30. Oktober 2018 / 20:21 Uhr

Keine grün-weiße Sensation: Chemie Leipzig unterliegt Favorit Paderborn

Keine grün-weiße Sensation: Chemie Leipzig unterliegt Favorit Paderborn

Antje Henselin-Rudolph
Feuerwerk hinter dem Norddamm beim Spiel BSG Chemie Leipzig vs SC Paderborn 07, Fussball, DFB-Pokal, 30.10.2018

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Stimmungsvolle Choreographie auf und hinter dem Norddamm vor Beginn der Partie. © Christian Modla
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Am Ende war der Zweitligist dann doch ein oder zwei Nummern zu groß. Die BSG Chemie Leipzig musste gegen den SC Paderborn eine deutliche 0:3-Niederlage (0:2) einstecken. Im ausverkauften Alfred-Kunze-Sportpark machte sich die größere individuelle Klasse der Gäste schnell bemerkbar. Die dezimierten sich zudem selbst.

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Leipzig. "Ein Zweitligist muss einen Fünftligisten auch schlagen, ohne ihn vorher zu beobachten", frotzelte Dietmar Demuth, Trainer der BSG Chemie Leipzig, im Vorfeld des großen DFB-Pokalabends gegen den SC Paderborn. Dessen Coach Steffen Baumgart hatte sich die Grün-Weißen im Vorfeld zweimal höchstpersönlich angeguckt und offenbar die richtigen Schlüsse gezogen. Denn sein SCP trat am Dienstagabend in Leutzsch zwar nicht wie der große Dominator auf, ließ den Gastgebern aber am Ende keine Chance. 0:3 (0:2) hieß es nach 90 Minuten.

Druschky legt vor

Erst einmal Feuerwerk, das war das Motto der Chemie-Fans. Die eröffneten die Partie nicht nur mit einer grün-silber-weißen Choreo und einigen handverlesenen Bengalos in Grün und Rot. Nein. Silvester wurde einfach vorgezogen, Raketen erleuchteten den Himmel über dem Alfred-Kunze-Sportpark zusätzlich zum 100.000 Euro teuren mobilen Flutlicht. Eine Rechnung vom DFB für diesen Teil der stimmungsvollen Aktion vor dem Anpfiff müssen die Hausherren wahrscheinlich nicht fürchten. Denn die Feuerwerkskörper wurden außerhalb des Stadiongeländes gezündet.

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Schade Chemie Leipzig ! Es hat nicht sollen sein: das Team von Trainer Dietmar Demuth verlor die DFB-Pokalpartie gegen Zweitligist SC Paderborn mit 0:3. Zur Galerie
Schade Chemie Leipzig ! Es hat nicht sollen sein: das Team von Trainer Dietmar Demuth verlor die DFB-Pokalpartie gegen Zweitligist SC Paderborn mit 0:3. ©
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Einen echten Raketenstart legten dann auch die Kicker des Fünftligisten hin. Kai Druschky, Siegtorschütze im Erstrunden-Spiel gegen Regensburg, stürmte vom Anpfiff weg unbeirrt über links auf das Tor von Paderborns Michael Rataiczak zu und zog einfach mal ab. Doch der Ball strich am langen Eck vorbei. Da waren neun Sekunden gespielt.

Dass sich dieser Auftakt nicht würde durchhalten lassen, war auch den größten Optimisten klar. Während die Fans auf dem Norddamm unentwegt das chemische Gesangsrepertoire zu Gehör brachten und jeden Schiedsrichterpfiff gegen die BSG ihrerseits mit gellenden Pfiffen quittierten, übernahmen die Gäste aus Paderborn allmählich die Spielkontrolle. Schnell erarbeiteten sie sich eine deutliche Feldüberlegenheit. Doch die Gastgeber agierten clever, verteidigten aufmerksam, versuchten nah dran zu bleiben an den individuell sichtbar überlegenen Zweitliga-Kickern.

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(31) Julien Latendresse-Levesque: Der Kanadier und Ex-Lok-Keeper steht im kanariengelben Trikot seinen Mann, sieht nur vorm 0:1 nicht ganz so glücklich aus. Note 3 Zur Galerie
(31) Julien Latendresse-Levesque: Der Kanadier und Ex-Lok-Keeper steht im kanariengelben Trikot seinen Mann, sieht nur vorm 0:1 nicht ganz so glücklich aus. Note 3 ©

Entscheidende Standards

Diese individuelle Klasse war es dann auch, die sich bei Standards schmerzlich bemerkbar machte. In der 18. Minute knallte Babacar Gueye den Ball nach unübersichtlicher Wurschtelei im Strafraum zunächst ans Außennetz. Die fällige Ecke klärte Chemie-Keeper Julien Latendresse-Levesque zu kurz direkt auf einen Gegenspieler. Dessen Schuss prallte vom Pfosten direkt vor die Füße von Gueye, der seine zweite Chance nutzte - 0:1.

