Abschied für immer für Johanna Elsig

Kein Turbine-Abschied für immer für Johanna Elsig

Christoph Brandhorst
Märkische Allgemeine Zeitung
Fußball: Bundesliga, Frauen, SC Freiburg - Turbine Potsdam, 17. Spieltag am 30.05.2020 im Mösleststadion. Johanna Elsig von Potsdam spielt den Ball.
Johanna Elsig verlässt Turbine Potsdam in dieser Saison. © Achim Keller
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Frauen-Bundesliga: Die 29-jährige Verteidigerin bestreitet zum Saisonfinale gegen Essen nach neun Jahren ihr (vorerst) letztes Spiel für Turbine Potsdam.

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Auf Johanna Elsig warten in diesen Tagen viele letzte Male in Potsdam. Das letzte Abschlusstraining, die letzte Taktikbesprechung, die letzte Fahrt zum Stadion – und am Sonntag (14 Uhr/Karl-Liebknecht-Stadion) eben auch das vorerst letzte Spiel im Trikot des 1. FFC Turbine Potsdam. „Noch fühlt sich die Woche erstaunlich normal an“, sagt die 28-jährige Fußballerin, die den Club am Saisonende, also nach dem Spiel gegen die SGS Essen, verlassen wird. „Das Training macht Spaß, wir bereiten uns ganz normal vor und dann schauen wir mal, wie das wird.“

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Irgendwie geht mit der Innenverteidigerin auch eine der letzten Vertreterinnen einer besseren Turbine-Zeit. Zwar blieb Johanna Elsig ein Titel in ihren neun Potsdamer Jahren verwehrt, aber immerhin war sie dabei, als die Bundesliga-Fußballerinnen aus Brandenburg 2014 zuletzt im Europapokal mitmischten. Deshalb ist es auch ein Spiel auf internationaler Ebene, das der Abwehrspielerin besonders in Erinnerung blieb. „Das Achtelfinal-Rückspiel 2013 in der Champions League in Lyon, das wir 2:1 gewonnen haben“, sagt Elsig. „Da hatte ein paar Jahre keiner mehr gewonnen. Wir sind mit einem 0:1 aus dem Hinspiel dahingefahren und haben sie aus der Champions League gehauen“, blickt sie zurück. Mit einem Titel konnten sich die Potsdamerinnen seinerzeit nicht belohnen, gegen Wolfsburg war im Halbfinale Endstation. „Trotzdem ist das ein Spiel, an das ich mich gerne zurückerinnere“, sagt die Defensivspezialistin.

In Bildern: 50 ehemalige Spielerinnen vom 1. FFC Turbine Potsdam – und was aus ihnen wurde

Klickt Euch durch die Galerie der 50 ehemaligen Spielerinnen vom 1. FFC Turbine Potsdam. Zur Galerie
Klickt Euch durch die Galerie der 50 ehemaligen Spielerinnen vom 1. FFC Turbine Potsdam. ©

Optimistisch ist Johanna Elsig, dass es trotz der verpassten Europapokal-Qualifikation in dieser Spielzeit bald wieder Champions-League-Abende in Potsdam geben könnte. „Ich traue ihnen die Qualifikation zu. Entscheidend ist, was die Mannschaft daraus macht“, sagt die scheidende Potsdamerin. Auch den DFB-Pokal sollte man nie abschreiben. Das haben man am diesjährigen Finalisten Frankfurt gesehen, „die wir zweimal geschlagen haben. Da hätten auch wir stehen können“.



Am Donnerstag gab es eine Nachricht, die Johanna Elsig und Turbine-Fans gleichermaßen freuen wird: Zum Saisonfinale gegen den Tabellenachten aus Essen dürfen Dauerkarteninhaber mit aktuellem negativen Coronatest wieder ins Stadion. „Nach neun Jahren Turbine ist das ein gebührender Abschluss. Die Fans gehören einfach zu Turbine. Ich wünsche mir, dass ein paar dabei sind“, sagt die Führungsspielerin.

Turbine-Start mit schwerer Knieverletzung

Dabei ging das alles gar nicht so gut los mit Johanna Elsig und Turbine Potsdam. Als der Wechsel der gebürtigen Dürenerin im Sommer 2012 bereits feststand, riss ihr im letzten Spiel für Bayer 04 Leverkusen das Kreuzband. „Ich war froh, dass Turbine den Weg mit mir gegangen ist, dass sie mich nicht fallen gelassen haben“, sagt sie heute. „Keiner hätte gedacht, dass das so eine Prozedur wird mit dem rechten Knie – und irgendwann kam ja dann auch noch das linke hinterher.“ Kurz vor dem Saisonstart 2015/16, wieder Kreuzbandriss. Und wieder kämpfte sich Johanna Elsig zurück.

Bis in die Nationalmannschaft. Dort gab sie im April 2017 gegen Kanada ihr Debüt. Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg nominierte sie für die Weltmeisterschaft 2019, dort blieb Elsig aber ohne Einsatz. Wie auch zuletzt. „Natürlich wäre es schön, wieder nominiert zu werden“, sagt sie. „Aber es hat ein Umbruch stattgefunden und ich gehöre jetzt zu den älteren Spielerinnen. Deshalb ist das nicht mein Hauptfokus.“

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Besser soll es am Sonntag laufen. „Wir wollen unbedingt noch mal drei Punkte holen, um einen guten Abschluss zu haben. Aber natürlich freut sich auch jede auf ein bisschen freie Zeit.“ Auch die 15-fache Nationalspielerin wird sich ein paar Tage Urlaub gönnen. „Ich werde auch bei meiner Familie sein.“ Erst danach soll es an den Umzug gehen. Wohin, das will Johanna Elsig noch nicht kommentieren. Nach SPORTBUZZER-Informationen gilt aber ein Wechsel nach Frankreich zum HSC Montpellier als wahrscheinlichste Option.

Nie hätte sie gedacht, neun Jahre in Potsdam zu bleiben. „Aber es sind jetzt eben neun Jahre geworden. Das zeigt einfach, wie wohl ich mich hier fühle. In der Stadt, im Verein. Es ist zu meiner Heimat geworden.“ Deshalb will sie auch nicht ausschließen, noch einmal in die Brandenburger Landeshauptstadt zurückzukehren. „Ich kann mir gut vorstellen, meine Karriere hier ausklingen zu lassen.“ Und dann das Jahrzehnt bei Turbine Potsdam trotz Unterbrechung voll zu machen.