08. Januar 2021 / 16:45 Uhr

Keine Jugend, kein Aufstieg – Germania Bleckenstedt will das ändern

Keine Jugend, kein Aufstieg – Germania Bleckenstedt will das ändern

Matthias Preß
Peiner Allgemeine Zeitung
Der FC Germania Bleckenstedt hofft auf den Aufstieg. Der Verein feiert im Sommer sein 100-jähriges Bestehen.
Der FC Germania Bleckenstedt hofft auf den Aufstieg. Der Verein feiert im Sommer sein 100-jähriges Bestehen. © Foto: Lea Rebuschat
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Die TSG Mörse durfte nicht in die Herren-Landesliga aufsteigen, weil ihr der Jugend-Unterbau fehlt. Fußball-Bezirksligist Germania Bleckenstedt fürchtet, dasselbe zu erleiden und strebt deshalb eine Änderung in der Spielordnung an. Das wird von Peinern allerdings kritisch gesehen.

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Mörse war vergangene Saison der gelackmeierte Verein. Die Fußball-Verantwortlichen von Germania Bleckenstedt wollen jetzt verhindern, dass es ihnen diese Saison genauso ergeht. Deswegen stellen sie beim Verbandstag des Fußball-Landesverbandes Anfang Februar den Antrag, dass auch Vereine ohne eigene Mannschaft bei den A-, B- oder C-Junioren in die Herren-Landesliga aufsteigen dürfen. Über den Sinn der Regelung in den Ausführungsbestimmungen zu §18 der Spielordnung gibt es unter Fußballern gegensätzliche Meinungen.

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Die TSG Mörse war beim Saisonabbruch 2020 nach der Quotientenregelung Meister der Bezirksliga 1, durfte aber nicht aufsteigen, da der nötige Jugend-Unterbau fehlte. Den Einspruch der Mörser hatte das Bezirks-Sportgericht abgewiesen.

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Als eine „veraltete und nicht mehr zeitgemäße Vorgabe“ sieht Germania Bleckenstedt die Regelung an. „Seit Jahren bemühen wir uns um den Aufbau funktionierender Nachwuchsmannschaften, so wie es sie vor langer Zeit bereits bei uns gab“, sagt Vorstandsmitglied und Jugendleiter Thomas Köhler. Der Verein hat aber nur eine D- und eine E-Mannschaft in der Spielgemeinschaft mit den Nachbarorten Hallendorf und Üfingen. „Legt man den demografischen Wandel, die Auswirkungen der Corona-Krise sowie die wachsende Freizeitkonkurrenz und den damit einhergehenden Rückgang von Mannschaften und Spielern zu Grunde, so müssen wir uns eingestehen, dass kleinere Vereine trotz guter Arbeit und starkem ehrenamtlichen Engagement immer geringere Chancen haben, höherklassig zu spielen – trotz sportlicher Qualifikation.“

Die Aufstiegs-Chance könnte in dieser Saison auch der TSV Wendezelle bekommen, obwohl er keine eigene Elfermannschaft bei den A-, B- oder C-Junioren hat. Er hat aber ausreichend Vereinsmitglieder, die in der Jugend-Spielgemeinschaft mit Denstorf, Wedtlenstedt und Bortfeld kicken. „Darüber haben wir uns vor der Saison Gedanken gemacht“, sagt TSV-Trainer Thomas Mainka, der nicht davon ausgeht, dass der Verbandstag eine Änderung dieser Regel für die laufende Saison beschließen wird.

Mainka versteht sowohl die Argumente der Gegner als auch die der Befürworter der Regelung. „Gerade für kleine Dörfer wird es immer schwieriger, eine Jugend aufzubauen. Aber auf der anderen Seite soll verhindert werden, dass sich ’Sonnenkönige’ im Dorf niederlassen, kurzfristig Geld investieren und Spieler zusammenkaufen. So ein Konstrukt steht auf wackligen Beinen und bricht schnell zusammen. Ohne Jugend ist nichts nachhaltig.“

Nils Könnecker, Trainer des Bezirksligisten Arminia Vöhrum, hält den Jugend-Unterbau für elementar: „Sonst kann man die Landesliga nicht stemmen.“ Da Bleckenstedt offenbar einen gewissen finanziellen Rahmen für die Herrenmannschaft habe, müsse die Jugend auch möglich sein.

Die Bleckenstedter verweisen darauf, dass nicht nur ihnen die Jugend wegbricht. 36 der insgesamt 64 Vereine, aufgeteilt in vier Bezirksligen, seien bereits Jugendspielgemeinschaften eingegangen (Stand: Saison 2019/20). „13 dieser 64 Vereine haben keine Mannschaft im A-, B- und C-Bereich. Zehn Vereine haben lediglich eine einzige A-, B- oder C-Jugendmannschaft – eine JSG mit eingeschlossen“, heißt es in der Vereins-Stellungnahme. Aufgrund dieser nicht aufzuhaltenden Entwicklungen sei es dringend erforderlich, die Unterbauregelung zu reformieren oder abzuschaffen.

Mainka sieht das dennoch kritisch: „Auf lange Sicht macht es nur Sinn mit Jugendarbeit.“ Kleine Dörfer seien da im Nachteil. „Irgendwann regelt die Größe des Ortes die Spielklasse mit. Im Kreis Peine haben zum Beispiel Lengede und Vechelde Schulen und beste Rahmenbedingungen.“

Die Bleckenstedter hoffen auf Unterstützung von anderen Vereinen und Kreisen. Der Kreis Nordharz zum Beispiel will den Antrag unterstützen. Der Chef des Peiner Fußball-Kreisverbandes sieht es persönlich etwas anders: „Ambitionierte Vereine sollten daran denken, die Jugendarbeit zu fördern, damit der Nachwuchs erhalten bleibt“, sagt Hans Hermann Buhmann.

Die umstrittene Regelung

In den Ausführungsbestimmungen zu § 18 Absatz 1 der Spielordnung des Fußball-Landesverbandes steht:

(1) Vereine, die eine Herrenmannschaft zur Teilnahme am Pflichtspielbetrieb der Oberliga Niedersachsen oder Landesliga melden, werden für diese Spielklassen nur zugelassen, wenn sie mit mindestens einer weiteren Herrenmannschaft in einer unteren Leistungsklasse und einer Juniorenmannschaft in einer der Altersklassen von den A- bis C-Junioren (11er-Mannschaft) im gesamten abgelaufenen und neuen Spieljahr am Pflichtspielbetrieb teilgenommen haben und teilnehmen werden. An die Stelle einer weiteren Herrenmannschaft kann eine weitere Juniorenmannschaft (11er-Mannschaft) in den genannten Altersklassen treten.

(5) Für Vereine, die mindestens seit zwei Spieljahren Partner einer zugelassenen Juniorenspielgemeinschaft (JSG) sind, gilt die Regelung, dass insgesamt 15 A-, B- oder C-Juniorenspieler als eine anrechnungsfähige Juniorenmannschaft im Sinne von Absatz 1 gelten.