07. Juli 2019 / 08:09 Uhr

Klares Ziel: Vollgas-Eishockey der Icefighters Leipzig im Kohlrabizirkus

Klares Ziel: Vollgas-Eishockey der Icefighters Leipzig im Kohlrabizirkus

LVZ-Sportbuzzer
Leipziger Volkszeitung
Icefighters-Geschäftsführer André Krüll stand im SPORTBUZZER-Interview Uwe Köster und Frank Schober Rede und Antwort.
Icefighters-Geschäftsführer André Krüll stand im SPORTBUZZER-Interview Uwe Köster und Frank Schober Rede und Antwort. © Andre Kempner
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Icefighters-Geschäftsführer André Krüll spricht im SPORTBUZZER-Interview u.a. über die Eisarena, die DEL2 und eine wichtige Personalie.

Leipzig. Es ist Sommer, Urlaubszeit, die Ligen in den meisten Sporarten pausieren. Doch im Sport gibt es eigentlich keine Pause – schon gar nicht für Manager der Vereine, die in professionellen oder semiprofessionellen Ligen spielen. Im ersten Teil unserer kleinen SPORTBUZZER-Sommerinterview-Serie spricht André Krüll, 49, Geschäftsführer des Eishockey-Oberligisten Exa Icefighters Leipzig, über die erste Saison im Kohlrabizirkus, wie das Ziel DEL2 erreicht werden kann und über eine wichtige Personalie. Denn im Kader für die neue Spielzeit fehlte noch eine wichtige Position – ein zweiter Torhüter.

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SPORTBUZZER: Wann kommt endlich der neue Goalie?

André Krüll: Da kann ich jetzt ganz exklusiv etwas verkünden: Wir sind uns mit Patrick Glatzel einig. Er kommt aus Sonthofen zu uns.

Mit der Personalie hat es relativ lange gedauert. Ist er die erste Wahl?

Wir hatten drei, vier Torhüter im Kopf, da war er von Anfang an dabei. Er ist also überhaupt keine Notlösung. Die Torhüter waren heiß umworben, alles wird teurer.

Warum?


Weil die Qualität in der Liga ständig gestiegen ist und viele Vereine oben mitspielen wollen. Da steigen auch die Preise, und das wissen natürlich die Spieler und ihre Berater.

Wie viel Geld steht den Exa Icefighters zur Verfügung?

Wir spielen mit 800 000 Euro, inklusive der Ausrüstung und aller Reisekosten.

Ist das im Liga-Durchschnitt?

Kann man schwer sagen, wird dürften im Mittelfeld liegen. Andere Vereine haben die 800 000 Euro nur für ihre Mannschaft. 1,2 bis 1,5 Millionen haben die Top-Vereine der Liga zur Verfügung. Prinzipiell ist ja nie genug Geld da, aber das geht wohl allen Vereinen so. Wir haben das Handicap, dass wir noch immer das Zelt abbezahlen, 150 000 Euro sind da noch abzubauen. Wir brauchen also mehr Sponsoren und mehr Zuschauereinnahmen. Um mehr Zuschauer anzuziehen müssen wir erfolgreiches und attraktives Eishockey spielen. Prinzipiell wollen wir davon wegkommen, immer dem Geld hinterherzuhecheln. Erst wenn das gelungen ist, können wir uns auch mal was gönnen.

Was wollen Sie sich denn gönnen?

Zum Beispiel, einen absoluten Wunschspieler holen. Oder zum Ende der Transferperiode vor Beginn der Playoffs noch mal auf dem Spielermarkt zuschlagen zu können.

Damit es mit dem Aufstieg klappt?

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Zwei, drei Stars im Team garantieren dir nicht den Aufstieg. Du steigst auf, wenn du vier Reihen hast, die 60 Minuten lang Power-Eishockey spielen. Wie es Tilburg und Landshut in der vorigen Saison gezeigt haben. Egal, welche Reihe da auf dem Eis war, da hast du keinen Unterschied gesehen. Das muss unser Ziel sein.

Die DEL2 ist erklärtes Ziel – wann soll es soweit sein?

15 Vereine werden sich auf die Fahnen schreiben, aufsteigen zu wollen. Wir müssen zunächst weiter wachsen. In zwei, drei Jahren wollen wir bereit sein, um den Aufstieg zu spielen. Die Wirtschaftlichkeit steht aber immer an oberster Stelle.

Trainer Sven Gerike hat noch zwei Jahre Vertrag – muss er liefern?

Er wird liefern.

Wie lautet das Fazit der ersten Saison im Kohlrabizirkus?

Mehr als zufriedenstellend. Wir hatten ein Zuschauer-Plus, lagen bei etwa 1500 pro Spiel. In den nächsten zwei, drei Jahren möchten wir auf einen Schnitt von 2000 bis 2500 Zuschauer kommen. Und nicht nur die Derbys gegen Halle, sondern drei, vier mehr Top-Spiele sollten ausverkauft sein.

