15. Januar 2022 / 19:05 Uhr

Keine Freude in Wolfsburg über einen Punkt: "Uns helfen nur Siege!"

Keine Freude in Wolfsburg über einen Punkt: "Uns helfen nur Siege!"

Andreas Pahlmann und Engelbert Hensel
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Zu wenig: Bei Florian Kohfeldt und dem VfL Wolfsburg sorgte das Ende der Niederlagen-Serie nicht für Freude.
Zu wenig: Bei Florian Kohfeldt und dem VfL Wolfsburg sorgte das Ende der Niederlagen-Serie nicht für Freude. © Boris Baschin / dpa
Anzeige

0:0 gegen Hertha BSC - nach zuvor acht Pflichtspiel-Pleiten in Folge hat der VfL Wolfsburg endlich mal wieder ein Spiel nicht verloren. Richtig freuen kann sich darüber aber keiner. Zu groß ist der Bedarf nach Siegen. Und in der Tabelle kann es weiter nach unten gehen.

So unentschieden wie das Spiel war auch die Stimmung. Was soll der VfL Wolfsburg nun anfangen mit diesem 0:0 gegen Hertha, dem ersten nicht verlorenen Spiel seit Mitte November? Die Serie von zuvor acht Pflichtspielpleiten nacheinander gestoppt zu haben, macht allein nicht glücklich. "Ich bin ein bisschen enttäuscht, dass wir nur einen Punkt haben. Da war definitiv mehr drin", fasste es Maximilian Arnold nach dem Abpfiff zusammen.

Anzeige

Er selbst hatte eine der beiden Top-Chancen eingeleitet, die der Partie eine ganz andere Richtung hätten geben können. Aber Luca Waldschmidt und Wout Weghorst vergaben jeweils kläglich und zeigten, dass sich der VfL nach seiner Talfahrt viele Selbstverständlichkeiten wieder erarbeiten muss. "Wir hätten auf jeden Fall ein Tor verdient gehabt - sowohl von der Art und Weise, wie wir gespielt haben, als auch von der Mentalität in dieser schwierigen Situation", so Kapitän Koen Casteels. "Das Gefühl ist: Es war viel, viel mehr drin. Wir hätten dieses Spiel gewinnen müssen."

Dass es nicht klappte, lag auch am Leistungsabfall nach der Pause. Gegen eine biedere aber zunehmend besser organisierte Hertha gab es nur noch wenige zwingende Offensivaktionen - am Ende war zu spüren, dass die Angst vor einer weiteren Niederlage größer war als die unbedingte Lust auf das entscheidende Tor. Und so taugt dieser eine Zähler (noch) nicht als Signal zur Trendwende - dazu ist der Bedarf nach Siegen zu groß. Casteels: "Nach den Spielen, die wir in den letzten Monaten abgeliefert haben, hilft uns dieser Punkt nicht weiter."

Und so bleibt dem VfL nichts anderes übrig, als sich an den Dingen festzukrallen, die zumindest phasenweise ein bisschen besser waren als in den Partien zuvor. Ein Fortschritt sei es "auf jeden Fall" gewesen, befand Arnold, man sei "einen Schritt in die richtige Richtung gegangen, das stimmt positiv." Aber auch er musste eine wichtige Einschränkung machen: "In unserer Situation helfen uns eigentlich nur Siege."

Anzeige

Der Blick auf die Tabelle zeigt, dass der eine Punkt tatsächlich kein Anlass zur Freude ist. Wolfsburg bleibt bestenfalls 14., kann aber am Sonntag noch von Augsburg (spielt gegen Frankfurt) verdrängt werden und wäre dann - falls auch Bielefeld (gegen Fürth) gewinnt - nur noch einen Punkt und einen Platz vom Relegationsrang 16 entfernt. Keine gute Ausgangsposition für das Spiel am kommenden Sonntag in Leipzig, bei dem auch noch Renato Steffen gelbgesperrt fehlen wird.

