18. März 2020 / 10:42 Uhr

Ex-Rostocker Kevin Schindler als Co-Trainer auf den Färöern: "Wollten ein Selfie mit einem Schaf" (mit Galerie)

Ex-Rostocker Kevin Schindler als Co-Trainer auf den Färöern: "Wollten ein Selfie mit einem Schaf" (mit Galerie)

Lars Sittig
Märkische Allgemeine Zeitung
Kevin Schindler erlebt als Co-Trainer in Torshavn das nächste Abenteuer in seiner abwechslungsreichen Laufbahn.
Kevin Schindler erlebt als Co-Trainer in Torshavn das nächste Abenteuer in seiner abwechslungsreichen Laufbahn. © Privat/SPORTBUZZER-Montage
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Abenteuer auf den Färöer-Inseln: Der Ex-Profi spricht im SPORTBUZZER-Interview über sein Engagement als Co-Trainer im Hohen Norden und die Auswirkungen des Coronavirus.

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Kevin Schindler hat in seiner Laufbahn unter anderem für Werder Bremen, Hansa Rostock und den FC St. Pauli in der ersten und zweiten Bundesliga gespielt. Bereits seine beiden Stationen zuletzt als Spieler beim FC Cincinatti (Ohio, USA) und Cambuur-Leeuwarden (Niederlande) verströmten eine gewisse Exotik, mit einem Engagement als Co-Trainer des HB Torshavn setzt der 31-Jährige frühere Mittelfeldspieler seine Fußball-Abenteuerreise nun auf den Färöer-Inseln fort. Im SPORTBUZZER-Interview spricht er über die Auswirkungen der Coronakrise, Selfies mit Schafen, Profifußball auf den Schafsinseln und eine Besonderheit bei ruhenden Bällen auf dem kleinen Archipel im Nordatlantik.

Herr Schindler, Sie sind jetzt seit einigen Wochen auf den Färöer-Inseln. Halten Sie den Entschluss immer noch für richtig, auf einen winzigen Archipel mitten im Nordatlantik zu wechseln?
Kevin Schindler: Natürlich! Ich bin ein neugieriger Typ, der immer dazu lernen will und Erfahrungen sammeln möchte. Wenn man etwas nicht ausprobiert, weiß man nie, wie es wird. Der Ligabetrieb, der Mitte März beginnen sollte, ist zwar wegen des Coronavirus vorerst ausgesetzt worden und es gibt keinen regulären Trainingsbetrieb mehr – wir haben ein Video mit Übungen für die Spieler zusammengestellt, die sie absolvieren – aber es ist trotzdem sehr spannend hier.

Wie kam es zu Ihrem Engagement? Sie sind 31 Jahre alt und Sie könnten selber noch Fußball spielen.
Nach meiner letzten Station beim SC Cambuur-Leeuwarden in der zweiten niederländischen Liga bin ich erneut vereinslos geworden und hätte auch noch nach Hongkong oder Kanada gehen können, aber ich habe in mich hineingehört und mich dagegen entschieden. Ich habe eine Zeit lang beim BVB mittrainiert und sollte eigentlich einen Einjahresvertrag unterschreiben. Das hat aus verschiedensten Gründen nicht geklappt. Reserve-Coach Mike Tullberg war aber so von mir überzeugt, dass er mir eine Hospitation angeboten hat, die ich sofort angenommen habe. Durch ihn ist der Kontakt zu Jens Berthel Askou, dem Chetrainer von HB Torshavn, zustande gekommen. Die beiden sind sehr gute Freunde und haben zusammen in der ersten Liga in Dänemark den Verein Vendsyssel FF trainiert. Ich habe mich mit Jens Berthel Askou getroffen und wir haben uns sofort verstanden. Wir haben die gleiche Idee, wie wir Fussball spielen wollen. Ich hatte sofort ein gutes Gefühl, es zu machen.

Was haben ihre Kumpels gesagt, als sie von dem Engagement gehört haben? Was kamen für Sprüche?
Ach, sie haben sehr positiv reagiert, was meinen Wechsel anging, die kennen mich – bin halt ein Abenteurer. Die meisten wollten ein Selfie mit einem Schaf (zwinkert).

In Bildern: Färöer – Kleine Inseln, großes Fußballherz.

