05. November 2020 / 12:34 Uhr

Keine Selbstzufriedenheit bei RB Leipzig: „Nach dem Sieg ist noch nichts vorbei"

Keine Selbstzufriedenheit bei RB Leipzig: „Nach dem Sieg ist noch nichts vorbei"

Elena Boshkovska
Leipziger Volkszeitung
Jubel über den Triumph gegen PSG. Die Roten Bullen fliegen zum Rückspiel auf Sieg in die französische Hauptstadt.
Jubel über den Triumph gegen PSG. Die Roten Bullen fliegen zum Rückspiel auf Sieg in die französische Hauptstadt. © Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa
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RB Leipzig hat mit einem 2:1 (1:1) den erhofften Heimsieg im Champions-League-Spiel gegen Paris Saint-Germain geholt. Die Partie fängt für die Roten Bullen aber alles andere als koordiniert an. Nach Ausgleich und Pause drehen die Sachsen dann aber auf, und zwar mächtig.

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Leipzig. Revanche geglückt, aber mehr schlecht als recht. 2:1 (1:1) gewinnt RB Leipzig gegen Paris Saint-Germain, aber zumindest in der Anfangsphase des Champions-League-Spiels gegen PSG sah alles ein bisschen wie ein Autounfall aus – ganz nach dem Motto: schlimm, aber wegschauen kann man auch nicht. Hinten stimmte die Abwehr nicht, vorne lief der Angriff extrem schleppend. Der hochgelobte Star Dayot Upamecano erlaubte sich in der Verteidigung nicht nur einen sondern einige Patzer. Den schlimmsten schon in der sechsten Minute, als Angel Di Maria an ihm vorbeizieht und zur 1:0-Führung der Franzosen einnetzt.

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Di Maria und Kean machen Probleme

„Er ist einfach immer darauf getrimmt, in Situationen, in denen er Bälle gewinnt, nach vorne zu spielen und schnell den Konter einzuleiten“, sagte RB-Trainer Julian Nagelsmann nach dem Abpfiff über seinen Innenverteidiger. Diese Spielweise würde aber nicht immer aufgehen. „Es ist ein Lerneffekt, das zu erkennen.“ Grundsätzlich sei der 22-Jährige auf dem Weg Richtung Weltklasseperformance, weiß der Bullen-Coach. Solche Fehler müsse er dafür aber abstellen. „Das weiß er auch selbst. Er ist sehr selbstkritisch.“

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Ein ganz wichtiger Erfolg für RB Leipzig: Das Team von Trainer Julian Nagelsmann kämpft sich nach einem frühen Rückstand zurück in die Partie und bezwingt Paris St. Germain mit 2:1. Zur Galerie
Ein ganz wichtiger Erfolg für RB Leipzig: Das Team von Trainer Julian Nagelsmann kämpft sich nach einem frühen Rückstand zurück in die Partie und bezwingt Paris St. Germain mit 2:1. ©

Bei PSG sah es dagegen eine ganze Weile so aus, als wären weder Neymar noch Kylian Mbappé (beide waren verletzungsbedingt gar nicht angereist) unabdingbar. Denn Di Maria und Moise Kean reichten zunächst absolut aus, um RB aus dem Konzept zu bringen. Vor allem der Leihspieler von Everton war eine Zeit lang eine Nummer zu schnell für die Verteidigung der Leipziger. Kean wusste sich genau zu positionieren und den eigentlich schnellen Upamecano so einfach hinter sich zu lassen. Glück für die Bullen dass die beiden weiteren PSG-Tore, die aus solchen Situationen entstanden, nicht zählten : Bei beiden Treffern stand der jeweilige Torschütze im Abseits.

Die Truppe von Julian Nagelsmann kam erst allmählich in die Puschen. Im Angriff lief es zur Pause hin nicht schlecht, hinten reduzierten sich die Fehler, alles wirkte nun kooridinierter. Der Lohn: Ausgerechnet der ehemalige Pariser Christopher Nkunku trifft zum Ausgleich für RB.

Doppelter Platzverweis für Paris

Was dann in der Halbzeitpause in der RB-Kabine abging, kann außer den Beteiligten natürlich niemand sagen. Aber von Außen betrachtet schien es so, als habe Julian Nagelsmann in Space-Jam-Manier á la Michael Jordan „Jules geheimes Zeug“ ausgepackt und seinen Kickern einen Zaubertrank verabreicht, der ungeheure Kräfte freisetzt. Denn die zweite Hälfte bestreiten die Hausherren fast schon so, als ginge es um ihr (Über-)Leben. Emil Forsberg, der einen Handelfmeter zur 2:1-Führung und dem schlussendlichen Endstand verwandelte, sagte nach dem Spiel: „Wir wollten heute unbedingt gewinnen. Und, ich glaube, das hat man unserem Spiel angesehen.“

Der kämpferische Geist beider Mannschaften ließ sich auch an der Anzahl der Verwarnungen ablesen, die Schiedsrichter Szymon Marciniak verteilte. Die Bullen kassierten recht früh im Spiel zwei: eine für Upamecano, eine für Ibrahima Konaté. Die Franzosen sahen fünfmal gelb, Idrissa Gueye und Presnel Kimpembe sogar gleich doppelt. In lediglich zwei Partien am dritten Champions-League-Spieltag musste ein Unparteiischer häufiger den gelben Karton zücken: Bei Lokomotive Moskau gegen Atlético Madrid gab es insgesamt acht Verwarnungen, im Spiel zwischen Zenit St. Petersburg und Lazio Rom wurde Gelb ganze neunmal gezeigt.

K.O.-Duell geht weiter

Mit dem Platzverweis von Gueye in der 69. Minute stand Paris nur noch zu zehnt auf dem Rasen. Trotzdem boten sie den entfesselten Roten Bullen Paroli. Für Trainer Thomas Tuchel war der Platzverweis später einer von drei Schlüsselmomenten, die zur PSG-Niederlage führten. Die anderen beiden: der verschossene Elfmeter von Di Maria in der 16. Minute und der Elfmeter für Leipzig nach Handspiel von Kimpembe. Dass auch der in der Nachspielzeit noch vom Platz flog, verbessert die personelle Situation der Franzosen im Rückspiel nicht, zumindest nicht in der Abwehr.

Apropos Rückspiel: Das vorab ausgerufene K.O.-Duell ist für Julian Nagelsmann weiterhin präsent. „Nach dem Sieg ist noch nichts vorbei. Wir werden genauso fokussiert, engagiert und auf Sieg aus nach Paris fliegen“, versicherte er nach dem 2:1-Erfolg. Denn für Leipzig startet der zweite Teil der Gruppenphase am 24. November in Paris. Die Situation in Gruppe H ist nach dem überraschenden 2:1-Sieg von Istanbul Basaksehir gegen Manchester United wieder etwas offener. Die Roten Bullen und die Red Devils sind die einzigen beiden Mannschaften mit sechs Punkten.