23. Juni 2020 / 13:45 Uhr

Keine Zunahme von Verletzungen bei RB Leipzig nach der Corona-Pause

Keine Zunahme von Verletzungen bei RB Leipzig nach der Corona-Pause

Thomas Fritz
Leipziger Volkszeitung
LEIPZIG,GERMANY,09.MAR.20 - SOCCER - UEFA Champions League, round of 16, RasenBallsport Leipzig vs Tottenham Hotspur, preview, training. Image shows the team of RB Leipzig. Photo: GEPA pictures/ Roger Petzsche - For editorial use only. Image is free of charge.
Athletiktrainer Faller. „Durch die wiederkehrende Spielbelastung haben sich die Lauf- und Sprintwerte wieder zügig angeglichen.“ © GEPA pictures/ Roger Petzsche
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Entgegen aller Befürchtungen sind die Fußball-Profis von RB Leipzig bisher körperlich gut durch die Wochen nach dem Bundesliga-Neustart gekommen. Insbesondere eine Häufung muskulärer Verletzungen ließ sich laut Online-Portal „fussballverletzungen.com“ nicht feststellen.

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Wochenlange Trainingseinschränkungen, kurze Vorbereitung, ein eng getakteter Spielplan: Vor dem Wiederbeginn der Fußball-Bundesliga nach der Corona-Pause im Mai hatten Mediziner und Sportwissenschaftler vor einer Verletzungswelle gewarnt. „Wenn Sie über Wochen hinweg keinen Gegnerkontakt mehr hatten und ihn in den Kleingruppen nicht haben, dann kann das am Ende des Tages dazu führen, dass das Verletzungsrisiko trotz guter Fitness steigt“, sagte Urs Granacher, Leiter der Professur für Trainings- und Bewegungswissenschaft an der Universität Potsdam, dem „ZDF“. Besonders muskuläre Verletzungen könnten wegen der ungewohnten Belastung gehäuft auftreten, hieß es.

Anteil der Muskelverletzungen nicht gestiegen

Heute sind wir schlauer: Wenige Tage vor dem Ende der Spielzeit 2019/20 sind die Lazarette der Erstligaklubs offenbar nicht auffällig gefüllt. Eine Häufung von Verletzungen nach der Pause habe es nicht gegeben, teilt RB Leipzig auf SPORTBUZZER-Anfrage mit. Weder mussten mehr Profis im Training belastungstechnisch kürzer treten, noch war ein Anstieg der Ausfallzeiten bei den Übungseinheiten zu beobachten.

„Die Corona-Pause scheint bisher eher die Möglichkeit für Langzeitverletzte gewesen zu sein, in dieser Saison nochmal anzugreifen, als dass eine größere Gefahr neuer Verletzungen durch die Pause entstanden wäre“, sagt Fabian Siegel, Gründer des Online-Portals „fussballverletzungen.com“. Bei RB konnten sich Ibrahima Konaté, Willi Orban und Kevin Kampl durch die zweimonatige Spielpause von langwierigen Blessuren erholen und wieder ins Spielgeschehen eingreifen. Bei anderen Klubs gibt es vergleichbare Fälle, etwa bei Kevin Volland von Bayer Leverkusen.

DURCHKLICKEN: Die aktuellen Vertragslaufzeiten der RB-Profis

(1) Peter Gulacsi: Vertrag bis 30.6.2023 mit Vereinsoption auf ein weiteres Jahr. Zur Galerie
(1) Peter Gulacsi: Vertrag bis 30.6.2023 mit Vereinsoption auf ein weiteres Jahr. ©

Was sagen die nackten Zahlen dazu? Vom 1. Juli 2019 bis zum 14. März dieses Jahres zählte Siegel bei RBL 81 Ausfälle (0,32 neue Ausfälle pro Tag), vom 31. März bis zum 9. Juni waren es 12 Ausfälle (0,17 pro Tag). Der Anteil der Muskelverletzungen lag bei RB nach der Pause bei zirka einem Drittel aller Blessuren (wobei der Datensatz nicht sonderlich groß ist). „Das entspricht im etwa dem Ligadurchschnitt in `normalen` Saisons“, sagt Siegel.

Fast identische Lauf- und Sprintwerte

Die Tendenz zur weniger neuen Verletzungen bestätigt sich im Untersuchungszeitrum auch beim FC Bayern und Borussia Dortmund. Beim Meister und Vizemeister sank die Zahl der neuen Ausfälle pro Tag nach der Corona-Pause (Bayern: 0,25 zu 0,19; BVB: 0,27 zu 0,13). Die Daten für alle Bundesligavereine will Siegel in den kommenden Tagen veröffentlichen.

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Bei RB wurden die Trainingsumfänge aufgrund der allgemeinen Belastungssteuerung zwar zum Saisonende reduziert. Die ist laut Vereinsangaben aber völlig normal und hat nichts mit körperlichen Defiziten durch die unerwartete spielfreie Zeit zu tun. „Im Durchschnitt sind wir nach der Corona-Pause auf nahezu identische Werte gekommen wie vor der Pause“, sagt Athletiktrainer Ruwen Faller. „Durch die wiederkehrende Spielbelastung haben sich die Lauf- und Sprintwerte wieder zügig angeglichen.“

Trotzdem sind die Spieler froh, dass sie nach dem Saisonfinale gegen den FC Augsburg am Samstag endlich für ein paar Wochen die Füße hochlegen können. „Jeder“, sagt Coach Julian Nagelsmann, „geht so ein bisschen auf dem Zahnfleisch.“