20. November 2021 / 19:52 Uhr

Keine Punkte für Hansa gegen Aue nach VAR-Entscheidung

Keine Punkte für Hansa gegen Aue nach VAR-Entscheidung

Sebastian Lindner
Ostsee-Zeitung
Kevin Schumacher hebt den Ball über Aues Keeper Martin Männel hinweg zum vermeintlichen 2:1 in die Maschen, wird dann aber wegen Abseits vom VAR zurückgepfiffen.
Kevin Schumacher hebt den Ball über Aues Keeper Martin Männel hinweg zum vermeintlichen 2:1 in die Maschen, wird dann aber wegen Abseits vom VAR zurückgepfiffen. © Lutz Bongarts
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Die 39. Minute dürfte entscheidend gewesen sein. Statt durch einen Doppelschlag in Führung zu gehen, wurde das vermeintliche 2:1 durch Kevin Schumacher zurückgenommen. Die Stimmen zum Spiel.

Es waren nur Zentimeter, die Kevin Schumacher und Hansa Rostock am Samstag in der 39. Minute fehlten. Dem Spieler für sein erstes Tor in der 2. Bundesliga, dem Team für den Treffer, der womöglich die Weichen zum dritten Sieg in der Liga in Serie gestellt hätte. Doch das vermeintliche 2:1, das Schumacher mit einem Heber über Gäste-Keeper Martin Männel nach feinem Pass von Simon Rhein erzielt hatte, wurde durch Videoschiedsrichter Pascal Müller kassiert, weil der Schütze mit dem Kopf ganz knapp im Abseits war. Und so verlor Hansa eben doch noch 1:2 (1:1) im Ostseestadion gegen Erzgebirge Aue.

„Wenn der VAR so auf den Millimeter hinschaut, ist das in dem Fall Scheiße“, sagte Schumacher im Anschluss an die Partie, der nach seiner starken Szene bereits zum Jubeln abgedreht war, ehe das Tor zwei Minuten später zurückgenommen wurde. Auch kurz zuvor stand Schumacher bereits im Fokus. Im Laufduell mit Aues John Patrick Strauß ging der 23-Jährige im Strafraum der Sachsen zu Boden, Schiedsrichter Patrick Alt entschied auf Elfmeter. „Ich lege mir den Ball vor, er läuft mir in die Seite rein“ – aus Sicht des Gefoulten war es eine klare Sache. Genauso klar verwandelte John Verhoek mit seinem neunten Saisontor dann auch vom Punkt (37.) zum 1:1.

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Aue geht zweimal in Führung, Hansa kontert nur einmal

Er glich damit die Führung aus, die Nicolas Kühn in der 19. Minute nach Steilpass von Dimitrij Nazarov mit einem Schuss an den rechten Innenpfosten erzielte. Calogero Rizzuto lief zwar neben Kühn her, kam aber nicht in den Zweikampf. Die Auer Führung war zu diesem Zeitpunkt verdient, denn Hansa kam aus dem Spiel heraus eine halbe Stunde lang nicht zu aussichtsreichen Abschlüssen. Allerdings hätte die Kogge schon nach sechs Minuten in Führung liegen können. Hanno Behrens köpfte eine Ecke von Nik Omladic aber nur an den Pfosten.

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Hansa-Trainer Jens Härtel war mit den ersten Minuten seiner Mannschaft nicht zufrieden. „Wir sind nicht so griffig ins Spiel gekommen, waren schläfrig im Gegenpressing“, sagte er. Erst das „ärgerliche Gegentor“ habe seinem Team geholfen, mehr zu investieren. „Danach hatten wir das Spiel klar in der Hand. Der Ausgleich war hochverdient, auch die Führung zur Pause wäre gerecht gewesen“, so der Coach. Abgesehen vom Elfmeter und vom Abseitstor hatte Hansa aber nur eine weitere gute Gelegenheit, als Rizzuto nach einer Omladic-Hereingabe am langen Pfosten aus 15 Metern abzog, der Schuss kurz vor der Torlinie aber noch zur Ecke geblockt wurde (35.).

In der zweiten Halbzeit wirkte Aue zunächst präsenter, doch die beste Chance ging zunächst wieder an Hansa und Schumacher. Nach einem Sprint von der Mittellinie fehlte dem Sommer-Neuzugang aber die Kraft für einen präzisen Abschluss (63.). Und so nutzte Aues Antonio Jonjic kurz darauf einen Fehler der Rostocker Hintermannschaft zur erneuten Führung mit einem Schuss ins lange Eck, an dem Schlussmann Markus Kolke zwar noch dran war, ihn aber nicht entscheidend ablenken konnte (63.). Ausgangspunkt der Aktion war ein Fehlpass von Ex-Veilchen Rizzuto, der zu allem Überfluss dann auch noch das Abseits aufhob. Nur zwei Minuten später verpasste Jan Hochscheidt Aues dritten Treffer und damit die Vorentscheidung nur knapp.

So blieb die Partie offen. Härtel, der zunächst mit der gleichen Startelf wie vor zwei Wochen beim 3:2-Sieg in Regensburg begann, wechselte dann zwar offensiv, doch auch Svante Ingelsson, Haris Duljevic, Streli Mamba und Ridge Munsy brachten den Ball nicht mehr über die Linie. „In den entscheidenden Situationen waren wir im letzten Drittel unsauber“, monierte Härtel, der auch mit der Chancenauswertung nicht ganz zufrieden war.


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Schumacher: „... dann schießen wir das Dritte und dann ist hier Feierabend.“

In der fünfminütigen Nachspielzeit bekam Hansa noch mehrere Standards zugesprochen, konnte diese aber nicht mehr nutzen. Weil Keeper Kolke auch zweimal mit nach vorne eilte, hatten die Erzgebirgler ebenso viele Chancen, den Ball im leeren Tor unterzubringen und die Partie zu entscheiden, scheiterten dabei aber teils kläglich.

Und so trauerte am Ende nicht nur Kevin Schumacher der Szene aus der 39. Minute hinterher. „Wenn wir hier 2:1 durch einen Doppelschlag führen, dann wäre es wie in Regensburg gewesen, dann kommen die nicht mehr zurück. Dann schießen wir wahrscheinlich das Dritte und dann ist hier Feierabend.“

Aber es kam anders. Während die Veilchen am 14. Spieltag mit dem dritten Sieg aus den letzten vier Spielen den Sprung aus der Abstiegszone schafften, steht Hansa mit 17 Punkten weiter im Mittelfeld.