VfL Wolfsburg gegen Hertha BSC: Die Bilder

Berlins-Sportdirektor und Ex-VfL-Profi Arne Friedrich (l) und Wolfsburgs Geschäftsführer Jörg Schmadtke vor dem Spiel zusammen. Zur Galerie
Berlins-Sportdirektor und Ex-VfL-Profi Arne Friedrich (l) und Wolfsburgs Geschäftsführer Jörg Schmadtke vor dem Spiel zusammen. ©

Der berühmte "Schritt in die richtige Richtung", von dem auch VfL-Sportdirektor Marcel Schäfer sprach, war gegen Hertha tatsächlich zu erkennen - aber es war ein zu kurzer Schritt. "Wir haben zu Null gespielt, hatten einige gute Offensivaktionen, aber unsere Chancen leider nicht genutzt." Gefehlt habe vor allem "dieses Erfolgserlebnis, dass dafür sorgen kann, dass auch mal während des Spiels die Brust breiter, das Selbstvertrauen größer wird."

Und so ist auch für Trainer Florian Kohfeldt der Druck zwar nicht größer, aber eben auch nicht kleiner geworden. "Er ist sehr motiviert", lobt Keeper Casteels den Coach. "Ich glaube, er ist derjenige, der am meisten an uns Spieler und an die Mannschaft glaubt." Ein Glaube, der für Kohfeldt durchaus gewachsen ist, denn völlig zurecht sprach er von einem "ordentlichen Spiel" seiner Mannschaft, musste aber auch zugeben: "Es war kein Befreiungsschlag." So war es kein Wunder, dass der Frust am Ende dem Trainer deutlich anzusehen war - weil "wir jedes Spiel gewinnen wollen, weil ein Sieg wichtig gewesen und mehr als verdient gewesen wäre." Über den letzten Teil des Satzes kann man wegen des deutlichen Leistungsabfalls nach der Pause streiten, richtig aber bleibt: "Das Chancenverhältnis war klar auf unserer Seite. Keiner der Abschlüsse war verschludert. Vor allem haben wir uns alle Torchancen erspielt. Von daher werden sie über diese Häufung irgendwann wieder reingehen."

Gingen sie aber (noch) nicht - und entsprechend sei auch die Stimmung in der Kabine gewesen - gepaart mit viel Realismus, habe er dort "schon viel Unzufriedenheit" gespürt, so Kohfeldt. Denn: "Es gibt keinen Grund, zu glauben: Es wird wieder. Wir müssen die Zügel extrem scharf in der Hand behalten."

<b>Koen Casteels: </b> Da, wenn er gebraucht wurde - wurde jedoch selten gebraucht. Note: 3 Zur Galerie
Koen Casteels: Da, wenn er gebraucht wurde - wurde jedoch selten gebraucht. Note: 3 ©

Für Aufregung hatten in dem Spiel ohne Tore zwei Schiedsrichter-Entscheidungen gesorgt. In einem Zweikampf mit Jordan Torunarigha war Steffen im Strafraum zu Fall gekommen - der Pfiff blieb wohl auch deshalb aus, weil Steffen sein linkes Bein raustellte und zu sehr auf den Pfiff spekuliert hatte. Aber: Weil Torunarigha den Ball nicht traf, wäre ein Elfmeter drin gewesen. "Für mich war das eine klare Elfmeter-Situation", so Kohfeldt. "Ich hätte aber wohl auch das Tor für Hertha gegeben. Von daher gleicht sich das aus." Was er meinte: Kurz vor der Pause hatte der VfL dann Glück, als Schiri Robert Hartmann ein Tor von Niklas Stark nicht anerkannte, da er einen leichten Schubser von Jürgen Ekkelenkamp gegen Jerome Roussillon gesehen hatte. "Unglaublich, dass das ein Foul gewesen sein soll", so Ekkelenkamp.

[Anzeige] Kein Bundesliga-Spiel verpassen: Checke hier die aktuellen Streaming-Angebote von WOW/Sky und DAZN.