13. März 2021 / 09:32 Uhr

Kevin Ehlers bei Dynamo Dresden wieder erste Wahl

Kevin Ehlers bei Dynamo Dresden wieder erste Wahl

Jochen Leimert
Dresdner Neueste Nachrichten
Kevin Ehlers hat sich bei Dynamo wieder in die Stammformation gearbeitet.
Kevin Ehlers hat sich bei Dynamo wieder in die Stammformation gearbeitet. © Jochen Leimert
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Der Innenverteidiger musste sich zu Saisonbeginn hinten anstellen, weil er verletzt war. Doch nun ist der 20-Jährige wieder ein Fixpunkt in der Abwehr des Drittliga-Tabellenführers.

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Dresden. In der vergangenen Zweitliga-Saison war Kevin Ehlers ein Gewinner, obwohl sein Arbeitgeber Dynamo Dresden am Saisonende absteigen musste. Doch junge Innenverteidiger machte im ersten richtigen Profijahr gleich 19 Spiele und hätte sogar noch mehr absolviert, wenn ihn zwei Verletzungen nicht zurückgeworfen hätten. Der gebürtige Münchner stieg dank guter Leistungen sogar zum U20-Nationalspieler auf und hätte im vergangenen Sommer in der 2. Liga bleiben können, wenn er gewollt hätte. Doch der Sohn von Ex-Profi Uwe Ehlers, heute Co-Trainer bei seinem Heimatverein Hansa Rostock, blieb in Dresden - und hat es bisher nicht bereut.

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Die laufende Saison begann zwar nicht so toll für ihn, doch "Ehle" - so sein Spitzname - warf nach drei wegen Sprunggelenksproblemen verpassten Pflichtspielen die Flinte nicht ins Korn. "Wichtig war, dass ich nicht aufgehört habe, an mir zu arbeiten. Letztes Jahr war ein steiler Aufstieg. Auch mal die andere Seite kennenzulernen, war ebenfalls wichtig für mich", sagt der 20-Jährige heute. Nach 27 von Dynamo absolvierten Liga-Spielen steht er nun schon wieder bei 17 Einsätzen, wird wohl an diesem Sonnabend (14.03 Uhr/MDR live) gegen den 1. FC Saarbrücken seinen 18. bestreiten. Dass er etwas Glück hatte, weil sich Marco Hartmann verletzte und noch immer ausfällt, ist ihm klar. Doch auch, dass es bei Dynamo nichts geschenkt gibt, Vertrauen selbst in Zeiten eines Personalengpasses erarbeitet werden muss. In der Abwehr ist er seit dem 12. Dezember gesetzt, nur beim 1:0 in Magdeburg fehlte er wegen einer unglücklichen Roten Karte beim 0:1 in Mannheim.

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Damals wurde er im Strafraum kurz vor dem Ende der Partie am Arm angeschossen, musste den Platzverweis und einen Elfmeter hinnehmen, der dem SV Waldhof noch den Siegtreffer bescherte. Eine Szene, die Ehlers noch lange beschäftigt, sein Spiel verändert hat. Wenn heute ein Angreifer im Strafraum flankt, dann arbeitet es in Ehlers, will er nicht, dass sich die Geschichte von Mannheim wiederholt. So versucht er, die Arme hinter den Körper zu nehmen, was für das Gleichgewicht nicht gerade von Vorteil ist. Doch nochmal einen Elfer und Rot riskieren? Darauf hat der 1,88 Meter große Jungprofi keinen Bock und deshalb sucht er nach Lösungen. Die zu finden, ist aber gar nicht so einfach: "Ich blicke selber nicht mehr durch, wo ich die Hände hintun soll."

Dieses Drittliga-Jahr war und ist für Ehlers kein verlorenes

Doch zuletzt hat alles gut geklappt, Dynamo spielte zweimal zu Null, Ehlers sammelte wieder reichlich Pluspunkte. Er fühlt sich wohl im Team von Trainer Markus Kauczinski, trauert möglichen Wechselchancen im vergangenen Sommer nicht nach: "Ich weiß, was ich hier habe." Dass er der Dynamo-Profi mit dem laut transfermarkt.de höchsten Marktwert ist (1 Million Euro), weiß er, findet es auch ganz nett, aber auch nicht mehr. Die Aussagekraft solcher Schätzungen sei begrenzt: "Du musst deine Leistung immer wieder neu abrufen", glaubt er. Trotz des Abstiegs in die 3. Liga sieht er sich auf einem guten Weg im Profigeschäft: "Ich glaube, dass ich in dem Jahr noch mal einen Sprung gemacht, körperlich zugelegt habe." Auch das mehr an Erfahrung sei ein Gewinn.

Satt ist der eher ruhig veranlagte Abwehrspieler, der mit seinem Vater Uwe trotz ihres Engagements bei zwei Drittliga-Kontrahenten ganz gern mal über etwas anderes als Fußball spricht, noch lange nicht. Er will noch mehr Erfahrungen sammeln, am liebsten die Rückkehr in die 2. Liga miterleben, einen Aufstieg feiern: "Es wäre schön, nachdem wir letztes Jahr runtergegangen sind, auch mal die andere Seite der Medaille kennenzulernen." Ein Sieg über den 1. FC Saarbrücken würde Ehlers und alle anderen Dynamos diesem großen Ziel wieder einen Schritt näher bringen. Wenn der Coup dann tatsächlich gelingt und auch noch Hansa aufsteigt, dann ist das Glück im Hause Ehlers perfekt. Wechseln muss der Junior dann auch nicht unbedingt, seinen Vertrag bis 2023 könnte er getrost erfüllen. Noch aber macht er sich über den Sommer keine Gedanken, gibt er vor. Man mag es ihm fast glauben, so gelassen und geerdet, wie er abseits des Platzes rüberkommt.