18. Juni 2020 / 15:40 Uhr

Keine Champions League mit RB Leipzig: "Die Seite Werner hat so entschieden"

Keine Champions League mit RB Leipzig: "Die Seite Werner hat so entschieden"

Thomas Fritz
Leipziger Volkszeitung
Besonders groß ist die Begeisterung bei RB-Sportdirektor Markus Krösche aktuell nicht.
Besonders groß ist die Begeisterung bei RB-Sportdirektor Markus Krösche aktuell nicht. © Getty Images
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Nach vier Jahren geht eine Ära bei RB Leipzig zu Ende. Timo Werner, der Rekordtorschütze des Bundesligadritten, geht zum FC Chelsea in die Premier League. Sportdirektor Markus Krösche sprach nach der Verkündung des Wechsels über Gründe, Härten und Folgen des Transfers.

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Leipzig. Der Wechsel von RB-Stürmerstar Timo Werner zum FC Chelsea ist perfekt. Der 24-Jährige steht ab 1. Juli beim aktuell Vierten der Premier League unter Vertrag. RB Leipzigs Sportdirektor Markus Krösche hat die Hintergründe und Auswirkungen des Deals in einer virtuellen Pressekonferenz mit Medienvertretern am Donnerstag erläutert.

Krösche ließ zunächst keinen Zweifel daran aufkommen, dass der deutsche Nationalspieler in den letzten beiden Bundesligaspielen alles für seinen Noch-Arbeitgeber in die Waagschale werfen wird – so wie mit seinem Tor beim 2:2 gegen Düsseldorf am Mittwochabend. Seine Enttäuschung, dass Werner das Champions-League-Turnier ab 12. August nicht mehr für RB bestreiten will, war ihm allerdings deutlich anzumerken. „Er möchte sich halt mit Chelsea auf die Saison vorbereiten und sich in der neuen Umgebung die Zeit nehmen. Die Seite Werner hat so entschieden. Wir haben das so akzeptiert“, sagte der 39-Jährige mit gedämpfter Stimme. „Die Situation ist so wie sie ist.“

Nichts Konkretes über Werner-Nachfolge

Versuche, den Angreifer von der Teilnahme zu überzeugen, schlugen offenbar fehl. In den Gesprächen zwischen den Klubs spielte das Thema dann keine Rolle mehr. RB hatte sich im März mit einem 3:0-Sieg gegen Tottenham Hotspur in Leipzig erstmals für das Viertelfinale der Königsklasse qualifiziert.

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Mit seiner Meinung, inwiefern der Wechsel vom Bundesliga-Dritten zum Vierten der Premier League einen Karrieresprung bedeutet, hielt sich Krösche zurück. Er wolle das grundsätzlich gar nicht bewerten. „Das ist die Entscheidung von Timo Werner.“ Zwischen den Zeilen war herauszulesen: Der Gang zu einem europäischen Spitzenclub wie dem FC Liverpool wäre für die Verantwortlichen einfacher zu verdauen gewesen. An Spekulationen, ob und welche anderen Vereine sich nach den Diensten des RB-Rekordtorschützen erkundigt haben, wollte sich Krösche nicht beteiligen. Da sei ihm „eigentlich egal“.

Auch in Sachen Werner-Nachfolge hielt sich Krösche bedeckt. Klar ist: „Timo ist ein Spieler, bei dem es schwer ist, ihn eins zu eins zu ersetzen.“ RB sondiert auf dem Markt alle finanzierbaren Optionen.

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Platz 10: Marvin Compper. 3 1/2 Jahre im Trikot der Roten Bullen: Im Januar 2018 wechselt Marvin Compper für 1,14 Mio. € (laut tm.de) zu Celtic Glasgow. Mittlerweile spielt er wieder in Deutschland: In Liga 3 beim MSV Duisburg. ©

Werner-Einnahmen können nicht komplett reinvestiert werden

Schließlich stand die Frage im Raum, welche Auswirkungen der Transfer auf die weitere Kaderplanung bei RB hat, etwa bei den auslaufenden Leihverträgen von Angelino (Manchester City) und Patrik Schick (AS Rom). RB will beide kaufen, nur nicht für die ursprünglich vereinbarte Kaufoption von jeweils 30 Millionen Euro. Die Verhandlungsposition habe sich überhaupt nicht verändert, stellte Krösche dar. Der Grund: „Wir können nicht die ganzen Einnahmen investieren.“

RB muss aufgrund der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie und der enormen Transferdefizite in den vergangenen Jahren gut haushalten. Das Verpassen der Champions-League-Qualifikation – nach dem bitteren 2:2 gegen Düsseldorf ist dieses Szenario möglich – wäre für den Club ein schwerer Schlag. „Wir werden das Ziel Champions League erreichen“, sagte Krösche fast beschwörend. Mit Innenverteidiger Dayot Upamecano, dem nächsten Wechselkandidaten, befindet sich RB derzeit in Gesprächen. Eine Vertragsverlängerung scheint weiter im Bereich des Möglichen.