Impressionen vom Fußball auf den Faröer-Inseln. Zur Galerie
Impressionen vom Fußball auf den Faröer-Inseln. © Lars Sittig

Das sollte problemlos möglich sein – die Inseln heißen aus gutem Grund Schafsinseln, sonst ist aber wenig bekannt. Was wussten Sie vorher über die Inselgruppe?
Ich wusste nicht viel von den Inseln. Ich habe nur die Länderspiele der deutschen Nationalmannschaft dort verfolgt, aber das war schon beeindruckend, wie beherzt und sehr sympathisch das Team auftrat. Aber das ist ja auch einer der Gründe, ein Abenteurer zu starten – weil man Unbekanntes entdecken kann.

Was haben Sie bisher so alles entdeckt?
Sehr viele nette, hilfsbereite Menschen zum Beispiel. Die Färinger haben auch eine andere Mentalität als wir Deutschen. Komm ich heut nicht, komm ich morgen – es ist alles bisschen ruhiger hier eben. Aber auch die Landschaft hier ist sehr beeindruckend. Es gibt viele Kleinigkeiten, die sehr interessant sind. Man darfauf den Färöer-Inseln beispielsweise als einziges Land der Welt bei einem ruhenden Ball den Ball festhalten, weil er wegen des starken Windes in den seltensten Fällen ein ruhender Ball ist. Ich war jetzt in vielen Ländern auf der Welt und habe gesehen, wie dort Fussball gespielt oder trainiert wird – es ist auch hier eine Erfahrung in jeder Hinsicht.

Wie wird Fußball gespielt, gibt es Proficlubs?
Ja und nein. Strukturell muss sich das Land hier noch entwickeln. Eine Handvoll an Spielern unserer Mannschaft bei HB, dem erfolgreichsten Club auf der Insel, hat einen Profivertrag, die anderen gehen von morgens bis nachmittags arbeiten. Wir im Trainerteam sind deshalb auf die Insel gekommen, um die Spieler zu entwickeln und auf einen Top-Niveau zu bringen. Jeder kann davon profitieren.

Üben Sie ihren Co-Trainer-Job hauptberuflich aus?
Ja, ich bin hauptberuflich hier.

Die erste färingische Liga hat für eine Bevölkerungszahl von rund 50 000 Einwohnern ein erstaunliches Niveau. Wenn man 50 000 Einwohner durch zwei teilt, bleiben noch 25 000 Männer übrig, von denen sich vielleicht 2000 im leistungssportfähigen Alter befinden. Ist die enorme Fußballbegeisterung – jedes einsame Gehöft hat einen Bolzplatz, die Ligaspiele sind mit teilweise über 1000 Fans sehr gut besucht – der Grund für das im Vergleich zur Population exzellente Nationalteam?
Ja, durchaus und wir wollen deshalb den Spielern die Möglichkeit geben, sich in jeder Hinsicht zu verbessern, gerade auch für die Nationalmannschaft. Es schlummern hier viele Talente. Wissen Sie, was mich am meisten überrascht hat?

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Erzählen Sie.
Der Ehrgeiz der Spieler – die wollen immer trainieren und kriegen nie genug.

Mit welcher deutschen Liga lässt sich das Niveau der höchsten Spielklasse vergleichen?

Mit dem unteren Drittel der dritten Liga und der Regionalliga.

Andere Länder, andere Sitten: Haben Sie schon etwas Skurriles erlebt?
Ja, bei einer Vereinsfeier. Dort gab es Lamm, das drei bis vier Monate gelagert und dann geräuchert wurde. Es war nicht sehr appetitlich. Ich habe es dennoch probiert – es ist hier wohl ein Traditionsessen.

Was kann man abends so treiben in Torshavn, mit 15 000 Einwohnern ist die Hauptstadt nicht gerade eine Megacity?
Das ist nicht London, schon klar, aber deshalb kommt man ja nicht hierher. Ehrlich gesagt, war ich bis jetzt einmal abends essen und das war mit unserem Trainerteam und den Vereinsverantwortlichen. Ich lebe in Tórshavn in einer Drei-Zimmer-Wohnung, ich fühle mich sehr wohl.

Wie lange wollen auf den Färoer Inseln bleiben? Und wie planen Sie ihre Zukunft?
Ich habe hier für ein Jahr unterschrieben, wer weiß, was noch alles kommt – man sieht ja am Coronavirus, wie schnell sich alles ändern kann. Die Zukunft konnte ich in meinem Leben noch nie so wirklich planen, dennoch stehen Trainerlizenzen ganz oben auf meiner Liste. Wo und wann ich in den nächsten Jahren bin, weiß man nie im Fussball. Ich lasse – wie immer – alles auf mich zukommen.

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