04. Juni 2021 / 17:49 Uhr

Klamt und Bürger über das U23-Aus beim VfL: "Es gab erst mal nur leere Gesichter"

Klamt und Bürger über das U23-Aus beim VfL: "Es gab erst mal nur leere Gesichter"

Benno Seelhöfer
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Blicken auf das emotionale U23-Aus beim VfL zurück: Klub-Urgestein Julian Klamt (r.) und Trainer Henning Bürger.
Blicken auf das emotionale U23-Aus beim VfL zurück: Klub-Urgestein Julian Klamt (r.) und Trainer Henning Bürger. © Roland Hermstein
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Seit rund einem Monat ist nun bekannt, dass der VfL Wolfsburg seine U23 abmeldet. Klub-Urgestein Julian Klamt und Trainer Henning Bürger, der den Klub nun verlassen muss, blicken auf diese emotionale Team-Sitzung am 5. Mai zurück.

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Am Montag geht das neue Leben los: Julian Klamt, langjähriger Fixpunkt in der Mannschaft des VfL Wolfsburg II, beginnt seine Arbeit in der Fußball-Akademie des VfL, wird Co-Trainer der U14. "Das wird erst mal ungewohnt, und ich muss versuchen, mich da reinzufuchsen", sagt er mit einem Schmunzeln. Anschließend, wenn die Akademie wieder im Normalbetrieb läuft, wird er zudem auch im Büro-Bereich Erfahrungen sammeln. Das Ende seiner aktiven Karriere war lange geplant - aber, dass es seine "alte" Mannschaft, die U23 des VfL, künftig nicht mehr geben wird, hat ihn dennoch getroffen.

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"Nachdem die Nachricht verkündet war, gab's erst mal nur leere Gesichter. Der Trainer hat allen eine halbe Stunde Zeit gegeben, um nachzudenken, manche mussten erst mal ihren Berater anrufen. Überall waren Fragezeichen im Gesicht", schildert Klamt die Situation, nachdem das Team über das Aus informiert worden war. Der Klub habe den Spielern dann größtenteils freie Hand gelassen, wie sie daraufhin mit den angesetzten Testspielen (wurden abgesagt) und Trainingseinheiten verfahren wollen. Wer sich fit halten will, kann das noch tun. Ansonsten ist die Mannschaft aber bereits aufgelöst, ein kleines Abschieds-Essen gab's auch schon.

Seine Karriere ist zwar von der Entscheidung nicht direkt betroffen, dennoch blutet Klamt als Klub-Urgestein und gebürtigem Wolfsburger das Herz. "Viele haben zu mir gesagt: 'Julian, dich betrifft's doch nicht.' Ich habe aber mehr als mein halbes VfL-Leben in dieser Mannschaft verbracht. Im Endeffekt ist die U23 die einzige Mannschaft, die ich im Herrenbereich hatte", gibt Klamt Einblick in seine Gefühlswelt. "Ich habe da 13 Jahre alles reingesteckt, dann ist die plötzlich einfach gelöscht. Da müsste ich lügen, wenn ich sagen würde, dass einen das überhaupt nicht trifft oder spurlos an einem vorbeigeht."



Für den eigenen Abschied war das Ende der U23 der "Worst Case", wie Klamt sagt. "Beim letzten Training hat mich noch meine Familie überrascht, das war schön. Aber da war kein richtiges Feeling. Das war unrühmlich für eine doch insgesamt gute U23-Zeit", bedauert Klamt. Aber: Vor wenigen Tagen gab es dann doch noch eine Verabschiedung - wenn auch eine kleine. In einem Video auf Wölfe-TV blickt das Klub-Urgestein auf besondere Momente in seiner Karriere zurück. "Das ist sehr gut gelungen. Das war eine tolle Idee", freut sich Klamt. Außerdem bekam er eine Art Stadion-Heft über seine Karriere vom Klub überreicht, in der auch Grußbotschaften von ehemaligen Weggefährten wie Valérien Ismael oder Rüdiger Ziehl enthalten sind. "Vielleicht kommt noch was, das weiß ich aber nicht. Ich würde mich allerdings sehr freuen, noch mal richtig tschüss zu sagen!"

Wie es für Klamt weitergeht, ist klar - die Zukunft von Ex-VfL-II-Trainer Henning Bürger ist dagegen offen. Auch den Fußballlehrer hat das Aus seiner Mannschaft getroffen, aber dem Klub gegenüber hegt er keinen Groll. "Ich versuche, da keine Emotionen reinzulegen", sagt er. Die Achterbahnfahrt im Fußball-Geschäft kennt der Ex-Profi sowieso schon lang. "Ich bin bereits als Spieler zwischen den Ligen gependelt, bin aufgestiegen aber gleich wieder abgestiegen", erinnert er sich. "Dazu bin ich bei Eintracht Braunschweig mit der U23 am letzten Spieltag zwangsabgestiegen, weil die Erste runter musste. Da waren wir gerade unterwegs, da bin ich praktisch im Bus meinen Job losgeworden. Das jetzt haut mich auch nicht um." Vielmehr sehe er die Chance, etwas Neues zu machen - egal, ob im Herren oder Nachwuchsbereich. "Manchmal geht's ruckzuck und manchmal dauert's länger. Ich kenne das Geschäft."

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Und er denkt an seine Spieler und an den Moment, als VfL-Sportdirektor Marcel Schäfer das U23-Aus vor gut vier Wochen verkündete: "Wenn man da in die Gesichter geschaut hat, war das schon krass. Da sind junge Burschen dabei, manche auch aus dem Ausland. Puh, das ging einem richtig nah, das ging aber auch Marcel Schäfer nah." Bürger bekam vom Klub eine betriebsbedingte Kündigung. "Manchmal sitzt man vor dem Fernseher und hört: Ein großer Konzern streicht 500 Stellen. Da ist das nur eine Zahl", sagt er. "Aber jetzt ist man selbst betroffen. Das sind so Gedanken, die einem dann durch den Kopf gehen."