13. März 2021 / 09:56 Uhr

Kicken bei den Nachbarn: Warum ein Wechsel des Landesverbandes Sinn machen kann

Kicken bei den Nachbarn: Warum ein Wechsel des Landesverbandes Sinn machen kann

Frank Müller
Leipziger Volkszeitung
Wechseln lohnt sich: Die Spieler von Eintracht Söllichau haben durch die Mitgliedschaft im neuen Verband nun kürzere Anfahrtswege - und lernen neue Sportplätze kennen.
Wechseln lohnt sich: Die Spieler von Eintracht Söllichau haben durch die Mitgliedschaft im neuen Verband nun kürzere Anfahrtswege - und lernen neue Sportplätze kennen. © Alexander Prautzsch
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In Thüringen zu Hause, aber in einer sächsischen Liga am Start? Das ist gar nicht so selten. Für manche Vereine macht ein Wechsel des Landesverbandes durchaus Sinn. Oftmals sind so beispielsweise die Wege bei Auswärtsspielen kürzer. Auch weitere Gründe spielen häufig eine Rolle. Wir haben bei betroffenen Vereinen nachgefragt.

Sachsen. Derzeit scharren alle Fußballer ungeduldig mit den stollenbewährten Töppen, sie wollen endlich wieder kicken. Da scheint es relativ egal, wo das geht. Es könnte sogar sein, dass es in manchen Verbänden eher wieder möglich ist als in benachbarten. Auch im Fußball wird wie gebannt auf die Inzidenz geschaut, auf diesen Wert, der bis zum Frühjahr, als uns noch der „R-Wert“ als entscheidend nahegebracht wurde, dem Normalbürger gänzlich unbekannt war.

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Ein Grund, den Verband zu wechseln, ist aber weder der eine noch der andere Richtwert. Dafür gibt es andere Ursachen, meistens ist es „territoriale Zweckmäßigkeit“, wie es Volkmar Beier, der Spielausschuss-Chef des Sächsischen Fußball-Verbandes (SFV), nennt. Für manche Vereine ist es aufgrund der geographischen Lage logistisch einfach günstiger, bei den Nachbarn mitzuspielen.

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Beispiele dafür gibt es in unteren Spielklassen einige. So spielt seit 2018 in der Kreisklasse Nordsachsen Eintracht Söllichau aus Sachsen-Anhalt mit. „Für uns ist das eindeutig positiv. Da wir gleich an der Landesgrenze liegen, sind die Wegstrecken jetzt viel kürzer“, sagt Eintrachts Vizepräsident Björn Kieselstein. „Außerdem ist es für mich noch immer interessant, mal andere Sportstätten zu sehen. Das gibt Anregungen, wie die Vereine im Nachbarkreis ihre Plätze gestalten und Probleme dabei lösen“, beschreibt er diesen zusätzlichen Reiz des Liga-Wechsels.

Lücken schließen

Es gibt weitere Beispiele wie das der Fußballerinnen des ZFC Meuselwitz. Sie kicken in der Landesklasse Nordsachsen mit statt in der Verbandsliga Ost Thüringens. Im Osterland hatte sich die Bevölkerung kurz nach der „Wende“ ohnehin zu Sachsen bekannt. Die damaligen Politiker entschieden indes pro Thüringen. Die ZFC-Frauen korrigierten das später für sich ganz speziell, zumal es bei ihnen keine Kreisliga – die für sie ohnehin zu schwach wäre – gibt. Und es ist gut für Sachsens Landesklasse, wo die Meuselwitzerinnen das Niveau im Vorderfeld mitbestimmen. Weitere Beispiele gibt es unter anderem In Ostsachsen. Dort spielen manche Teams nicht im Nachbarland, aber im Nachbarkreis, auch im Nachwuchs wird das dort teilweise praktiziert.

Mitunter macht so ein Wechsel auch für Spielgemeinschaften Sinn, wie für die zwischen dem TSV Röcknitz und der SG Strelln/Schöna. Die Gemeinden liegen nur wenige Kilometer auseinander, die Röcknitzer gehören aber zum Kreis Leipziger Land, Strelln/Schöna hingegen zu Nordsachsen, wo die „SpG“ der Zweckmäßigkeit halber auch spielt – übrigens in der gleichen Kreisklasse-Staffel wie die Söllichauer. „Sie reißen in ihren eigentlichen Kreisen keine Lücke, sondern schließen sogar dort welche, wo sie mitmachen“, lobt Beier diese Fälle, betont aber: „Das muss trotzdem stets einzeln Fall für Fall entschieden werden, und zwar jeweils nur für ein Spieljahr. Denn die Verbände genießen laut Satzung Gebietsschutz.“

Meist unbürokratisch

Wenn sich ein Verein (oder auch nur eine Mannschaft) für die benachbarte Liga entscheidet, muss er also erst seinen abgebenden Landes- und Kreisverband fragen. Bei Zustimmung trägt der wechselwillige Verein beim Zielverband sein Ansinnen vor. „Das geht meist unbürokratisch vonstatten und wird nach Sinnhaftigkeit entschieden“, sagt Beier. Die Vereine der betroffenen Spielklasse würden ebenfalls über die Neuen informiert. Bei all dem gibt es in aller Regel keine Probleme. „Käme von den dortigen Vereinen per Votum Ablehnung, würden wir uns dem als Verband beugen“, erklärt der Spielausschuss-Vorsitzende. Doch das ist zumindest in Sachsen bislang wohl noch nicht vorgekommen, zumal es ja meist um unterste Klassen geht.


Langjährige Sonderfälle gibt es im Leipziger Umland. Und zwar haben etliche Vereine aus dem ehemaligen Landkreis Leipzig, der die Messestadt quasi umringte und dessen Verband deshalb vor rund 30 Jahren mit dem der Stadt fusionierte, sich dauerhaft zu Leipzig bekannt. So wie die SG Taucha, Eintracht Schkeuditz oder etliche andere, die in Nordsachsen mitspielen müssten, entschied beispielsweise der SSV Markranstädt, der heute zum Landkreis Leipzig gehört, mit den Teams auf Kreisebene generell in der Stadt mitzuspielen. Das ist angesichts der meist deutlich günstigeren Anfahrten zu den Kontrahenten einfach praktischer und damit auch billiger.