08. Januar 2021 / 15:11 Uhr

Kinder-K(l)ick im Lockdown: Wie können Trainer ihre Teams motivieren?

Kinder-K(l)ick im Lockdown: Wie können Trainer ihre Teams motivieren?

Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Teamsitzung per Video: Die talentierten Geschwister Saida (TSV Limmer, rechts) und
 Tarik Mihambo (JSG Hannover West) beim Zoom-Meeting mit der E 1 aus Limmer. Die Hinrunde war für beide erfolgreich, jetzt müssen sie wieder warten, bis Training erlaubt ist und ihr Sportplatz wieder geöffnet wird. 
Teamsitzung per Video: Die talentierten Geschwister Saida (TSV Limmer, rechts) und Tarik Mihambo (JSG Hannover West) beim Zoom-Meeting mit der E 1 aus Limmer. Die Hinrunde war für beide erfolgreich, jetzt müssen sie wieder warten, bis Training erlaubt ist und ihr Sportplatz wieder geöffnet wird.  © Debbie Jayne Kinsey
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Die Sportplätze sind gesperrt, auch die Kinder dürfen nun nicht mehr in Gruppen bolzen, schon gar nicht im Team. Wie können die Spielerinnen und Spieler noch motiviert werden weiterzumachen? Der DFB appelliert an Trainer, Kontakt zu halten. Viele tun das, mit Online-Konferenzen und kleinen Aufgaben. Manchmal wird es sogar musikalisch...

Im Juli 2020 war er wieder erlaubt: der Vollkontakt für die kleinen Fußballer. Trainer Oliver Rothenburger leitete das erste Zweikampftraining nach dem ersten Lockdown bei der SG 74. Rothenburger wunderte sich über seine neunjährigen Kicker: „Das ist noch nicht so knackig wie früher, die kloppen sonst mehr rein.“ „Darf ich einen weggrätschen?“, fragte ein Spieler.

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Der Trainer nickte, ein Spaß. Seit Oktober ist der Spaß wieder vorbei, an der Graft bei der SG 74 in Hannover, Deutschland, der Kinderfußball steht in der ganzen Welt still wegen der Infektionszahlen. Für die Kinder, sagt Rothenburger, „tut mir das total leid, sie können ihre Leidenschaft, ihr Feuer für Fußball nicht mehr ausleben, das macht mich betroffen.“

Die Bilder der Saison 2020/21 in Hannovers Amateurfußball

Levestes Sascha Romaus überwindet Kirchdorfs Schlussmann Jens Trampenau und trifft zum vermeintlichen 1:1-Ausgleich. Zur Galerie
Levestes Sascha Romaus überwindet Kirchdorfs Schlussmann Jens Trampenau und trifft zum vermeintlichen 1:1-Ausgleich. ©

Telefonate, Onlinetraining, Zoom-Konferenzen

In der Hinrunde konnten die Mädchen und Jungs gut leben mit den Abstandsregeln. Aber ganz ohne Fußball? Die Sportstätten blieben geschlossen, einige trafen sich auf Bolzplätzen. Auch das fällt nun weg nach den aktuellen Regeln des härteren Lockdowns.

Kein Bolzer, keine Hallenrunden, kein Training – und die Weihnachtsfeiern fielen aus. Der Kinderfußball ist wie eingefroren. Nicht absehbar, wann die Talente wieder auftauen dürfen. „Ich rechne frühestens Mitte März damit“, sagt Tobias Lehmann, der bei der JSG Hannover West in Limmer die D- und ­E-Junioren gemeinsam mit Timm Ratzsch betreut. Was können die Trainer nur tun?

Klicken statt kicken. Telefonate, Onlinetraining und Zoom-Konferenz sind zurzeit die einzigen Wege, sich zu treffen. Rothenburger gibt den Kindern „Hausaufgaben über die Whatsapp-Gruppe, eventuell können sie mit den Papas 50 Pässe mit links und rechts hin- und herspielen“.

Die D-Junioren der JSG Hannover West klickten sich vergangenen Montag nach längerer Pause in eine Neujahrskonferenz. „Es war toll, die Kinder zu sehen“, sagt Trainer Lehmann. „Die Kinder haben erzählt, was sie zu Weihnachten geschenkt bekommen haben, dann fing einer an, Keyboard zu spielen.“


Kontakt: Trainer Oliver Rothenburger (links) durfte seine Spieler im Juli
 wieder umarmen. Auch auf diese Teamnähe müssen die Kinder jetzt verzichten.
Kontakt: Trainer Oliver Rothenburger (links) durfte seine Spieler im Juli wieder umarmen. Auch auf diese Teamnähe müssen die Kinder jetzt verzichten. © Debbie Jayne Kinsey

Plötzlich wird's sogar musikalisch

Torwart Niko gab den Ton zuerst an. „Dann haben plötzlich vier Keyboard gespielt“, erzählt Lehmann. Die Truppe spielt seit mehreren Jahren erfolgreich zusammen. Sie wird sich auf dem Platz wiedersehen, wann das auch immer sein wird.

Im ersten und zu Beginn des zweiten Lockdowns hatten die JSG-Trainer den Kindern noch Aufgaben gegeben. „Aber die Rückläufe wurden weniger, nach fünf oder sechs Videos ist das nicht mehr so interessant“, weiß Lehmann. „Uns ist einfach wichtig, dass die Kinder sich ab und zu sehen.“ Und wenn es nur am Computer ist.

Am Tag nach den D-Junioren trafen sich die E-Junioren in einer Zoom-Konferenz. Es gab zwar kein Keyboardkonzert, „aber sie haben viel gequatscht und ein Computerspiel gespielt“, sagt Lehmann. „Es ist gut, dass sich die Kinder so austauschen, aber ein perfektes Konzept für diese Situation gibt es nicht.“ Die DFB-Chefausbilder appellieren dennoch an die Trainer, es zu versuchen, den Kontakt nicht abreißen zu lassen

."Nach dem ersten Lockdown habe ich schon gesehen, dass einige ein bisschen moppelig werden"

Özkan Karakas, Kreisauswahltrainer aus Hannover, befürchtet: „Wir werden viele Kinder verlieren. Alles, was Fußball bedeutet, fehlt.“ SG-74-Trainer Rothenburger ist optimistisch, dass sein Team zusammenhält: „Ich habe keine Angst, dass jemand abspringt. Aber nach dem ersten Lockdown habe ich schon gesehen, dass einige ein bisschen moppelig werden, nicht so fit sind.“

Das aktuelle Fußballverbot dauert inzwischen schon länger als das erste im vergangenen Frühjahr. „Wir werden Defizite haben“, glaubt auch Rothenburger. Das gilt für alle Kinder, die aktuell nur für sich kicken können. Ball hochhalten, Tricks lernen, ein bisschen fit halten. Alles besser als nichts.