22. August 2022 / 19:43 Uhr

Kellerduell in der Premier League: Manchester United und der FC Liverpool im Krisen-Check

Kellerduell in der Premier League: Manchester United und der FC Liverpool im Krisen-Check

Hendrik Buchheister
RedaktionsNetzwerk Deutschland
ManU-Coach Erik ten Hag und Torwart David de Gea treffen im Premier-League-Kellerduell auf Liverpool-Verteidiger Virgil van Dijk und Trainer Jürgen Klopp (v.l.).
ManU-Coach Erik ten Hag und Torwart David de Gea treffen im Premier-League-Kellerduell auf Liverpool-Verteidiger Virgil van Dijk und Trainer Jürgen Klopp (v.l.). © IMAGO/GEPA pictures, Sebastian Frej, motivio, PA Images (Montage)
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Manchester United und der FC Liverpool hatten sich ihren Premier-League-Start anders ausgemalt. Jürgen Klopp und sein Team haben vor dem Duell der strauchelnden Riesen aber einen großen Vorteil: Die "Reds" stecken nur sportlich im Dilemma. United schlägt sich derweil mit einem Sammelsurium an Problemen herum.

Erik ten Hag ist nicht zu beneiden, aber Mitleid braucht er auch keins. So sieht das Jürgen Klopp. “Wir haben alle unsere Probleme. Der Fußball ist ein Meer voller Haie”, sagte der Trainer des FC Liverpool vor dem Spiel bei ten Hags Manchester United am Montagabend (21 Uhr/Sky). Der Niederländer, der zu dieser Saison von Ajax Amsterdam ins Old Trafford umgesiedelt ist, erlebte einen epischen Fehlstart beim englischen Rekordmeister. In den ersten beiden Premier-League-Spielen gab es zwei Niederlagen, ein 1:2 gegen Brighton & Hove Albion und ein apokalyptisches 0:4 beim FC Brentford. Zum ersten Mal seit 1992 stürzte Manchester United auf den letzten Tabellenplatz.

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Viele Fans fürchten, dass der FC Liverpool die Misere noch verschlimmert, doch auch Klopps Mannschaft ist nicht ideal in die Saison gestartet. Es gab zwei Unentschieden, gegen Aufsteiger FC Fulham und Crystal Palace. Die Palace-Partie wurde überschattet von der Roten Karte gegen Liverpools neuen Mittelstürmer Darwin Núñez. Mit einer Ablösesumme von angeblich bis zu 100 Millionen Euro ist er der Rekord-Transfer des Klubs. Die ersten Eindrücke waren vielversprechend. Er traf im Supercup gegen Manchester City (3:1) und beim Start gegen Fulham. Sein Kopfstoß gegen Crystal-Palace-Verteidiger Joachim Andersen, der zurecht mit einem Platzverweis sanktioniert wurde, warf allerdings Fragen nach seinem Temperament auf.

Núñes-Sperre kommt für Liverpool zur Unzeit

Die Núñes-Sperre kommt zur Unzeit. Liverpools Aufgebot ist ohnehin schon ausgedünnt wegen einer erstaunlichen Verletzungsmisere. Unter anderem fehlten zuletzt Ibrahima Konaté, Thiago Alcântara, Joël Matip, Jordan Henderson, Roberto Firmino und Diogo Jota. Klopp hat angesichts des Personalpechs das Gefühl, “eine Hexe im Haus” zu haben. England debattiert wieder mal, ob die vielen Ausfälle mit der intensiven Spielweise des Trainers zu tun haben. Fest steht, dass Liverpools Angriff auf die Meisterschaft nach zwei Remis zum Start schon früh zu scheitern droht. Manchester City hat die Messlatte in der Premier League in den vergangenen Jahren derart hoch gelegt, dass jeder Punktverlust für Liverpool fast schon einer Niederlage gleicht. Das Motto für die Reise ins Old Trafford am Montag lautet daher: Verlieren verboten!

Das Problem ist nur, dass für Manchester United das gleiche gilt. Eine Niederlage gegen den Erzrivalen, möglicherweise sogar eine ähnlich verstörende wie zuletzt gegen Brentford, könnte der Funke sein, der das United-Pulverfass zur Explosion bringt. Die Fans protestieren seit Jahren gegen die Klubbesitzer, die Glazer-Familie aus Florida. In der vergangenen Saison musste das Heimspiel gegen Liverpool sogar abgesagt werden, weil die aufgebrachte Gemeinde die Zufahrt zum Old Trafford blockierte und einige Demonstranten das wegen Corona eigentlich für die Öffentlichkeit geschlossene Stadion stürmten. Für die Partie am Montag sind neue Proteste geplant.

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Ronaldo-Wirbel hält Man United in Atem

Der Unmut des Publikums passt zu dem Chaos, das den ganzen Verein gefangen hält. Die Transfer-Politik des Rekordmeisters ist in diesem Sommer wieder mal wirr. Wunschspieler wie Frenkie de Jong vom FC Barcelona konnten nicht von einem Wechsel ins Old Trafford überzeugt werden. Der 30 Jahre als Casemiro, der vor einem Wechsel von Real Madrid zu Manchester United steht, ist eine kurzfristige Lösung, kein Spieler für die Zukunft. Und dann ist da ja noch das Theater um Cristiano Ronaldo. Ein Jahr nach seiner Rückkehr will er schon wieder weg, wird wohl aber bleiben müssen, weil sich kein neuer Arbeitgeber für ihn findet. Ein missmutiger Ronaldo könnte verheerende Auswirkungen auf den geplanten Neustart unter Trainer ten Hag haben. Nach Sky-Informationen soll Ronaldo gegen Liverpool nicht in der Startelf stehen, ebenso Kapitän Harry Maguire.

Neuerdings wird außerdem über einen Eigentümerwechsel bei Manchester United spekuliert. Tesla-Chef Elon Musk scherzte bei Twitter, dass er den Verein kaufen werde, der aus dem Großraum Manchester stammende Milliardär Jim Ratcliffe hat offenbar ernstes Interesse. Für die Fans wäre der Abschied der Glazers eine Erlösung. Allerdings deutet wenig darauf hin, dass sie den Klub verkaufen wollen. So muss die Aufmerksamkeit erstmal dem Treffen mit Erzfeind Liverpool gelten. Selten hatte eine Partie so früh in der Saison derart wegweisenden Charakter – für beide Seiten.

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