29. Dezember 2019 / 09:51 Uhr

Kevin-Prince Boateng: Harte Kritik an Talenten und Entwicklungen im Fußball

Kevin-Prince Boateng: Harte Kritik an Talenten und Entwicklungen im Fußball

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Kevin-Prince Boateng wechselte im vergangenen Sommer zur AC Florenz in die italienische Serie A
Kevin-Prince Boateng wechselte im vergangenen Sommer zur AC Florenz in die italienische Serie A © imago images/Gribaudi/ImagePhoto
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Kevin-Prince Boateng prangert die stetig zunehmende Bedeutung von Geld im Profi-Fußball an. Zudem gefällt dem ehemaligen Star von Eintracht Frankfurt die Einstellung mancher junger Spieler überhaupt nicht.

Der frühere Bundesliga-Star Kevin-Prince Boateng hat harte Kritik an der Einstellung mancher Talente und der zunehmenden Bedeutung der Finanzen im Fußball geübt. Das viele Geld im Markt sei ein "Fluch", meinte der 32-Jährige in einem Interview mit der Bild am Sonntag: "Fußball ist nur noch ein Business, und du bist eine Nummer. Wenn du nicht funktionierst, dann wirst du ersetzt, ganz einfach. Loyalität gibt es nicht mehr. Das ist traurig. Man müsste mal eine Umfrage machen, welcher Profi-Fußballer noch gerne zum Training geht und richtig Spaß hat."

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Der ehemalige Nationalspieler Ghanas weiter: "Klar, Fußball ist für Profis Arbeit. Aber die wird so hoch bezahlt, dass es Stress wird, dass der Druck riesig ist – und dann reden wir schnell über Depressionen und so weiter. Es gibt heute Momente, wo ich Spaß habe und Momente, wo ich keinen Spaß habe, da bin ich ehrlich. Früher hatte ich immer Spaß." Boateng, der Eintracht Frankfurt 2018 zum Sieg im DFB-Pokal führte und inzwischen für die AC Florenz in der italienischen Serie A spielt, sieht in dieser Entwicklung jedoch nicht das einzig Problem des Profi-Fußballs. Auch die Herangehensweise einiger junger Spieler an den Job gefällt dem gebürtigen Berliner überhaupt nicht.

Boateng von Einstellung mancher Talente "genervt"

Es "nerve ihn richtig", wenn "die Jungs ihr Talent nicht leben", meinte Boateng, der zu Beginn seiner Karriere selbst als Enfant terrible galt: "Denn ich weiß ganz genau, was es heißt, das wegzuschmeißen. Es gibt Spieler, die fahren mit ihren 19 Jahren Mercedes, kriegen ihr Monatsgehalt und sind zufrieden. Sie haben soviel Talent und machen nichts dafür, kein Extra-Training, nichts. Nur Playstation spielen und Instagram. Ist okay, aber sie kommen als Letzte zum Training und gehen als Erste. Das habe ich früher zwar auch gemacht, aber heutzutage kannst du dir das im Fußball nicht mehr leisten."


Kevin-Prince Boateng: Die Bilder seiner Karriere.

Seine Profikarriere startete Kevin-Prince Boateng 2005 in Berlin bei Hertha BSC, dort stand er einige Zeit gemeinsam mit seinem Bruder Jérôme (rechts) im Kader. Zur Galerie
Seine Profikarriere startete Kevin-Prince Boateng 2005 in Berlin bei Hertha BSC, dort stand er einige Zeit gemeinsam mit seinem Bruder Jérôme (rechts) im Kader. ©

Seine Beobachtungen führen den Offensivallrounder auch zu folgendem Schluss: "Echte Typen sind fast ausgestorben. Ich finde, so wie Fußball sich verändert hat, so haben sich auch die Menschen verändert. Heute wird es schwierig für ein Mentalitätsmonster. Für einen, der viel schreit, wie man es früher kannte. Mir fehlen diese Leute, ich bin mit denen aufgewachsen. Ich habe in jeder Mannschaft zwei, drei Mentalitätsmonster gehabt, die auch mal dazwischengehauen haben. Die Spieler heute kennen das gar nicht, also kann es denen auch nicht fehlen."