19. Januar 2022 / 18:07 Uhr

Keine Erfolgsstory: Hans-Jürgen „Dixie“ Dörners Zeit beim VfB Leipzig

Keine Erfolgsstory: Hans-Jürgen „Dixie“ Dörners Zeit beim VfB Leipzig

Frank Schober und Anton Kämpf
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Dixie Dörner mit Franz Beckenbauer uvor der WM 2006 in Leipzig (li.) und mit VfB-Kapitän Jörn Lenz (re.).
Dixie Dörner mit Franz Beckenbauer uvor der WM 2006 in Leipzig (li.) und mit VfB-Kapitän Jörn Lenz (re.). © K.-Dieter Gloger
Anzeige

Oft wurde er als „Beckenbauer des Ostens“ bezeichnet. Über den Vergleich andersrum hätte er sich aber auch gefreut, wie er 2008 auf der Leipziger Buchmesse verriet. In der Nacht zum Mittwoch ist „Dixie“ Dörner im Alter von 70 Jahren verstorben. Wir blicken auf seine Zeit als Trainer des VfB zurück.

Leipzig. Als Präsident Reinhard Bauernschmidt im Juli 2001 Trainer Achim Steffens feuerte und stattdessen Hans-Jürgen Dörner zum VfB Leipzig holte, hagelte es Protest seitens der Fans, stapelten sich schon bald die Beschwerdebriefe auf dem Schreibtisch des VfB-Chefs. „Dixie“ Dörner war 21 Monate Chefcoach in Probstheida. Er sollte den ehemaligen Bundesligisten von der vierten in die dritte Liga führen – dieses Unterfangen scheiterte. Dörner erlebte keine erfolgreiche Zeit in Leipzig.

Anzeige

Unfreundlicher Empfang in Probstheida

Im ersten Jahr wurde es Platz vier hinter Dynamo Dresden, dem VFC Plauen und Carl Zeiss Jena – der VfB landete einen Platz sowie drei Zähler vor dem FC Sachsen Leipzig. Ein Jahr später wurde Dörner im März 2003 nach einem 5:1-Sieg gegen den VfB Chemnitz entlassen – die Trennung stand vorher fest. Für ihn übernahm Detlef Schößler. Am Ende stand wieder nur Rang vier zu Buche, während der FC Sachsen aufstieg.

DURCHKLICKEN: Sie trainierten die Probstheidaer von 1991 bis heute

Jürgen Sundermann - 28. Mai 1991 bis 30. Juni 1993 Zur Galerie
Jürgen Sundermann - 28. Mai 1991 bis 30. Juni 1993 ©

Dörner hatte von Anfang an keinen leichten Stand in Probstheida. Beim Heimspiel im November 2001 gegen Riesa hielten VfB-Anhänger ein Spruchband „Willkommen in der Hölle, Dörner“ in der Hand. Kurz vorher hatte seine Elf im Derby gegen den FC Sachsen und Trainer Jürgen Raab 1:1 gespielt, es folgten für den gebürtigen Görlitzer noch ein 1:0-Sieg und eine 0:1-Niederlage gegen den Erzrivalen aus Leutzsch.

Warum eigentlich nicht „Dörner des Westens“?

Bauernschmidt lobte Dörner nach dessen Entlassung, junge Spieler integriert zu haben. Eine entscheidende Rolle spielte die Dynamo-Legende für die Karriere von Nicky Adler, den er 2003 in den Herrenkader beförderte. „Dixie Dörner war etwas sehr Besonderes für mich, zumal es in einer Zeit geschah, in der so etwas nicht normal war. Er gab mir die große Chance, eine Fußballkarriere zu starten“, erinnert sich der blonde Stürmer, der später in der ersten und zweiten Liga über 200 Pflichtspiele bestritt. Sein Debüt gab er 17-Jährig gegen Dresden 06, drei weitere Einsätze folgten, ehe Dörner seinen Platz räumen musste. „Ich habe damals die Welt nicht verstanden“, so Adler. Engen Kontakt zu Dörner hatte er damals und auch später nicht. „Er hat wenig mit mir gesprochen, aber die Tatsache, dass ich dabei sein durfte, war für mich mehr Anerkennung als alles andere“, so Adler, der am Mittwoch trauerte: „Für den Fußball und alle, die ihn verfolgen, ist es ein trauriger Tag.“

Mehr zum Fußball

Wie war das noch mit der Bezeichnung „Beckenbauer des Ostens“? War er stolz auf den Vergleich? Auf der Leipziger Buchmesse 2008 sagte Dörner als Gast der LVZ-Autorenarena, dass ihn der Vergleich „am Anfang gefreut habe“. Im Lauf der Jahre hätte er nichts dagegen gehabt, wenn man Beckenbauer als den „Dörner des Westens“ bezeichnen würde. Doch den Satz hat „Kaiser Franz“ nie zu hören bekommen.