26. Januar 2022 / 07:30 Uhr

Keine Wechselgedanken bei Gulacsi: "Will mindestens nochmal 250 Spiele für RB machen"

Keine Wechselgedanken bei Gulacsi: "Will mindestens nochmal 250 Spiele für RB machen"

Guido Schäfer
Leipziger Volkszeitung
Peter Gulacsi spielt bereits seit 2015 für RB Leipzig und hat einen Vertrag bis 2025.
Peter Gulacsi spielt bereits seit 2015 für RB Leipzig und hat einen Vertrag bis 2025. © IMAGO / Christian Schroedter
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RB Leipzigs Keeper Peter Gulacsi hat sein 250. Jubiläum im Bullen-Tor verschwitzt. Der Ungar friert nie, hält weiter Unhaltbare und will auch beim FC Bayern München etwas mitnehmen. LVZ-Chefreporter Guido Schäfer hat mit dem 31-jährigen Kapitän gesprochen.

Leipzig. Für Ex-Nationaltorhüter René Adler gehört er zu den Besten in Europa. Weil er in sich ruht und doch präsent ist. Weil er nur fliegt, wenn es sein muss, sich als Teamplayer versteht und so verhält. Weil er natürlich auch immer wieder Bälle hält, die wenig andere halten. Stellt sich die Frage: Was hält der bekannt bescheidene RB-Keeper Peter Gulacsi (Vertrag bis 2025) von so viel Lob? Und: Wieso steht der Mann, der seit 2014 ein Roter Bulle und neuerdings Kapitän ist, im Winter mit kurzen Hosen im Tor? Außerdem: Wohin geht die Reise der zuletzt viermal hintereinander Siegenden?

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SPORTBUZZER: Lesen Sie die LVZ?

Peter Gulacsi: Ja.

Haben Sie Herrn Adlers Eloge auf Sie gelesen?

Habe ich, das hat mich gefreut, macht mich stolz. Er war ein sehr guter Torhüter, kennt sich als TV-Experte national und international aus.

Erklären Sie uns bitte, wie man einen Kopfball wie den von Sasa Kalajdzic aus dreieinhalb Metern in Stuttgart hält. Kann man das trainieren?


Mit Frederik Gößling (Torwarttrainer; Red.) kann man alles trainieren. Auch Reflexe und Bälle aus kurzer Distanz. Wichtig ist eine Balance aus Stabilität und Lockerheit ...

... wie die Hauskatze vorm Absprung auf den Mittagstisch.

So ungefähr.

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Und Mut braucht es auch. Man muss sich im Angesicht massiger Stürmer groß machen und freut sich, wenn es am Körper und nicht im Tor einschlägt.

Als Torhüter kriegst du auch mal einen Ball ins Gesicht oder ein, zwei Etagen tiefer. Das ist halt so. In Stuttgart hatte ich ein paar gute Momente. Und ein bisschen Glück. Das gehört dazu.

Sie spielen bei Wind und Wetter in kurzen Hosen. Mögen Sie keine langen?

Ich bin da altmodisch. Es muss bei mir kurz sein. Die Kälte spüre ich kaum. Man ist voller Adrenalin und fokussiert.

Das mit der Fokussierung auf gute Ergebnisse klappt momentan vorzüglich. Was ist anders?

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Wir spielen weniger wild, haben mehr Kontrolle, verteidigen gut, haben in Stuttgart und gegen Wolfsburg enge Spiele auf unsere Seite gezogen. Das war nicht spektakulär und noch nicht ganz der kreative Fußball, den dieser Kader spielen kann, wenn alle Spieler zur Verfügung stehen. Aber vier Siege aus vier Spielen sind auch nicht so schlecht. Jetzt kehren alle hoffentlich nach und nach zurück. Das tut uns gut und vergrößert die Optionen des Trainers.

Willi Orbans 1:0 gegen Wolfsburg war ein Kacktor. Sagt Orban.

Ich würde gern mal so ein extrem wichtiges Kacktor schießen. Ich finde, dass es gar nicht so einfach war, den reinzumachen. Willi lauert immer, hat den richtigen Instinkt.

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Hart erkämpft, aber verdient: 2:0 gewinnt RB Leipzig gegen den VfL Wolfsburg. Willi Orban uns Josko Gvardiol machen die Tore für die Gastgeber. Zur Galerie
Hart erkämpft, aber verdient: 2:0 gewinnt RB Leipzig gegen den VfL Wolfsburg. Willi Orban uns Josko Gvardiol machen die Tore für die Gastgeber. ©

Josko Gvardiol hat an seinem 20. Geburtstag mit dem 2:0 den Deckel draufgemacht. Wie nehmen Sie diesen besonderen jungen Mann wahr?

Er gehört zwar der jungen, selbstbewussten Fußballer-Generation an, ist aber irgendwie aus der Zeit gefallen. Im positiven Sinn. Josko spielt und benimmt sich wie ein Alter, macht nicht viele Worte, erledigt seinen Job. Mit Leidenschaft, Herz und Härte. Dass er kurz vor Schluss lossprintet und dann in aller Ruhe das 2:0 macht, spricht für seine Einstellung und seine unfassbare Qualität. Es war ein perfekter Geburtstag für ihn. Und für uns. Josko und alle anderen Jungs haben alles wegverteidigt.

Christopher Nkunku spielt die Saison seines Lebens. Würden Sie gerne so gut kicken können wie er?

Darüber habe ich mir keine Gedanken gemacht. Christo ist begnadet, verbindet Technik mit Tempo und Gedankenschnelligkeit. Er hilft uns sehr, aber nicht nur er, wir haben viele super Spieler. Ich bin ein mitspielender Torwart, aber kein Christo.

Am 5. Februar geht es bei Bayern Müchen weiter. Freuen Sie sich auf Ihre Ex-Kollegen Dayot Upamecano und Marcel Sabitzer?

Natürlich, das sind super Jungs, die viel für uns geleistet haben. Ich hoffe, dass unsere Laune nach dem Spiel besser als ihre ist. Dann haben wir etwas geholt. Wir wollen etwas mitnehmen und uns weiter nach oben arbeiten.

Sie haben gegen Hansa Rostock Ihr 250. Pflichtspiel absolviert ...

... und es erst hinterher erfahren, ja. Egal, ich will mindestens nochmal so viele Spiele für RB machen, lieber früher als später Titel holen, bin mit meiner Familie sehr happy in Leipzig.