25. Februar 2020 / 16:00 Uhr

Trainer Kevin Großkreutz setzt bei Türkspor Dortmund auf Klopp-Fußball: "Immer Gas geben"

Trainer Kevin Großkreutz setzt bei Türkspor Dortmund auf Klopp-Fußball: "Immer Gas geben"

René Wenzel
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Kevin Großkreutz (rechts) verfolgt das Training bei Türkspor Dortmund zusammen mit seinem Trainer-Kollegen und Kumpel Reza Hassani (links).
Kevin Großkreutz (rechts) verfolgt das Training bei Türkspor Dortmund zusammen mit seinem Trainer-Kollegen und Kumpel Reza Hassani (links). © René Wenzel
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Weltmeister Kevin Großkreutz steht nicht nur beim Drittligisten KFC Uerdingen unter Vertrag. Der 31-Jährige trainiert zusätzlich ehrenamtlich den Bezirksligisten Türkspor Dortmund. #GABFAF hat den früheren BVB-Profi und sein Team besucht.

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Kevin Großkreutz stellt die farbigen Hütchen zum Sprinttraining auf. Ein kontrollierender Blick zum Abschluss auf den Notiz-Zettel – passt alles, kann losgehen. Der 31-jährige Weltmeister von 2014 steht gleich nicht selbst als Spieler auf dem Trainingsplatz. Der Profi von Drittligist KFC Uerdingen coacht nebenbei noch die Bezirksliga-Mannschaft Türkspor Dortmund.

#GABFAF zu Gast beim Großkreutz-Klub Türkspor Dortmund

"Mit Herz und Leidenschaft spielen. Und natürlich immer Gas geben", fordert Großkreutz von seinen Spielern im Gespräch mit #GABFAF. Wenn es eine größere Bezeichnung als fußballverrückt geben würde, dann wäre diese jetzt angebracht. Dem früheren Bundesliga-Profi von Borussia Dortmund reicht der Job in der dritten Liga nicht aus. Passt es zeitlich, geht's in Richtung Mendesportanlage in den Norden seiner Heimatstadt – freiwillig, aus purer Leidenschaft und ohne Bezahlung.

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Dreimal pro Woche trainiert Türkspor Dortmund auf der großflächigen Anlage am Fredenbaumpark. Hier riecht es richtig nach Amateurfußball. Und diese Atmosphäre genießt Großkreutz: "Ich bin total gerne hier. Es macht richtig viel Spaß mit den Jungs und dem Verein." Seit Mitte September ist der 31-Jährige hier als Trainer aktiv. Und das natürlich nicht alleine. Freund Reza Hassani genießt bei den Spielern einen mindestens genauso hohen Stellenwert.

Großkreutz: "Das mussten wir erstmal bei zwei, drei Spielern rausbekommen"

"Mich gibt es nur noch im Doppelpack mit ihm. Wir sind fast immer auf einer Wellenlänge. So eine Zusammenarbeit klappt aber nur, wenn die Harmonie stimmt. Ich habe ihn damals als Trainer vom VfL Kemminghausen aus Jux gefragt, ob er mein Co-Trainer werden möchte. Und er hat einfach ja gesagt", sagt Hassani. Und die beiden Kumpel kommen bestens miteinander aus.

Eine Stunde vor Trainingsbeginn treffen sie sich im Vereinsheim bei einer Tasse Kaffee oder türkischem Tee. Großkreutz und Hassani sprechen über das vergangene Spiel, gehen die Anzahl der Leute für die anstehende Einheit durch und intensivieren die Trainingsgestaltung. Der Drittliga-Profi erinnert sich noch genau an die ersten Wochen beim 20 Jahre alten Verein: "Bei türkischen Klubs geht’s oft um Hacke, Spitz, eins, zwei, drei – das mussten wir erstmal bei zwei, drei Spielern rausbekommen. Das kann man mal machen, wenn man höher führt und es gut läuft."

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Die Anfangszeit bei den Rot-Weißen verläuft für das Trainer-Duo eher durchwachsen. In den ersten sieben Spielen gibt´s nur vier Siege und drei Remis – zu wenig für das ausgemachte Ziel Aufstieg. "Die Jungs hatten anfangs nicht die Fitness, die zu unserem Spiel passt. Da mussten wir einiges aufholen", erklärt Hassani.

Großkreutz muss mit seiner geballten Profi-Erfahrung nicht lange überlegen. Der Trainingsplan ist schnell ausgearbeitet. Nur ein Spieler verletzt sich während der gesamten Vorbereitung leicht im muskulären Bereich. "Alleine, ohne Kevins Hilfe, hätte ich das so nicht geschafft", sagt Fahrschul-Inhaber Hassani.

