31. Juli 2020 / 17:47 Uhr

Verzicht auf Rechtsmittel: Dynamo Dresden gibt im Kampf mit DFL klein bei

Verzicht auf Rechtsmittel: Dynamo Dresden gibt im Kampf mit DFL klein bei

Stefan Schramm
Dresdner Neueste Nachrichten
Die Würfel sind gefallen: Dynamo Dresden wehrt sich nicht mehr gegen den Abstieg in die 3. Liga.
Die Würfel sind gefallen: Dynamo Dresden wehrt sich nicht mehr gegen den Abstieg in die 3. Liga. © imago images/Steffen Kuttner
Anzeige

Eine jahrelange juristische Auseinandersetzung drohte, noch dazu mit geringen Erfolgsaussichten. Nun will sich der Verein auf die 3. Liga konzentrieren.

Anzeige
Anzeige

Dresden. Es wäre schon ein richtig großes Fass gewesen, das Dynamo Dresden geöffnet hätte. Nach dem Abstieg aus der 2. Fußball-Bundesliga vor einem Monat erwogen die Schwarz-Gelben, gegen die Deutsche Fußball-Liga (DFL) zu klagen, da sie der Sportgemeinschaft aus Vereinssicht wegen der Corona-Krise einen Wettbewerbsnachteil aufgebürdet habe. Das ist nun aber vom Tisch. Am Freitagabend teilte die SGD mit, auf Rechtsmittel zu verzichten.

Mehr vom SPORTBUZZER

„Im Prozess der Risikoabwägung mussten wir feststellen, dass etwaige Konsequenzen nicht bis ins Detail vorhersehbar sind. Wir hätten uns mit allen Folgen darauf einstellen müssen, dass wir auf eine jahrelange juristische Auseinandersetzung mit sehr geringen Aussichten auf Erfolg zusteuern. Eine solch kostenintensive Ablenkung von unserem Kerngeschäft, bei der sehr viele Ressourcen gebunden werden würden, kann nicht im Interesse unseres Vereins sein“, begründete Dynamo Dresdens Aufsichtsratsvorsitzender Jens Heinig den Entschluss.

DURCHKLICKEN: Dynamos Zu- und Abgänge im Sommer 2020

Der Kader von Dynamo Dresden bleibt (natürlich) nicht unverändert. Folgende Zugänge zur Saison 2020/21 stehen bereits fest. Zur Galerie
Der Kader von Dynamo Dresden bleibt (natürlich) nicht unverändert. Folgende Zugänge zur Saison 2020/21 stehen bereits fest. ©

Bereits am Mittwochabend hatte Präsident Holger Scholze die Gremienvertreter des Vereins zu einer Versammlung gerufen, um gemeinsam über das weitere Vorgehen zu beraten. Nach intensiver juristischer Beratung habe sich die Geschäftsführung mit den Mitgliedern des Präsidiums, Aufsichtsrates, Ehrenrates und Jugendrates einstimmig darauf verständigt, das Kriegsbeil mit der Liga zu begraben.

Zuversicht in Dresden

Rückblick: Dynamo musste im Endspurt der Saison 2019/20 nach vier Corona-Fällen innerhalb des Zweitliga-Teams, darunter Stürmer Simon Makienok, als einzige Mannschaft der 2. Bundesliga geschlossen in eine zweiwöchige häusliche Quarantäne. Daraus hätten sich nach der Corona-bedingten Saisonunterbrechung verschiedene benachteiligende Umstände bei der Fortsetzung des Spielbetriebes ergeben. Als einzige Mannschaft hatten die Schützlinge von Cheftrainer Markus Kauczinski einerseits auf einen Großteil der Vorbereitungszeit verzichten müssen. Andererseits traten sie fast durchgehend in einem Drei-Tages-Rhythmus an und hatten dabei neun Spiele in 29 Tagen zu absolvieren.

Mehr zur SGD

„Wir verstehen den emotionalen Impuls eines jeden Menschen, der sich aufgrund seiner Dynamo-Verbundenheit ungerecht behandelt fühlt. Niemand bestreitet zudem ernsthaft den offensichtlichen Wettbewerbsnachteil, unter dem wir nach der Corona-Zwangspause im Zweitliga-Finale im Kampf um den Klassenerhalt als einziges Team sportlich gelitten haben. Aber Recht haben und Recht bekommen sind leider manchmal zwei verschiedene Dinge“, bilanzierte Dynamo Dresdens kaufmännischer Geschäftsführer Michael Born. Die Schwarz-Gelben habe „immer ausgezeichnet, dass der Verein zusammen mit seinen Mitgliedern und Fans, Partnern und Sponsoren das Schicksal selbst in die Hand genommen hat, um gemeinsam eine erfolgreiche Dynamo-Zukunft zu gestalten. Also packen wir es einmal mehr gemeinsam an“, so Born weiter.

„Dinge so akzeptieren, wie sie sind“

Rechtsanwalt Sven Piel von der Hamburger Kanzlei „von appen | jens legal“ habe den Verein in der Sache umfangreich juristisch beraten lassen. Wie Dynamo am Freitag auf seiner Homepage bekannt gab, seien dabei auch verschiedene Szenarien diskutiert worden, wie der Weg einer gerichtlichen Auseinandersetzung aussehen könnte. Dabei sei es nicht nur um die DFB-Sportgerichte gegangen, sondern auch um die ordentliche Gerichtsbarkeit, also den Gang zum Amtsgericht oder folglich sogar in höhere Instanzen. Die Beratung des Fachmanns hat dem Verein offensichtlich gezeigt, dass Aufwand und Ertrag in keinem sinnvollen Verhältnis stehen – und dass Verband und Liga im Zweifel wohl doch am längeren Hebel sitzen.

„Es ist kein Geheimnis, dass wir uns bei diesem Thema sowohl von der Deutschen Fußball-Liga als auch von den anderen Vereinen mehr Solidarität gewünscht hätten. Wir sind nach intensiven Gesprächen aber jetzt an einem Punkt angekommen, wo wir die Dinge so akzeptieren müssen, wie sie sind. Ab sofort gilt unser voller Fokus und ganze Kraft unserer Aufgabe in der 3. Liga“, erklärte Dynamos Sport-Geschäftsführer Ralf Becker. Er hat in den letzten Wochen ein Team zusammengestellt, das die Rückkehr in die 3. Liga auf sportlichem Weg schaffen soll. Am Dienstag ist Trainingsauftakt in der Walter-Fritzsch-Akademie. Scharmützel soll es dann höchstens auf dem Rasen geben und nicht in Gerichtssälen.