19. November 2019 / 14:30 Uhr

Keller lässt FSV Blau-Weiß Wermsdorf jubeln

Keller lässt FSV Blau-Weiß Wermsdorf jubeln

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Blau-weiße Euphorie: Justus Keller (2.v.r.) bejubelt sein Siegtor kurz vor dem Ende der Verlängerung.
Blau-weiße Euphorie: Justus Keller (2.v.r.) bejubelt sein Siegtor kurz vor dem Ende der Verlängerung. © André kamm
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Im Fußball-Kreispokal  stehen die Hubertusburger nach 1:0-Sieg in Bad Düben im Halbfinale.

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Als schon das Elfmeterschießen drohte, schlugen die Wermsdorfer doch noch zu: Justus Keller bescherte den Blau-Weißen zwei Minuten vor dem Ende der Verlängerung den 1:0-Sieg in Bad Düben und den erstmaligen Einzug ins Halbfinale des Fußball-Kreispokals.

Zwei Wochen nach dem 2:2 an gleicher Stelle in der Nordsachsenliga machten rund 25 mitgereiste Fans unter den nur 83 Zuschauern das Pokal-Duell zum gefühlten Heimspiel für die Hubertusburger. Kurzfristige Absagen nötigten Trainer Dierk Kupfer zu Umstellungen. Robby Staude rückte auf die Sechserposition, Patrick Kupfer kehrte nach mehrwöchiger Verletzungspause zurück, um Bad Dübens 13-Tore-Mann Sebastian van Gahlen in Sonderbewachung zu nehmen.

Die Kupferlinge starteten mit Leidenschaft, Teamgeist und druckvollem Pressing, verunsicherten so die Gastgeber. Nachdem FV-Kapitän Bastian Hampel noch gegen Pascal Weidner (6.) und dessen Sturmpartner Florian Böttger (8.) in höchster Not den Zweikampf gewinnen konnte, hatte Keller erstmals den Führungstreffer auf dem Fuß, jagte den Ball aber knapp vorbei (11.) Sechs Minuten später brach Böttger allein durch, hatte aber zu viele Optionen im Kopf und versuchte noch, Dominik Barth zu umspielen. Doch der herauseilende Keeper hatte einen Sahnetag erwischt und rettete mit akrobatischer Grätsche.

Großer Aufwand, wenig Ertrag

Auch die Platzbesitzer kamen dann zur ersten Großchance: Konrad Voigt war am rechten Strafraumeck plötzlich frei, verfehlte jedoch den Kasten. Kurz vor der Pause schickte Keller schließlich Böttger auf die Reise, aber sein Pass geriet zu lang, und der Stürmer erwischte die Kugel nur noch mit der Fußspitze und schob am Pfosten vorbei.

Trainer Kupfer monierte in der Kabine das schlechte Verhältnis zwischen Aufwand und Ertrag und beorderte seine Schützlinge von neuem angestachelt zurück in die Schlacht. Der Wiederbeginn gehörte aber zunächst den Gastgebern, die ihre beste Phase und nun mehr Spielanteile in der Wermsdorfer Hälfte hatten. Die Abwehrkette um Libero Denny Beckedahl bestand aber die Bewährungsprobe, hielt dagegen und erteilte Durchflugverbote auf die von Benni Schönitz gehüteten Torstangen, der zudem bei Not am Mann stets sicher zugriff.

Ab der Stundengrenze hatte Bad Düben Sendepause, die Hubertusburger wirkten frischer, zeigten trotz größerem Laufeinsatz keine Abnutzungserscheinungen. In der Gegenbewegung jagte die erste Kette um Böttger und Weidner nach wie vor entschlossen jeden Ball, dahinter entnervten Haudegen wie Linksaußen Sebastian Hanisch ohne Rücksicht auf Verluste den Gegner. Nach 67 Minuten raste Weidner entschlossen Richtung Barth-Gehäuse, schloss aber zu zentral ab. Nicht besser machten es Keller (71.), Kupfer (77.) und Beckedahl (81.) bei ihren Gelegenheiten. Zum blau-weißen Entsetzen blieb die Schiri-Pfeife stumm, als Sebastian Körner im Strafraum ohne Chance auf den Ball komplett umgepflanzt wurde. Aller Aufregung zum Trotz kam auch vom Assistenten kein Impuls, und so ging es in die Verlängerung.