Der Uerdingen-Profi bringt wichtige Aspekte wie Belastungssteuerung aus dem Profi-Bereich mit in die Bezirksliga-Truppe. "Spaß und Disziplin gehören auch immer mit dazu. Und ein gesunder Konkurrenzkampf ist ganz wichtig", sagt Großkreutz.

Großkreutz lobt Klopp: "Immer top eingestellt und extrem motiviert"

Der 31-Jährige profitiert heute als Trainer viel von seiner Zeit unter Jürgen Klopp beim BVB. 235 Spiele macht der offensive Außenbahnspieler zwischen 2009 und 2015 unter dem aktuellen Liverpool-Coach. "Kloppo ist einfach einmalig. Wie er mit den Menschen umgeht, ist das Wichtigste. Er behandelt auch die Spieler, die nicht spielen, komplett gleich. Unter ihm ist man immer top eingestellt und extrem motiviert – da wollte man immer gewinnen", sagt Großkreutz, der den offensiven Klopp-Fußball auch bei Türkspor spielen lässt. Und ganz in Ruhe auf seiner Bank sitzen bleiben kann er dabei auch nicht: "Ich stehe das ganze Spiel. Emotionen sind immer mit dabei, das gehört auch dazu."

Negative Kommentare der gegnerischen Mannschaft seien eher die Ausnahme. "Selbst im Herner Bereich, wo viele Blaue leben, ist noch nichts Schlimmes passiert. Mich hat noch nie ein Zuschauer angepöbelt. Natürlich ist jedes Team besonders motiviert in den Spielen gegen uns. Da wird dann auch mal ne Faust in meine Richtung gezeigt. Aber damit können wir gut umgehen", sagt Großkreutz.

Der Vorfall bei einem Hallenturnier, wo Großkreutz einen Spieler aufgefordert haben soll, seinen Gegenspieler "kaputtzutreten", sei mittlerweile abgehakt. Der Fokus liege klar auf der restlichen Spielzeit. Denn am Ende soll es für Türkspor hoch in die Landesliga gehen. "Es wäre traurig, wenn wir den Aufstieg mit dieser Mannschaft nicht schaffen würden", sagt der 31-Jährige.

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Spieler schwärmt vom Ex-BVB-Profi: "Gibt im Training immer Vollgas"

Die Spieler schwärmen von seinen Qualitäten als Trainer. Die Freude über ein so bekanntes Gesicht im Verein ist groß. Ex-Regionalliga-Spieler Ömer Akman sagt: "Es macht Spaß, mit so einem geilen Typen zusammenzuarbeiten. Mit seiner Erfahrung hilft uns Kevin in mehreren Bereichen weiter. Er gibt im Training immer Vollgas und nimmt sich auch sonst viel Zeit für uns neben dem Platz." Und das ist neben seinem zeitaufwendigen Job in der dritten Liga natürlich nicht selbstverständlich.

Beim KFC Uerdingen besitzt der 31-Jährige noch einen Vertrag bis Ende Juni 2021. Doch zuletzt steht frühere Nationalspieler dreimal in Folge nicht im Kader. Großkreutz auf dem Abstellgleis? "Ich verstehe mich mit dem Präsidenten gut. Auch mit der Mannschaft passt alles. Ich werde weiter einfach Gas geben und es bis zu meinem Vertragsende durchziehen", sagt der Drittliga-Spieler. Die Zeit danach biete einige Optionen. "Ich erhalte schon jetzt von einigen Sendungen Anfragen. Klar ist, dass ich weiter meinen Trainerschein machen möchte. Vielleicht kann ich dann auch mal in die Jugend zum BVB zurückkehren", so der zweifache Familienvater. Kumpel Hasani schmunzelt: „Werd doch Spielertrainer bei Türkspor.“ Großkreutz lacht. Die Harmonie stimmt.

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Kumpel Hassani: "Kevins Weg als Trainer kann sehr weit gehen"

Und so schnell kann keiner dieses Duo trennen. "Ich bin mir sehr sicher, dass sein Weg als Trainer nach der aktiven Karriere sehr weit gehen kann. Ob ich da mitgehen könnte, weiß ich noch nicht. Aber was ich der Zeit mit Kevin auf dem Platz in kürzester Zeit gelernt habe, konnte ich in meinen acht, neun Jahren als Trainer noch nicht aufsaugen – obwohl ich mich mit Hannes Wolf (KRC Genk und früher BVB II, Anm. d. Red.), Daniel Rios (Co-Trainer BVB U19) und Adrian Alipour (TSV Steinbach) schon oft ausgetauscht habe", sagt Hassani, dem Großkreutz in der Kabine die Worte überlässt: "Ich gehe dann eher an der Außenlinie ab."

So wie man ihn eben auch als Spieler auf dem Platz kennt.