07. Mai 2022 / 17:56 Uhr

Kirstein schießt BSG Chemie zum Derby-Sieg gegen Lok - Partie zwischenzeitlich unterbrochen

Kirstein schießt BSG Chemie zum Derby-Sieg gegen Lok - Partie zwischenzeitlich unterbrochen

Frank Schober
Leipziger Volkszeitung
Jubel der BSG nach dem 2:1 Tor
Die Kicker der BSG Chemie bejubeln den entscheidenden Treffer zum 2:1. © Christian Modla
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Das Hinspiel hatte der 1. FC Lok für sich entschieden. Teil zwei des Leipziger Derbys ging am Samstag an die BSG Chemie. Die war Gastgeber und feierte einen frenetisch umjubelten 2:1-Erfolg. Unschön: Die Partie musste in Halbzeit zwei nach Ausschreitungen im Lok-Block für eine reichliche Viertelstunde unterbrochen werden.

Leipzig. Chemie gelingt die Revanche, die Fußball-Stadtmeisterschaft der Traditionsvereine endet damit in dieser Regionalliga-Saison Unentschieden. Ein halbes Jahr nach dem 1:0-Sieg des 1. FC Lok in Probstheida gewannen die Leutzscher am Samstag das Derby-Rückspiel im Alfred-Kunze-Sportpark vor 4999 Zuschauern mit 2:1 (1:0). Dabei unterlief Lok-Goalgetter Djamal Ziane in Hälfte eins ein Eigentor. Nach dem Ausgleich durch Leon Heynke wurde Florian Kirstein zum Matchwinner. Chemie gewann auch deshalb, weil die Mannschaft bei Eckbällen gefährlicher war. Nach dem Triumph jubelte Stefan Karau besonders euphorisch – es war das letzte Heimspiel des Chemie-Kapitäns. Er beendet nach der Saison seine Karriere. Die Leutzscher haben einen einstelligen Tabellenplatz (Rang neun) damit so gut wie sicher, Lok ist Fünfter.

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Polizei muss in der 50. Minute ran

Auf dem Rasen ging es bis auf eine kleine, kurze Rudelbildung in Hälfte eins friedlich zu, auf den Rängen blieb es keineswegs ruhig. Vor der Pause griff die Polizei auf BSG-Seite ein, weil Fans auf den Zaun geklettert waren. Die quittierten den Einsatz mit dem Werfen von Steinen, Holzlatten und mehr. Kurz nach dem Seitenwechsel gab es eine 17-minütige Spielunterbrechung, weil Raketen aus dem Lok-Block abgefeuert worden waren. Der sehr gute Unparteiische Philipp Vierock aus Berlin schickte beide Teams in die Kabinen und pfiff unter einer Maßgabe und nach Freigabe durch die Polizei wieder an: Beim nächsten Vorfall würde er das Derby abbrechen.

DURCHKLICKEN: Ausschreitungen beim Derby

Das Leipziger Derby zwischen der BSG Chemie und dem 1. FC Lok musste in der 50. Minute unterbrochen werden. Die Polizei stürmte auf den Rasen, verhinderte Schlimmeres. Zur Galerie
Das Leipziger Derby zwischen der BSG Chemie und dem 1. FC Lok musste in der 50. Minute unterbrochen werden. Die Polizei stürmte auf den Rasen, verhinderte Schlimmeres. ©

In Hälfte eins erlebte der 1. FC Lok nach gutem Beginn einen Schock: Ausgerechnet der „Mister 1:0“ ist im Leipziger Derby der Unglücksrabe und wird für die Blau-Gelben zum „Mister 0:1“: Djamal Ziane hat in der zu Ende gehenden Regionalliga-Saison 21 Mal für den 1. FC Lok Leipzig geknipst und dabei so häufig den Führungstreffer erzielt. Doch in der 38. Minute des Stadtduells wollte er am Samstag im Leutzscher Alfred-Kunze-Sportpark eigenen Strafraum klären – und traf unglücklich ins eigene Netz.

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Es war der erste Eckball der BSG Chemie, der von Brügmann getreten scharf und platziert in den Strafraum flog. Ziane stand zehn Meter vor dem Tor auf Halbrechts unter Druck, weil Chemie-Kapitän Stefan Karau an seinem Auspuff drängelte. Ziane wollte den Ball aus der Gefahrenzone bringen und traf mit dem Schienbein ins eigene Netz – unhaltbar für Keeper Jan-Ole Sievers. Karau nahm zwar in Zianes Rücken ein wenig die Hände zu Hilfe, doch ein Foul erkannten die Unparteiischen nicht.

Chemie zur Pause siegessicher

Dieser Treffer für die Gastgeber hatte sich nicht angedeutet. Lok war in der ersten reichlichen halben Stunde tonangebend, hatte aber auch nur eine zwingende Chance – natürlich durch Ziane. In der 22. Minute tankte sich Luca Sirch mit einem tollen Solo bis an den Strafraum, seine Links-Flanke landete maßgerecht auf der Stirn des Goalgetters, doch Benjamin Bellot kratzte den Ziane-Kopfball reaktionsschnell aus dem Winkel.