Dabei blieb es nicht. In der 28. Minute trat Philipp Klement eine Ecke genau auf den Kopf des langen Paderborner Abwehrchefs Uwe Hünemeier, der völlig unbedrängt zum 0:2 einnetzte. Für einen kurzen Moment wurde es etwas stiller im mit 4999 Zuschauern natürlich ausverkauften Rund. War das schon das Ende des Pokaltraums? Jetzt wurde sie gebraucht, diese berühmte chemische Mischung aus Emotion, Kampfgeist, Nie-Aufgeben. Das Zeichen setzte Andy Wendschuch, der kurz vor der Pause auf Höhe der Mittellinie Christopher Antwi-Adjei rustikal ummähte. Unmittelbar bildete sich eines dieser berühmten „Rudel“. Es wurde geschubst, gebrüllt, reklamiert. Schiri Christian Dietz zückte die gelbe Karte: Wendschuch selbst, Benjamin Schmidt und Paderborns Gjasula wurden verwarnt. Dann durften sich alle erst einmal in den Kabinen abkühlen.

DURCHKLICKEN: Die Stimmen zum Spiel

Benjamin Schmidt (BSG Chemie): Die ersten beiden Tore waren absolut zu verhindern. Danach ist es brutal schwer gegen Paderborn, die technisch überragend sind. Danach war es schwer noch an einen Sieg zu glauben. Wenn wir mutiger sind, können wir die eine oder andere Situation nach vorn auch besser ausspielen. Zur Galerie
Benjamin Schmidt (BSG Chemie): "Die ersten beiden Tore waren absolut zu verhindern. Danach ist es brutal schwer gegen Paderborn, die technisch überragend sind. Danach war es schwer noch an einen Sieg zu glauben. Wenn wir mutiger sind, können wir die eine oder andere Situation nach vorn auch besser ausspielen." ©

Rot für Wendt

Der Zweitligist kam deutlich aktiver und mit mehr Zug zum Tor als noch in Halbzeit eins zurück auf den Platz. Offenbar hatte Coach Steffen Baumgart seinen Jungs trotz der ungefährdeten Führung eine deutliche Ansage gemacht. Die Chemiker zeigten sich dagegen von ihrer robusten Seite. Wendt entschied sich in der 55. Minute gegen den davoneilenden Bernard Tekpetey für die Grätsche von hinten. Dem Unparteiischen blieb nur die rote Karte. Da half auch alles Reklamieren und Lamentieren nichts. Drei Minuten später traf der bereits verwarnte Wendschuch seinen Gegner am Hals. Keine gelb-rote Karte, auch wenn der SCP noch so sehr protestierte. Es war Feuer drin, und zwar so sehr, dass sich Schiri Dietz auf den Weg zu BSG-Coach Dietmar Demuth machen musste. Der schrie, gestikulierte, meckerte - und nahm schließlich einen tiefen Zug aus der Wasserflasche.

Die selbstverschuldet dezimierten Hausherren gerieten nun noch deutlicher in Bedrängnis. Die Folge: das 0:3. Tekpetey flankte mustergültig auf Gueye und schon zappelte der Ball erneut im grün-weißen Netz (58.). Aus der Traum.

Für die Chemie-Fans war das natürlich kein Grund, ihren Support einzustellen. Im Gegenteil. Der permanente Gesang wurde nun lauter, das Klatschen stärker. Partyatmosphäre im Stadion. Die klare Botschaft: Ihr steht nicht allein, nicht heute, nicht morgen, niemals wenn im Alfred-Kunze-Sportpark der Ball rollt. Spielerische Highlights gab es nicht mehr in allzu üppiger Zahl. Der Abpfiff beendete die Partie und die Pokalreise der BSG Chemie. Die geht für Paderborn im Achtelfinale weiter.

Die Statistik zum Spiel:

BSG Chemie: Latendresse-Levesque - Karau, B. Schmidt, Wajer - Bury, Böttger, Heinze (74. F. Schmidt), L. Schmidt, Wendschuch (80. Trogrlic), Wendt - Druschky (74. Keßler).

Paderborn: Rataiczak - Hünemeier, Schonlau, Dräger, Collins - Gjasula, Klement (61. Zolinski), Antwi-Adjei, Vasiliadis - Gueye (74. Düker), Tekpetey (79. Ritter).

Tore: 0:1 Gueye (18.); 0:2 Hünemeier (28.); 0:3 Gueye (58.).

Verwarnungen: BSG Chemie: B. Schmidt, Wendschuch, Wajer. SC Paderborn: Hünemeier, Gjasula, Dräger, Gueye.

Rote Karte: BSG Chemie: Wendt. SC Paderborn: keine.

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