13. Januar 2021 / 11:24 Uhr

Kevin Melzer hat jetzt mehr Zeit zum Grillen, Räuchern und Smoken

Kevin Melzer hat jetzt mehr Zeit zum Grillen, Räuchern und Smoken

Christoph Laak
Märkische Allgemeine Zeitung
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Kevin Melzer coachte von 2016 bis 2019 die Handballer der SG Westhavelland. Unter ihm als Trainer schaffte die Mannschaft 2018 den Aufstieg in die Verbandsliga. © Christoph Laak
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Handball: Der ehemalige Trainer der SG Westhavelland genießt das Leben neben der Platte.

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Gut anderthalb Jahre ist es jetzt her, dass Kevin Melzer sein Traineramt bei den Handballern der SG Westhavelland – die danach als TSV Chemie Premnitz weiter spielten – niederlegte. Seitdem ist eine Menge in Handball-Westhavelland passiert. Die Chemiker konnten im Sommer keine Mannschaft mehr melden, somit ist der TSV Germania Milow der letzte Verein der Region mit Teams, die auch am Spielbetrieb teilnehmen.

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„Das war natürlich sehr schade, dass der TSV Chemie keine Mannschaft mehr melden konnte. Aber das war absehbar, schon vor anderthalb Jahren, als ich aufgehört habe, waren wir sehr alt und Nachwuchs kam nicht mehr nach“, erklärt Melzer, der drei Jahre für die SG Westhavelland als Trainer verantwortlich war.

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Seitdem nutzte Kevin Melzer seine freie Zeit vor allem für seine Familie. „Es ist schon schön, am Wochenende Zeit für die Kinder und meine Frau zu haben“, erklärt der 34-Jährige. Und ganz ohne Sport geht es dann doch nicht. Melzers älterer Sohn Hannes kickt für die Fußballer des TSV Chemie. „Da ist man als sportinteressierter Vater ja auch fast immer dabei. Coronabedingt war das im Jahr 2020 sicherlich etwas weniger, aber ansonsten sind wir da schon sehr eingebunden“, sagt der ehemalige Handballtrainer.

Außerdem nutzt er die Zeit, um im Sommer mit seinen Söhnen seinem neuen Hobby nachzugehen. „Ich habe das Stand-Up-Paddling für mich entdeckt, und den Jungs macht das auch riesigen Spaß“, sagt Kevin Melzer. Und auch seiner zweiten großen Leidenschaft kann sich der Familienvater nun intensiver widmen. „Ich grille unheimlich gerne. Außerdem räucher’ ich selbst und smoke auch mal Fleisch. Das benötigt natürlich viel Zeit, die ich jetzt aber habe“, so der ehemalige linke Rückraumspieler.

Kontakt zu Spielern ist noch vorhanden

Doch auch in der Handballhalle war Melzer vor der Corona-Pause immer noch regelmäßig zu sehen. Die Heimspiele des TSV Chemie – für den er seit Kindheitstagen selbst spielte – schaute er sich von der Tribüne aus an. „Man hat zu vielen Spielern ja ein besonderes Verhältnis. Daher bin ich auch gerne in die Halle gegangen. Samstagnachmittag Handball zu gucken war schon wichtig, die tägliche Trainingsarbeit am Dienstag und Donnerstag war mir am Ende aber zu viel. Im Hintergrund würde ich noch helfen. Aber als Trainer in erster Reihe werde ich nichts mehr machen.“

Der Kontakt zu seinen ehemaligen Spielern ist auch nach seinem Ausscheiden nie abgebrochen. „Ich wollte mir eigentlich in dieser Spielzeit auch mal ein Spiel von Appel (Erik Dohrn, Anm. d. Red.) in Wusterwitz anschauen. Daraus wird aber wohl so schnell nichts werden“, sagt Melzer, der beim Landkreis Havelland tätig ist.

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Die Premnitzer (in Grün) hätten das Spiel vor allem vor der Pause schon entscheiden müssen, ließen aber zu viele Chancen aus. Nach der Pause musste der TSV lange um den Heimsieg bangen. Zur Galerie
Die Premnitzer (in Grün) hätten das Spiel vor allem vor der Pause schon entscheiden müssen, ließen aber zu viele Chancen aus. Nach der Pause musste der TSV lange um den Heimsieg bangen. © Christoph Laak

Seinen Sport verfolgt er auch intensiv im Fernsehen: „Die Spiele der Bundesliga finde ich als Zuschauer ohne Publikum in der Halle fast noch interessanter. Man kann die Anweisungen der Trainer hören und auch die Kommunikation unter den Spielern besser verfolgen.“ Am Mittwoch beginnt die Handball-Weltmeisterschaft in Ägypten – Melzer wird sie selbstverständlich am TV-Gerät verfolgen. Erstmals werden dort 32 Mannschaften an den Start gehen.

„Ich hätte die WM in der jetzigen Situation abgesagt, werde mir aber natürlich die Spiele der deutschen Mannschaft anschauen. Zumindest wurde ja mittlerweile beschlossen, dass keine Zuschauer in die Hallen dürfen. Diese Entscheidung finde ich absolut richtig“, meint Melzer, der die Argumentation, dass die WM eine Chance für den Sport sei, sich ins Rampenlicht zu stellen, aber nicht richtig nachvollziehen kann: „Wir haben schon den einen oder anderen Titel gewonnen. Danach gab es immer mal für wenige Wochen einen Hype um unseren Sport, der dann auch ganz schnell wieder abebbte.“z schnell wieder abebbte.“

Jeder kann jeden schlagen

Dass Stammspieler wie Hendrik Pekeler, Patrick Wienczek oder Steffen Weinhold für die WM abgesagt haben, kann der 34-Jährige verstehen. „Sie sind alle Familienväter, da kann ich verstehen, dass sie in dieser Situation nicht reisen wollen, zumal sie mit dem THW Kiel zuletzt viel unterwegs waren.“

Wie weit die deutsche Nationalmannschaft in diesem Turnier kommen kann, mag Kevin Melzer aktuell nicht einschätzen. „Die beiden Spiele gegen Österreich waren wirklich gut. Das konnte man sich wirklich gut angucken. Aber tendenziell kann bei dieser WM, die ja keine normale ist, jede Mannschaft gegen jede gewinnen. Einen klaren Favoriten gibt es für mich nicht.“

Für die deutsche Mannschaft wünscht er sich dennoch ein ordentliches Abschneiden. Die vielen jungen Spieler könnten auch ein Vorteil sein. Und mit Alfred Gislason steht einer der erfolgreichsten Handball-Trainer der Welt an der Seitenlinie des DHB. „Er hat alles gesehen, was dieser Sport zu bieten hat, hat unheimlich viel Erfahrung. Das kann für unser Team auch ganz wichtig sein“, meint Melzer.