Chemie-Co-Trainer Christian Sobottka äußerte sich in der Halbzeitpause am MDR-Mikro siegessicher. „Es hat heute 25 Minuten gebraucht, ehe es für uns so richtig losgeht. In der zweiten Hälfte spielen wir auf unsere Seite und wollen das Ding ziehen.“ Doch in der 74. Minute – also kurz nach der Unterbrechung - unterlief seinem Keeper Benjamin Bellot ein schwerer Patzer. Nachdem eine Ecke längst geklärt war, unterschätzte er die folgende lange Flanke aus dem Mittelfeld, die er mit den Fingerspitzen verlängerte. Leon Heynke stand goldrichtig und vollendete per Kopf zum 1:1.

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Die BSG Chemie hat das Leipziger Derby gegen den 1. FC Lok mit 2:1 für sich entschieden. Zur Galerie
Die BSG Chemie hat das Leipziger Derby gegen den 1. FC Lok mit 2:1 für sich entschieden. ©

Doch Chemie war nur kurz geschockt, es ging jetzt hin und her, beide Teams haben aussichtsreiche Szenen. Unter anderem landete ein schöner Schuss von Chemie-Mittelfeldmann Denis Mast auf dem Tornetz des Sievers-Gehäuses. Der stand dann auch wenig später im Mittelpunkt des Geschehens. Diesmal schlug er einen fantastischen Eckball direkt in den Fünf-Meter-Raum, Sievers klebte geradezu auf der Linie und konnte nicht mehr eingreifen, als Florian Kirstein den Ball zum 2:1 in die Maschen drückte. Nun ärgerte sich der Lok-Torhüter gewaltig. 90 Minuten waren nun abgelaufen, doch es folgten ja wegen der Unterbrechung noch 17 Minuten plus Nachspielzeit

Nun drückte Lok, doch Bellot machte seinen Fehler wieder gut, als er einen Ziane-Schuss reaktionsschnell parierte. Dann drang Sirch gefährlich in den Strafraum ein, doch er fand den eingewechselten Nattermann nicht. Wenige Minuten später trat Abderrahmane zum Freistoß an, doch der Ball landete in der Mauer. Lok hatte gute Chancen doch Chemie konterte in einem nun mitreißenden Derby gefährlich und feierte nach dem Abpfiff ausgelassen mit den Fans.

Die Stimmen zum Derby:

Siegtorschütze Florian Kirstein: "Das war ein schönes Geschenk für Benjamin Boltze und Stefan Karau - einen schöneren Abschied kann man beiden gar nicht wünschen. Deshalb freue ich mich besonders, dass ich getroffen habe. Der Ball ist mir direkt vor die Füße gefallen. Diese Ecken-Variante hatten wir unter der Woche geübt - schön, dass es geklappt hat."

Lok-Coach Almedin Civa: "Das Stadion hat nicht gewonnen. Zwei Standards haben gewonnen. Wir haben 90 Minuten ein starkes Spiel gemacht, hatten das Spiel in der ersten Halbzeit komplett unter Kontrolle. Dann kommt das 1:0. Das muss man sich angucken. Wir kommen nach der Pause gut rein. Nach dem 1:1 ist das Spiel ausgeglichen. Chemie kontert nur. Und wir kriegen wieder so ein Drecks-Standardtor. Der Mannschaft kann ich nix vorwerfen. Das war unter diesem Druck in diesem Stadion einfach geil. Für uns ist das einfach bitter."

BSG-Coach Miroslav Jagatic: "Das ist eins von den Highlights, die wir erzielen wollten. Es war ein typisches Derby, mit allem was dazugehört. Jetzt lassen wir das erstmal ein bisschen sacken. Es war nicht überragend gespielt, da war sehr viel Nervosität. Die Fans haben unglaublich unterstützt, auch die Lok-Fans. Ich hoffe, dass alles jetzt auch ruhig bleibt. Wir haben alle auch eine Vorbildfunktion für unsere Kinder. Das macht sonst auch den ostdeutschen Fußball kaputt."

BSG-Vorstand Frank Kühne: "Ich bin super happy, das war ein verdienter Sieg, ich bin stolz auf die Truppe."

Mehr zum Spiel

Die Statistik zum Derby:

Chemie: Bellot - Brügmann (90.+11 Boltze), Karau, Horschig, Wendt - Reinhard - Kanther (90.+1 Wajer), Bury, Mast, Mauer (69. Jäpel) - Kirstein (90.+1 Müller).

Lok: Sievers - Berger, Eglseder, Sirch, Salewski (90.+4 Nattermann) - Abderrahmane, Heynke (90.+17 Atilgan) - Ogbidi, Pfeffer, Rangelov - Ziane.


Tore: 1:0 Ziane (38./Eigentor), 1:1 Heynke (74.), 2:1 Kirstein (90.).