Die hohen Betriebskosten waren immer ein Problem. Hat sich das mit der L-Gruppe als Sponsor jetzt entschärft?

Klar, das hilft. Aber wir sind ganz normale Mieter in der Eisarena, keine Betreiber. Wir helfen aber mit, dass alles in die Gänge kommt. Wenn es der Eisarena gut geht, geht es uns auch gut.

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Gibt es in der kommenden Spielzeit Neuerungen im Kohlrabizirkus?

In diesem Jahr noch nicht. Auch unsere Ticket-Preise bleiben stabil, im Schnitt elf Euro. Ich will nicht die Ticketpreise erhöhen, sondern mehr Leute im Stadion. Unser Vorteil ist, dass wir jede Woche zu Hause zu sehen sind.

Wie ist das Team sportlich aufgestellt?

Die Mannschaft steht, wir sind noch nie im Juli so weit gewesen mit der Planung wie diesmal. Ich denke auch, dass wir besser besetzt sind als in der letzten Saison. Wir haben auch eine andere Ausgangsbasis als letztes Jahr. Da war es schwierig, weil die gesamte Vorbereitung auswärts erfolgte. Jetzt wollen wir schon Ende August auf eigenem Eis trainieren. Klar ist, wir müssen einen Schritt nach vorn machen, wenn wir uns in Leipzig behaupten wollen. Wir wollen unter den ersten fünf der Liga mitspielen, das wäre sportlich ein Schritt nach vorn. Ich habe ein sehr gutes Gefühl.

Woran machen Sie das fest?

Jedes Jahr lade ich das Team zum Grillen ein, mitten in der Spielpause. Diesmal waren fast alle da und es war sehr schön. Ich habe wirklich das Gefühl, wir haben eine Truppe, die begeistern wird. Und wir haben eine eingespielte Truppe, die punktuell verstärkt worden ist.

Was ist zu den neuen Spielern zu sagen?

Wir schauen bei den Verpflichtungen auf die Charaktere, das sind alles gute und sympathische Jungs. Am meisten freue ich mich auf Goran Pantic, er ist ein mega-sympathischer Kerl. Da stehen zwei Meter und 120 Kilo auf dem Eis, das ist imposant. Er hat das Zeug zum Publikumsliebling.

Wie lange spielt eigentlich Esbjörn Hofverberg noch, der wird bald 49?

Der spielt so lange, bis er vom Eis getragen wird. (lacht) Im Ernst: Wir werden gemeinsam eine Lösung finden. Ich glaube aber schon, er wird noch mal spielen.

Sie haben mit Paul Savchenko und Saskia Lang das Marketing-Team verstärkt. Mit welchem Ziel?

Wir wollen in diesem Jahr eine ganz andere Präsenz zeigen in der Stadt neben den beiden Großen RB und DHfK. Wir wollen weiter wachsen, aber wir wollen auch das Familiäre behalten.

Das Familiäre?

Ja, denn wir verstehen uns als eine große Familie. Ein Beispiel: Stephan Tramm wechselt zu den Kassel Huskies in die DEL2. Er war am letzten Wochenende bei uns und sagte: Als meine Familie sehe ich immer noch euch in Leipzig an. Wenn er ein Problem hat, ruft er mich an. Und wenn er uns besucht, umarmt er meine Frau und mich, wie in einer Familie halt.

Die Icefighters gehen in die zehnte Spielzeit, Sie haben den Verein mit gegründet. Hätten Sie eine solche Entwicklung damals für möglich gehalten.

Im Leben nicht. Es ist eine unglaubliche Geschichte. Ich habe das damals nur gemacht, damit es überhaupt weitergeht mit Eishockey in Leipzig. Ich hätte nie gedacht, dass ich das zehn Jahre lang mache. Damals wollte ich das Projekt nur mit anschieben, dann sollten Profis kommen. Nun haben wir uns zehn Jahre lang durchgehangelt, aber es gibt uns noch. Jetzt gehören wir mit unseren Strukturen bereits zu den Top-Teams der Liga, viele loben unser Umfeld, wenn sie zu uns kommen.

Wie sieht das Verhältnis zwischen Ihrer Geschäftsführer-Tätigkeit in der eigenen Firma und bei den Icefighters aus?

Das Verhältnis liegt bei etwa 50:50. Entscheidend ist: Ich habe wirklich ein geiles Team in Taucha. Ich kann dort meine Firma leiten und gehe ins Nachbarbüro, da sitzen meine Eishockey-Mitarbeiter und ich kann mich um den Verein kümmern.

Ihr Wunsch für die neue Saison?

Ich hoffe, dass wir früher in den Flow kommen, mal früh zwei, drei Heimspiele gewinnen. Es gibt keine Entschuldigung - ab Ende September muss es im Kohlrabizirkus Vollgas-Eishockey geben.

Uwe Köster, Frank Schober