24. Januar 2022 / 16:21 Uhr

Keine Angebote für Weghorst: Das verwundert sogar Wolfsburgs Manager

Keine Angebote für Weghorst: Das verwundert sogar Wolfsburgs Manager

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Das bisher letzte VfL-Tor: Wout Weghorst traf am 15. Spieltag beim 2:3 gegen Köln - seitdem herrscht bei ihm und seinem Team Flaute.
Das bisher letzte VfL-Tor: Wout Weghorst traf am 15. Spieltag beim 2:3 gegen Köln - seitdem herrscht bei ihm und seinem Team Flaute. © Boris Baschin / Imago Images
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Vier Spiele ohne Treffer für den VfL Wolfsburg - das heißt auch für Wout Weghorst vier Spiele ohne Tor und ohne Torvorlage. Dass der Stürmer den Verein verlassen will, ist kein Geheimnis. Dass es dennoch keine Angebote für ihn gibt, wundert auch den Manager.

Wenn's wie beim VfL Wolfsburg sportlich so überhaupt nicht läuft, dann hat es in der Regel viele Ursachen. Dass die Unfähigkeit, Tore zu schießen, besonders beleuchtet wird, liegt in der Natur der Sportart - denn die Torerzielung ist beim Fußball der unmittelbare Sinn allen Tuns. Jede Trainingsgrätsche, jede Konzentrationsübung, jeder Transfer und jeder organisatorische Überbau dient im Grunde nur dem Ziel, den Ball in hinreichend großer Häufigkeit über die Linie zu bringen. Und das tut der VfL gerade nicht - auch, weil er gerade keinen Torjäger hat.

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Seit dem Ausfall von Lukas Nmecha (Knöchelbruch) ist Wout Weghorst auf diese Planstelle ziemlich einsam. Und der Niederländer steckt wie das gesamte Team in der Flaute. Vier Spiele ohne VfL-Treffer gab es zuletzt, das heißt auch für Weghorst vier Spiele ohne Tor und ohne Torvorlage. Eine solche Durststrecke hatte er während der beiden letzten Spielzeiten nie. Aktuell bleibt er damit bei sechs Saisontreffern in der Bundesliga, so wenig wie noch nie zu diesem Saisonzeitpunkt. Im Vorjahr waren es nach 20 Spieltagen 14, am Ende der Spielzeit 20. Sieben Treffer braucht er noch, um Edin Dzeko - mit 66 Treffern erfolgreichster Torschütze der Wolfsburger Bundesliga-Geschichte - einzuholen. Dass er am Ende der Saison geht, ob mit oder ohne Rekord, gilt nach wie vor als wahrscheinlich, auch wenn Jörg Schmadtke auch eine Verlängerung des bis 2023 laufenden Weghorst-Vertrags nicht ausschließen will. Das sei "durchaus möglich", so der Manager, "aber wir würden das nicht in den nächsten acht Tagen tun."

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Dass er eine neue Herausforderung sucht, hat der Stürmer bereits bestätigt - konkrete Angebote für ihn gibt es aber nach wie vor nicht. Was Schmadtke durchaus wundert. "Es ist überraschend, dass das bei einem so ist, der regelmäßig in der Fußball-Bundesliga Tore erzielt und der öffentlich hat verkünden lassen, dass er wechselwillig ist."

Wechselwillig - da unterstellt man nur allzu leicht, dass da jemand nicht mehr mit vollem VfL-Herzen bei der Sache ist. Das sei bei Weghorst, der am Sonntag in Leipzig vor allem durch emsige Defensivarbeit auffiel, nicht zu erkennen, findet Schmadtke, räumt aber ein: "In solchen Phasen wird alles Mögliche herbeigeredet und angeführt. Nach meiner Erfahrung sind die Dinge nie ganz schwarz oder ganz weiß."

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Zu den Grautönen in Sachen Weghorst gehört auch sein ungeklärter Impfstatus. Seit er Ende 2020 den Post einer amerikanischen Impfgegnerin und Verschwörungstheoretikerin teilte, wird angenommen, dass er ungeimpft ist - auch wenn das weder er noch der Verein bestätigen. Weil er sich im Oktober selbst mit Corona infizierte, gilt er aktuell als genesen, allerdings nur noch für wenige Wochen. Das bringt zum einen Reiseprobleme mit sich (auch zu den VfL-Spielen), zum anderen ist unklar, welche Klubs in welchen Ländern ungeimpfte Spieler im Sommer verpflichten wollen und dürfen.

Bis dahin wird der VfL seine Tore brauchen - auch weil der Rückkehr-Zeitpunkt von Lukas Nmecha ungewiss ist und andere Offensivspieler wie Luca Waldschmidt, Dodi Lukebakio oder Maximillian Philipp nicht den Eindruck erwecken, als würden sie die Torflaute beheben können. Immerhin: Im Gegensatz zum Rückrunden-Auftakt in Bochum kam der VfL gegen Hertha und in Leipzig zu Torchancen - bleibt aber das Team mit der schlechtesten Chancenverwertung und ist gleichauf mit dem nächsten Gegner Fürth das torärmste Team der Liga. "Wir hatten jetzt zwei Spiele, nach denen wir nicht darüber reden mussten, dass wir keine Chancen hatten - sondern darüber, das wir das Ding über die Linie drücken müssen", so Trainer Florian Kohfeldt. "Das hat viel damit zu tun, in welcher Situation wir sind." Er sei sich "absolut sicher", dass sein Team die Tor-Wahrscheinlichkeit gegen Fürth "weiter erhöhen" werde - "und dann drücken wir das Ding drüber und wir werden dieses Spiel gewinnen."

Waldschmidt, der am Sonntag angeschlagen ausgewechselt werden musste, kann dann wohl dabei sein. Der Offensivmann hatte einen Schlag abbekommen und war zur Pause in der Kabine geblieben. Eine endgültige Diagnose soll es zwar erst am Dienstag geben, aber Schmadtke gab schon einmal leichte Entwarnung: "Es macht den Anschein, dass es nicht schlimmerer Natur ist."

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