10. Januar 2021 / 21:43 Uhr

Keine Luft als Corona-Folge? Wolfsburgs Schäfer: "Wir gehen mit dem Thema sehr sensibel um"

Keine Luft als Corona-Folge? Wolfsburgs Schäfer: "Wir gehen mit dem Thema sehr sensibel um"

Andreas Pahlmann und Marcel Westermann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Wir gehen mit dem Thema sehr sensibel um: VfL-Sportdirektor Marcel Schäfer über Corona-Folgen, die zur Luftnot bei Marin Pongracic geführt haben könnten.
"Wir gehen mit dem Thema sehr sensibel um": VfL-Sportdirektor Marcel Schäfer über Corona-Folgen, die zur Luftnot bei Marin Pongracic geführt haben könnten. © (c) AFP-Pool
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Der VfL Wolfsburg sorgt sich um Marin Pongracic: Der Innenverteidiger des Fußball-Bundesligisten musste beim 2:2 in Berlin mit Atemproblemen ausgewechselt werden - sind das Folgen seiner Corona-Infektion?

Der VfL auf dem Weg zum Sieg, der VfL in Unterzahl und im Rückstand, der VfL rettet noch einen Punkt: Das 2:2 (1:1) des Wolfsburger Fußball-Bundesligisten am Samstag bei Union Berlin war ein Spiel mit einigen Wendungen. Renato Steffen hatte das erste Tor der Partie erzielt, Wout Weghorst per Handelfmeter das letzte. Dazwischen lagen die Union-Treffer von Sheraldo Becker und Robert Andrich, ein Notbremsen-Rot für Maximilian Arnold und die Frage: Was ist eigentlich mit Marin Pongracic?

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Den Fehlpass, mit dem Pongracic den Union-Treffer zum 1:1 einleitete, könnte man als einen gängigen Verteidiger-Patzer abtun. „Wir hatten die ganze Woche besprochen, dass wir solche Aktionen vermeiden wollen“, so VfL-Trainer Oliver Glasner über das ungenaue Zuspiel im Zentrum der eigenen Hälfte. Bei Pongracic aber lag mehr im Argen, der Kroate offenbarte 45 Minuten lang Konditions- und Konzentrationsprobleme, die seine Wettkampftauglichkeit infrage stellen. „Er hatte schon in der ersten Hälfte große Probleme mit der Luft“, so Glasner, „hatte schon nach 15 Minuten beide Hände auf den Knien. Das kennt man sonst eher aus Verlängerungen. Er ist einfach nicht in einem hundertprozentig fitten Zustand.“

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Die Gründe liegen in Pongracic’ Krankengeschichte. Im vergangenen Jahr fehlte er über zwei Monate wegen Pfeifferschem Drüsenfieber, hatte seine ersten längeren Einsätze danach in der kroatischen Nationalmannschaft und brachte von dort eine Covid-Infektion mit. Mitte Dezember durfte er dann wieder im VfL-Trikot ran, stand seit dem 1:2 bei den Bayern immer in der Startelf. Dass ein vernünftiger Aufbau nach längerer Pause anders aussieht, hatte Glasner schon vor dem Union-Spiel betont.

Vor allem die Folgen von Covid-Infektionen sind offenbar nach wie vor schwer absehbar. Das zeigt auch ein zweiter Fall im VfL-Kader: Maxence Lacroix stand nach seiner Corona-Pause beim Spiel in Dortmund in der Schlussviertelstunde auf dem Platz, ein paar Tage später zogen ihn die VfL-Ärzte doch wieder aus dem Verkehr – auch darum musste Pongracic am Samstag in Berlin ran. Glasner: „Wir alle wissen nicht, wie sich die Corona-Infektion in Monaten auswirkt.“ Auf die aktuelle Situation bezogen heißt das: Ein Spieler mag zwar wieder gesund und Covid-frei sein, tauglich für Leistungssport ist er deshalb aber möglicherweise noch nicht. Und mögliche Langzeitfolgen sind unerforscht.

„Wir gehen mit dem Thema sehr sensibel um“, versichert VfL-Sportdirektor Marcel Schäfer – und verweist im Fall Pongracic auf die Vorbelastung durch das Drüsenfieber: „Marin war drei Monate nicht da, das wird oft vergessen.“ Dass er trotz seiner Einsätze noch nicht bei 100 Prozent ist, war auch am Samstag bei Union sichtbar. Und dass es dann schon rein sportlich ein Fehler war, ihn überhaupt aufzustellen, liegt nahe. Wichtiger aber: „Wir gehen diesen Dingen konsequent nach, die Gesundheit der Spieler steht über allem“, so Schäfer.

Deswegen wird beispielsweise auch Jerome Roussillon, der seine Corona-Infektion überstanden hat, am Montag noch einmal komplett durchgecheckt, ehe er wieder voll in den Trainingsbetrieb einsteigen darf. Ersatzkeeper Pavao Pervan, in der vergangenen Woche nach Corona-Pause wieder im Training, gehörte am Samstag sicherheitshalber noch nicht zum Kader: „Es gibt hier einfach noch zu wenig Erfahrungswerte. Wir nehmen das Thema sehr ernst und sind hier auch in regelmäßigem Austausch mit unseren Ärzten, aber auch mit den Medizinern der DFL und des DFB, um weitere Erkenntnisse zu bekommen.“


Der VfL gehört zu den am meisten von Covid-Fällen betroffenen Bundesliga-Klubs. Neben Pongracic, Lacroix, Roussillon und Pervan musste auch bereits Maximilian Arnold, William, Kevin Mbabu, Renato Steffen und Josip Brekalo wegen einer Infektion pausieren.