20. Dezember 2018 / 19:50 Uhr

"Gefühls-Chaos" bei Rückkehr: Schießt Karaman gegen 96 ein Tor, will er nicht jubeln

"Gefühls-Chaos" bei Rückkehr: Schießt Karaman gegen 96 ein Tor, will er nicht jubeln

Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
SPORTBUZZER-Redakteur Dirk Tietenberg traf Ex-96-Spieler Kenan Karaman in Düsseldorf. Dort redete er über seinen emotionalsten Moment in Hannover und warum er sich in Düsseldorf so wohlfühlt.
SPORTBUZZER-Redakteur Dirk Tietenberg traf Ex-96-Spieler Kenan Karaman in Düsseldorf. Dort redete er über seinen emotionalsten Moment in Hannover und warum er sich in Düsseldorf so wohlfühlt. © Verwendung weltweit
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Am Samstag spielt Kenan Karaman (24) zum ersten Mal gegen Hannover 96, den Club, für den er vier Jahre lang auf Torejagd ging. Im SPORTBUZZER-Interview spricht Karaman über sein Gefühls-Chaos bei der Rückkehr und seinen wichtigsten Hannover-Moment im Derby gegen Braunschweig.

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Karaman lobt die 96-Bedingungen

Kenan Karaman, können Sie für uns mal die Städte Hannover und Düsseldorf vergleichen?

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Düsseldorf ist eine ganz andere Stadt, eine wunderschöne Stadt mit vielen Möglichkeiten und ruhigen Orten. Es sind alle sehr offen hier im Verein, eine sehr schöne Atmosphäre.

Hätten Sie dasselbe über Hannover gesagt?

Ich habe hier in der Mannschaft wieder einen Mannschaftsgeist vorgefunden, der auch 96 ausgezeichnet hat. Bei 96 hatten wir aber andere Trainings-Möglichkeiten, da kommt Fortuna noch nicht ganz mit. Der Kraftraum, die Kabine im Stadion, das waren schon gute Bedingungen bei 96.


Ihr früheres Wohnzimmer. Sie kamen aus Stuttgart, wurden in Hannover Profi, sind türkischer Nationalspieler und wohnen jetzt in Düsseldorf. Wo fühlen Sie sich wirklich zuhause?

Stuttgart ist meine Heimat, dort bin ich aufgewachsen. Hannover war für mich auch wie Heimat. Ich habe dort viel erlebt, wurde als Jugendlicher Profi, habe vier Jahre da gelebt. Ich hätte tatsächlich nicht gedacht, nach vier Jahren Hannover, dass ich mich in Düssedorf so schnell so wohlfühlen würde.

SPORTBUZZER-Redakteur Dirk Tietenberg mit Kenan Karaman vor der Spiel-Arena von Fortuna Düsseldorf.
SPORTBUZZER-Redakteur Dirk Tietenberg mit Kenan Karaman vor der Spiel-Arena von Fortuna Düsseldorf. ©

Kein Torjubel in Hannover

Wie lief's sportlich? Besser als in Hannover?

Ich wollte wegen der Spielpraxis wechseln und mehr Spiele machen als in Hannover. Der Trainer (Friedhelm Funkel) wollte mich unbedingt. Ich habe leider sieben Spiele verpasst wegen meiner Verletzung. Ich gebe zu, das hat mich ein wenig zurückgeworfen. Aber jetzt bin ich voll dabei und der Trainer hat mir signalisiert, dass er mich voll einplant. Gegen Freiburg war ich in der Startelf. Diesen Schwung will ich in die Rückrunde mitnehmen.

Mit wie viel Schwung kehren Sie denn in Ihr 96-Wohnzimmer zurück? Spielen Sie?

Ich hoffe. Es wird jedenfalls komisch für mich, das erste Wiedersehen. Ich freue mich auf die alten Gesichter, aber es wird ein komisches Gefühl sein, in die Gästekabine rechts abzubiegen anstatt links. Das wird ein Gefühls-Chaos. Zumal das Spiel auch so wichtig ist, für beide.

Die 96-Großbaustellen: Sie sollen es noch richten

<b>Der Bauleiter:</b> In der sportlichen Krise 
entschied auch in den vergangenen Jahren immer nur einer: Martin Kind. Der 96-Chef ist Bauleiter an allen Fronten. Er ringt mit der DFL, mit der Opposition und auch mit der kurzfristigen Entscheidung, wie es weitergehen soll, damit 96 doch noch die Klasse halten kann. Zur Galerie
Der Bauleiter: In der sportlichen Krise entschied auch in den vergangenen Jahren immer nur einer: Martin Kind. Der 96-Chef ist Bauleiter an allen Fronten. Er ringt mit der DFL, mit der Opposition und auch mit der kurzfristigen Entscheidung, wie es weitergehen soll, damit 96 doch noch die Klasse halten kann. ©

Bewunderung für Kumpel Anton

Ein Tor haben Sie in dieser Saison noch nicht erzielt, nehmen Sie sich das für Samstag vor?

Na klar, warum nicht? Ich bin immer auf dem Platz, um Tore zu machen. Ich denke aber nicht, dass ich jubeln werde, wenn ich in Hannover treffe.

Sprechen Sie oft mit Ihren Ex-Kollegen?

Mit Waldemar Anton bin ich ständig im Austausch, ich denke, wir werden vor dem Spiel auch noch quatschen. Die früheren Kollegen fragen auch immer mal wieder nach, wie es mir geht.

Was sagen Sie zu Antons Entwicklung zum Kapitän?

Er hat eine enorme Entwicklung gemacht. Ich gaube, es tat ihm gut, dass er in der zweiten Liga die Chance bekommen hat. Er ist ein sehr intelligenter Spieler, ist sehr fleißig, er schiebt echt viele Extraschichten. Es war schon zu sehen, dass er so eine Entwicklung nimmt. Ich hoffe einfach, dass beide Jungs ihre Ziele erreichen und die Klasse halten: Er und ich.

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Laufduell Lukebakio und Bebou? "Das wird knapp"

Drei Tore gegen die Bayern beim 3:3, eines gegen Dortmund beim 2:1: Können Sie uns das Tempo-Phänomen Dodi Lukebakio erklären?

Ich habe selten einen Spieler gesehen, der so unbekümmert ist. Trotz seines Alters (21 Jahre) hat er eine große Reife als Fußballer und Privatmensch. Er ist abgezockt und vor dem Tor eiskalt. Er weiß, wie er seine Stärken einzusetzen hat. Er weiß auch, dass er kaum zu halten ist, wenn er seine tiefen Läufe anzeigt. Das tut unserem Spiel sehr gut. Es ist bemerkenswert, wie bewusst er sich darüber ist, welche Stärken er hat.

Wer ist denn schneller, Lukebakio oder Ihlas Bebou?

Da müssten wir tatsächlch mal ein Wettrennen machen. Das wird jedenfalls knapp. Mit Ihlas habe ich mich auch immer gut verstanden, auch wenn er nicht viel redet (lacht). Wir saßen in der 96-Kabine nebeneinander. Meine Zeit in Hannover wird für mich immer speziell bleiben.

Welchen speziellen Hannover-Moment gab es für Sie?

Mein Tor gegen Braunschweig, der 2:2-Ausgleich. Das werde ich nicht vergessen. Da wird man als Hannover-Spieler von den Fans erst richtig akzeptiert. Das habe ich richtig gespürt, manche Fans schreiben mir deshalb heute noch etwas zu dem Thema. Es ist schon was Tolles, für Hannover im Derby gegen Braunschweig ein Tor zu machen.