11. April 2022 / 18:58 Uhr

Kiel-Pleite, Ballbesitz und Effektivität: Warum der HSV bereits für Jahr fünf in Liga zwei planen kann

Kiel-Pleite, Ballbesitz und Effektivität: Warum der HSV bereits für Jahr fünf in Liga zwei planen kann

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Der HSV kann nach der Pleite gegen Holstein Kiel fast sicher für ein weiteres Zweitliga-Jahr planen.
Der HSV kann nach der Pleite gegen Holstein Kiel fast sicher für ein weiteres Zweitliga-Jahr planen. © IMAGO/Claus Bergmann/Hübner (Montage)
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Der HSV hat seine Aufstiegschance so gut wie verspielt. Nach der erneuten Niederlage bei Holstein Kiel können die Verantwortlichen allmählich die Planung für die nächste Zweitliga-Saison aufnehmen. Immerhin soll nach derzeitigem Stand diesmal kein Trainer-Wechsel erfolgen.

Im Hamburger Volkspark kann die Führungsspitze die Planungen für die fünfte Zweitliga-Saison aufnehmen. Die bittere 0:1-Niederlage des Hamburger SV bei Holstein Kiel lässt zwar noch rechnerische Möglichkeiten, glauben mag aber auch Trainer Tim Walter nicht mehr an die Rückkehr in die Bundesliga. "Wenn wir die Spiele nicht gewinnen, brauchen wir nicht vom Aufstieg zu reden", sagte der Coach. Bei nur noch fünf anstehenden Spielen und sieben Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz ist der vierte gescheiterte HSV-Anlauf auf das Oberhaus seit dem Abstieg im Jahr 2018 kaum noch zu vermeiden.

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Auch Torjäger Robert Glatzel schiebt den Gedanken weit von sich, "so wie wir die Punkte leichtfertig verschenken", wie er betonte. Der Fokus ist jetzt neu justiert. Glatzel: "Mit dem Pokalspiel haben wir noch ein Highlight. Das wollen wir natürlich nutzen, um das Bestmögliche rauszuholen aus der Saison." Im Halbfinale trifft der HSV am 19. April auf den SC Freiburg.

Auch nach der vierten Niederlage bei nur einem Sieg in den jüngsten sieben Spielen und nur fünf von 21 möglichen Punkten will der Verein am eingeschlagenen Weg festhalten. "Kontinuität spielt natürlich eine wichtige Rolle", sagte Sportvorstand Jonas Boldt am Sonntag bei Sky. "Tim Walter macht die Sache sehr, sehr gut. Das sieht man in vielen Spielen. Da werden wir auch Geduld haben."

Die Bilanz nach 29 Spieltagen ist allerdings spärlicher als in den vorangegangenen drei Zweitliga-Jahren, als nacheinander die Trainer Christian Titz und Hannes Wolf (2018/19), Dieter Hecking (2019/20) und Daniel Thioune (2020/21) gingen oder gehen mussten. 45 Zähler stehen bislang in dieser Saison zu Buche. Die Zahlen in den drei Spieljahren zuvor zum gleichen Zeitpunkt: 50, 49, 52.

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Nächster Trainer-Wechsel keine Option?

Doch anders als in den Vorjahren gilt für die HSV-Chefs: Kontinuität statt unproduktive Trainerrotation, langfristige Entwicklung statt kurzfristige, aber nicht dauerhafte Erfolge. Ein weiterer Wechsel auf der Trainerposition wäre tatsächlich kaum hilfreich, weil so ziemlich alle Typen und Strategien bereits ausprobiert worden sind.

Der HSV ist das Zweitliga-Team mit dem meisten Ballbesitz. Das sieht meist gut aus, ist aber keine Garantie für Effektivität. In Kiel hatten die Hamburger zu 70 Prozent den Ball. Der KSV-Defensivmauer reichten die restlichen 30 Prozent für drei Punkte. Ein einziger Konter langte, um die beim Gegentor von Kwasi Wriedt (13. Minute) wie eine Schülermannschaft verteidigende HSV-Defensive zu überrumpeln. "Wir arbeiten und investieren so viel, aber wir schaffen es noch zu selten, uns dafür zu belohnen", räumte Walter zerknirscht ein.

Der HSV hat die wenigsten Gegentore (30) in der 2. Liga kassiert und musste gemeinsam mit Werder Bremen die wenigsten Niederlagen (6) hinnehmen. Das ist nicht nur ein Verdienst der Abwehrreihe, sondern auch Resultat der Ballbesitz-Kultur. Kommt der Gegner kaum an den Ball, hat er auch nur wenige Torchancen. Gemessen an Siegen (11) ist der HSV allerdings nur siebtbester Zweitligist, gemessen an den Unentschieden ist er mit dem Kalrsuher SC (je 12) zweifelhafte Ligaspitze. "Das gehört zur Entwicklung dazu, daran arbeiten wir weiter", sagte Walter. Er gestand aber auch: "Ich hasse es zu verlieren."

Erfreut zeigte sich der 46 Jahre alte Fußballlehrer, dass endlich wieder die Stadien voll sind, HSV-Fans auch auswärts das eigene Team unterstützen. Doch über die zehnminütige Spiel-Unterbrechung vor gut 15.000 Zuschauern im Holstein-Stadion, weil Anhänger im HSV-Fanblock Böller und Bengalos zündeten und das Stadion in dichten, stinkenden Nebel tauchten, war er keineswegs glücklich. "Irgendwann ist es auch gut. Dann schadest du deinem Verein vielleicht mehr", mahnte Walter.

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