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Elfmeterpfiff bleibt aus

Nun waren die Blau-Weißen vollkommen im Kampfmodus. Angetrieben von der Unterstützung an der Seitenlinie galt es alles reinzuwerfen und den Tanz auf Messers Schneide zu bestehen. Dass man nicht unbedingt besser als der Gegner agieren muss, um ein Alles-oder-Nichts-Spiel zu gewinnen, bewies Bad Dübens One-Man-Show van Gahlen, als er aus der Drehung mit dem ersten Kontakt annahm und dann sofort abzog. Doch Gäste-Kapitän und Schlussmann Schönitz „guckte“ das Leder ans Außennetz. Die Platzbesitzer hätten so mit einer einzigen Aktion fast das komplette Geschehen auf den Kopf gestellt.

Für Wermsdorf galt es, die Konzentration hochzuhalten. Apropos Konzentration, die schien leider auch dem Schiedsrichtergespann langsam abhanden zu kommen. Nach einem Hanisch-Freistoß blockte Stefan Luderer den Ball im Sechzehner mit der Hand, was er später sogar zugab, aber natürlich nicht in diesem Moment. So blieb den Gästen abermals der Elfmeterpfiff verwehrt.

Anders als Luderer machte es Pascal Weidner, der in der 100. Minute erst eine Großchance am kurzen Pfosten vergab und sich dann um den imaginären Fairplaypreis bewarb – er korrigierte den Schiedsrichter, dass es keinen Eckball geben darf. Das Drama nahm seinen Lauf und die Spannung stieg immer weiter. Bad Düben schien stehend K.O. zu sein, wirkte mehr und mehr angezählt. Wermsdorf dachte nicht ans Aufhören, wollte sich nicht auf die Elfmeter-Lotterie einlassen und drängte auf die Entscheidung.

Die Erlösung und ein Böller

Bei einem unglücklichen Zusammenprall wurde Torwart Schönitz ein schmerzhaftes Gesichts-Tattoo verpasst. Die Verletzungsunterbrechung war die letzte willkommene Verschnaufpause, bevor der blau-weiße Emotionszug volle Fahrt aufnahm. Zunächst war Pascal Weidner nochmals durch, scheiterte aber wieder am gegnerischen Schlussmann. Ein Versuch von Beckedahl von der Strafraumkante wurde noch geblockt, und nachdem Körner per Kopf und Keller aus dem Dribbling heraus nicht mehr abschließen konnten, schien der Showdown vom Elfmeterpunkt unvermeidbar.

Die 118. Minute war angebrochen, da gab es noch einmal Freistoß für Wermsdorf. Der Schuss von Beckedahl wurde von Torwart Barth unglücklich zur Seite abgewehrt und Keller drückte den Ball über die Linie. Das 0:1, die Erlösung, das Halbfinale, kollektiver Freudentaumel. Auch bei den Gäste-Fans, die sich im Glücksrausch dazu hinreißen ließen, einen Böller Richtung Niemandsland zu zünden. Spielabbruch? Nein, aber es droht ein Nachspiel vor dem Sportgericht. Dann endlich war Schluss und der Jubel kannte keine Grenzen.

Die möglichen Halbfinalgegner zu Ostern kommen wohl alle aus der Nordsachsenliga. Zwochau setzte sich in Beilrode 6:0 durch, Zschortau gewann 3:2 in Löbnitz. Top-Favorit Hartenfels Torgau muss aber noch nachsitzen. Die Partie in Merkwitz wurde wegen Unbespielbarkeit des Platzes abgesagt. .

Wermsdorf: Schönitz, Dominik Weidner, Beckedahl, Siebert, Kupfer, Staude, Körner, Keller, Hanisch, Pascal Weidner (117. Eckert), Böttger.

Tor: 0:1 Keller (118.).

Zuschauer: 83. SR: Marcel Schöne.