02. Juni 2021 / 21:31 Uhr

"Keine Tätigkeiten für die KGaA": Hannover 96 und die Muskelspiele um Robert Schäfer

"Keine Tätigkeiten für die KGaA": Hannover 96 und die Muskelspiele um Robert Schäfer

Andreas Willeke und Jonas Szemkus
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Noch bevor Robert Schäfer (li.) sein Amt als neuer Geschäftsführer von Hannover 96 aufgenommen hat, droht die Diskussion um seine Tätigkeitsfelder bereits zu eskalieren.
Noch bevor Robert Schäfer (li.) sein Amt als neuer Geschäftsführer von Hannover 96 aufgenommen hat, droht die Diskussion um seine Tätigkeitsfelder bereits zu eskalieren. © Florian Petrow/Hannover96/Vosshage
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In überraschend scharfer Form erteilte der Hannover 96 e.V. am Mittwochvormittag Profi-Boss Martin Kind Weisungen, welche die Tätigkeiten des neuen Geschäftsführers Robert Schäfer betreffen. Die Profiabteilung um Kind habe beschlossen, zu diesen Weisungen nichts zu sagen. Der Streit um die Personalie Schäfer eskaliert.

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Martin Kind hat am Mittwochvormittag eine Mail bekommen. Absender war der Hannover 96 e. V. Was der Breitensportverein ihm mitzuteilen hatte, lässt sich in der Pressemitteilung nachlesen. In überraschend scharfer Form heißt es: „Dem Geschäftsführer Martin Kind werden folgende Weisungen erteilt.“

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Der wichtigste Punkt gleich obenan: „Robert Schä­fer darf (...) keine Tätigkeiten für die KGaA, also für das Profiunternehmen ausüben.“ Es folgen Vorgaben, wie und was der neue Ge­schäfts­füh­rer zu tun und zu lassen habe. Der e. V. lässt damit die Muskeln spielen – der Streit um die Personalie Schäfer eskaliert. Es ist der alte Kampf um 50+1. Und da wird klar: Der e. V. will mitreden bei den Profis.

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Schäfer passt nicht ins Profil des e.V.

Der Streit entzündet sich allerdings nicht an Schäfers jetziger Position in einer Nebengesellschaft (S & S). Da können und wollen die Breitensport-Vertreter nicht mitreden. Sollte Schäfer jedoch wie von Kind angekündigt später mal zu seinem Nachfolger in der Profifirma gemacht werden, müssten die e.V.-Vertreter zustimmen. Schäfer sei „der Mann der Zukunft“, erklärte Kind am Dienstag bei dessen Präsentation. Der 45-Jährige solle ein halbes Jahr lernen, danach „allein laufen“. Kind wollte sich dann zurückziehen.

Dazu bräuchte Schäfer aber die Stimme des e.V.-Vertreters im paritätisch besetzten Aufsichtsrat der Management GmbH. Dort habe man sich „auf ein Profil für einen Geschäftsführer verständigt“, sagt e.V.-Vorstand Sebastian Kramer. In das passt Schäfer aber nicht rein. Es wurde also auch nicht über ihn abgestimmt.

Im Schlussabsatz der Vereinsmitteilung wird noch gefordert, klarzustellen, dass Schäfer ab 1. Juli „keinerlei offizielle Funktion in der KGaA bekleidet, solange der Mutterverein dem nicht zugestimmt hat“.

Kind will alles regeln, bevor er aufhört

Kind hat nicht vor, auf die Mail zu reagieren: „Wir haben entschieden, dazu nichts zu sagen. Wir machen gar nichts.“ Offenbar kommt der 77-Jährige zu einer gänzlich anderen rechtlichen Beurteilung. Allerdings ist ihm klar, dass Schäfer die Zustimmung des e. V. benötigt, wenn er die Macht in der Profifirma übernehmen will. Deshalb wird Schäfer sich zurückhalten. „Ich werde noch ein bisschen länger weitermachen müssen“, meint Kind, „ich werde aber alles regeln, bevor ich aufhöre.“

Kramer: "Wir möchten einen, der kommunikationsfähig ist, der den Verein als Partner und nicht als Gegner sieht."

Wie erklärt Vorstandschef Kramer die scharfe Depesche aus den Amateurabteilungen? „Wir wollen immer noch Konsens – aber solche Alleingänge gehen nicht mehr. Wir wollen 96 einen, nicht weiter auseinanderdriften lassen“, sagt Kramer, „aber dafür müssen wir auch zusammenarbeiten.“ Das hätten alle Seiten so unterschrieben. „Wenn Ro­bert Schäfer nicht mit uns reden möchte, hat er sich eigentlich schon disqualifiziert als potenzieller Geschäftsführer der Profigesellschaft. Wir möchten einen, der kommunikationsfähig ist, der den Verein als Partner und nicht als Gegner sieht. Wir können gern auch kon­tro­vers über 50+1 diskutieren, aber es gehört zu den Spielregeln. Und an die müssen sich alle halten.“ Heißt auch: Das Spiel soll nach den Regeln des e. V. laufen. Das wird mit Kind und den Gesellschaftern im Profibetrieb aber nicht zu ma­chen sein.

Vielleicht sollte Schäfer die e.V.-Vertreter trotz Kritik mal anrufen. Womöglich würden sie für eine erste Annäherung rangehen.